ZEIT Online: Wie bewerten Sie den Vorstoß Dänemarks , Grenzkontrollen wieder einführen zu wollen?

Manfred Weber: Der Vorschlag Dänemarks ist aus meiner Sicht inakzeptabel. Es kann nicht sein, dass sich einzelne Staaten im Schengen-Raum die Rosinen herauspicken und gleichzeitig die Verantwortung verweigern. Entweder man unterstützt Schengen komplett oder man tritt aus.

ZEIT Online: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sieht beim Schengen-Abkommen dennoch Nachbesserungsbedarf . Ist eine Neufassung notwendig?

Weber: Es gibt in Europa momentan generell eine Debatte über das Abkommen, durch die Flüchtlingsproblematik in Italien oder die EU-Erweiterung mit Bulgarien und Rumänien . Da bin ich mit dem Innenminister einig. Aber es muss klar sein, dass es kein Zurück sondern nur eine Weiterentwicklung geben kann. Und auf parlamentarischer Seite wird es kein Aufweichen und kein Zurück zu alten Grenzkontrollen geben.

ZEIT Online: Hans-Peter Friedrich hat in einem Interview den, wie er sagte, "außergewöhnlichen Migrationsdruck" als Voraussetzung für verschärfte Grenzkontrollen beschrieben. Wie sehen Sie das?

Weber: Wenn man über solche außergewöhnlichen Situationen spricht, muss man auch sehen, wo sie herkommen. Im konkreten Fall Italiens haben wir es mit einem Vollzugsproblem des Europäischen Rechts zu tun. Die italienische Regierung setzt das Recht nicht konsequent um. Das darf aber nicht bedeuten, dass wir deshalb andere Rechte aufweichen. Sondern die Konsequenz daraus muss die konkrete Umsetzung des europäischen Rechts sein.