RegionalwahlenFeine Risse im Vereinigten Königreich

In Schottland regieren die Separatisten nun mit absoluter Mehrheit. Verlierer der Regionalwahl sind die Liberalen, ihr Vorsitzender Clegg ist der Prügelknabe der Nation. von 

Der Separatist Alex Salmond

Erster Minister Schottlands: Der Separatist Alex Salmond.  |  © Jonathan Mitchell/AFP/Getty Images

Eben noch rauschhafte Beschwörung nationaler Einheit angesichts der königlichen Hochzeit – nun irritierende Indizien, die auf ein Disunited Kingdom , auf den möglichen Zerfall des Vereinigten Königreiches hindeuten könnten. In Schottland regiert fortan eine separatistische Partei mit absoluter Mehrheit. Die schottischen Nationalisten unter Führung des ebenso charismatischen wie cleveren Alex Salmond streben seit langem nach Unabhängigkeit. Jetzt peilen sie ein entsprechendes Referendum an, wahrscheinlich für 2015. Doch es ist mehr als fraglich, ob ihre Rechnung aufgehen wird.

Gewiss maulen die Schotten gern über die Engländer. Doch heißt dies ganz und gar nicht, dass sie die Idee einer Scheidung ernsthaft erwägen würden. Für ein unabhängiges Schottland gab es selbst in der vergangenen Dekade keine Mehrheit. Obwohl Alex Salmond die Zukunft einer souveränen Nation in leuchtendsten Farben ausmalte und auf den Reigen wohlhabender kleiner Nationen wie Irland, Norwegen und Island verwies. Die Schulden- und Bankenkrise der letzten Jahre haben seine Versprechungen als Illusion entlarvt.

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Ohne die finanzielle Hilfe Londons wäre Schottland längst an der Großmannssucht seiner Banken zerbrochen. Die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich besitzt weitere Vorteile, etwa höhere staatliche Zuwendungen aus dem britischen Steueraufkommen als beispielsweise England, derer sich die meisten schottischen Wähler durchaus bewusst sind. In einem Referendum dürften sie kaum für Unabhängigkeit stimmen.

Alex Salmond, alter und neuer Erster Minister Schottlands, der vier Jahre lang als Chef einer Minderheitsregierung kompetent regiert hat, trägt dieser Stimmung Rechnung. Er befleißigt sich gegenüber England einer umgänglichen Sprache, preist Königin Elisabeth, versichert, Schottland wolle auch in Zukunft "unter dem Dach der Monarchie" bleiben und er lässt behutsam durchblicken, die schottischen Nationalisten könnten sich mit mehr Autonomie und Kompetenzen für Edinburgh zufrieden geben.

Clegg, der große Verlierer

Kein Zweifel, Salmond war der strahlende Gewinner des Wahltages. Der Part des großen Verlierers ist Nick Clegg, dem Chef der Liberaldemokraten, nicht streitig zu machen. Doch auch Labour und Ed Milliband haben Grund, mit Sorgen in die Zukunft zu schauen, angesichts des Verlustes des schottischen Herzlandes und der Unfähigkeit, im englischen Süden Terrain zurückzugewinnen. Doch selbst David Cameron, der zweite Gewinner, mag sich nicht so recht freuen. Dabei hätte er allen Grund zur Genugtuung. Die Tories schnitten blendend ab: Bei den Lokalwahlen legten sie zu, das Referendum über die Wahlrechtsreform hätte mit 68 zu 32 Prozent nicht deutlicher ausfallen können.

Leserkommentare
  1. Früher standen die Lib Dems und die Tories für saftige Sex-Skandale. Die Lib Dems vor allem für call boys, die Tories für SM (nicht umsonst spricht man vom vice anglais).

    Nur so mal als Tipp. Mehr bunga bunga, weniger austerity, dann klappts auch mit den Wahlen.

  2. Auf der ganzen Welt haben sich sozialdemokratische Parteien scheinbar mit ihrem langsamen Niedergang abgefunden. Die Liberlen schienen eine kurze Zeit lang eine Alternative sein zu können. Nach den Wahlen in Großbritannien aber auch in Kanada ist aber klar, dass sie es nicht sind:
    http://bit.ly/kINzDF

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