NordkoreaFast heimlich – Diktator Kim in China

Bereits zum dritten Mal in zwölf Monaten ist Nordkoreas Diktator Kim Jong Il nach China gereist, diesmal offiziell. Er will offenbar für seine Freihandelszonen werben. von 

Wenn Nordkoreas Diktator Kim Jong Il seine Verbündeten in China besucht, tut er dies in der Regel heimlich. Und er fährt immer mit dem Zug, so geschehen auch am Freitag vergangener Woche. Die Regierung in Peking lässt sich auf diese Heimlichtuerei ein und berichtet wird über die Besuche, falls überhaupt, erst nach der Abreise, auch wenn das auf diplomatischem Parkett einen etwas merkwürdigen Eindruck hinterlässt. Dieses Mal jedoch wurde Kims Reise schon früh von höchster Stelle durch Chinas Premier Wen Jiabao bestätigt, was auf eine gewisse Besonderheit dieses Besuchs hinweist.

Wen war am Sonntag zum ostasiatischen Mini-Gipfel zusammen mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak in Japan eingetroffen, um die Atompolitik nach der Fukushima-Katastrophe zu besprechen. Noch während Kim mit seinem Sonderzug in Yangzhou in der wirtschaftlichen Boomprovinz Jiangsu eintraf, berichtete Wen in Tokio, dass man Kim Jong Il eingeladen habe , damit er Chinas Wirtschaftsentwicklung studieren und Schlussfolgerungen für das eigene Land ziehen könne. Besonders an diesem Trip ist dabei nicht nur, dass er nach bereits zwei Tagen offiziell wurde, sondern auch, dass Kim zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten ohne den üblichen Gegenbesuch aus Peking angereist kommt. Ein Hinweis auf die extreme Abhängigkeit von China.

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Nordkorea ist eine Kommandowirtschaft, wie sie zuletzt zu Zeiten Stalins in den Staaten des Ostblocks geführt wurde. Nur haben diese Länder dieses System längst abgelegt. Das Regime in Pjöngjang hielt daran fest – und ist dabei denkbar erfolglos. Jeder vierte der 24 Millionen Nordkoreaner leidet laut UN akut an Hunger. Es mangelt an Grundnahrungsmitteln, Treibstoffen und Medikamenten, grundlegenden Gütern also. Gleichzeitig unterhält das Regime eine der größten Armeen der Welt und investiert eifrig in die Entwicklung von Atombomben und Raketen.

Wegen der Atomrüstung steht Pjöngjang unter UN-Sanktionen, die China mitträgt, doch weitere Sanktionen, etwa wegen des tödlichen Torpedoangriffs auf ein Kriegsschiff Südkoreas vergangenes Jahr, unterstützt es nicht. Vielmehr ist China durch Nahrungsmittel- und Öllieferungen zum Überlebensgarant der Kim-Diktatur geworden. Zum einen weil es an den noch nicht erschlossenen Rohstoffen Nordkoreas interessiert ist. Zum anderen fürchtet man Unruhen unter den darbenden Nordkoreanern, man möchte keine Probleme an der gemeinsamen Grenze haben. Ein Zusammenbruch des Systems könnte zudem den vom US-Militär unterstützen Süden Koreas bis an die Grenze der Volksrepublik bringen.

Die Wirtschaft Nordkoreas ist zuletzt geschrumpft, während das Bruttoinlandsprodukt des großen Nachbarn China in 30 Jahren um das 14-fache gewachsen ist. In Pjöngjang hat man sich nun vorgenommen, mit einem Zehnjahresplan ab 2012 aus dem Tief herauszukommen . Wie Vorbild China vor über dreißig Jahren versucht Kim Jong Il es daher mit Sonderwirtschaftszonen. Was bisher aber noch in bescheidenem Rahmen passierte, soll jetzt mit großen Entwicklungsprojekten im Nordwesten Nordkoreas nahe der Stadt Rason sowie auf zwei Inseln in der Grenzregion zu China zu ökonomischem Erfolg führen. Streng abgeschirmt vom Rest des Landes soll hier echte Marktwirtschaft praktiziert werden. Kims Reise wird unter südkoreanischen Analysten daher auch als Versuch gesehen, mehr chinesische Investitionen für die Freihandelszonen entlang der Grenze zu aktivieren. Weitere spezielle Industriezonen sollen zudem geplant sein.

Mehr ökonomische Eigenständigkeit in Nordkorea käme der chinesischen Regierung nicht ungelegen, ist sie es doch, die das Land aushält. Bislang hat Peking in der Grenzregion vor allem in die Erschließung der Infrastruktur investiert. Doch die politische Unberechenbarkeit der Diktatoren-Dynastie in Pjöngjang gilt als großes Hindernis für Investoren, auch solchen aus dem Nachbarland China. Zudem wird es nicht ausreichen, allein Sonderwirtschaftszonen mit wahrscheinlich rekordverdächtig niedrigen Löhnen anzubieten.

Dies hat China zwar seit Anfang der achtziger Jahre auch getan, doch hat Peking unter Deng Xiaoping die Volkswirtschaft aus sich selbst heraus angeschoben. Man gab den Bauern Pachtland und ließ sie einen Teil ihres Anbaus und ihrer Ernte selbst bestimmen und verkaufen. Parallel wurde gerade in ländlichen, aber stadtnahen Regionen die Gründung kleiner Industriebetriebe forciert. Beides waren wichtige Faktoren für den Erfolg der chinesischen Wirtschaftsreformen. Pjöngjang hat solch einen Schritt bislang nicht gewagt, denn Marktwirtschaft bedeutet eben immer auch ein Mindestmaß an Mobilität und Freiheit. Und das will Familie Kim nicht.

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Leserkommentare
  1. Das beste und einzig mögliche Konjunkturprogramm in dem Land ist ein Rücktritt von Kim Jong-il.
    Selbst wenn es jetzt zu Reformen kommt und - theroretisch - eine Marktwirtschaft in dem ganzen Land eingeführt werden würde, würde das nicht viel helfen, weil der Mann als jemand, der eine funktionierende Volkswirtschaft einführen soll, komplett ungeeignet ist.
    Von Marktwirtschaft versteht der weniger als nichts und daran wird sich auch nichts ändern.
    Vielleicht ist es wie in Kuba, wo es jetzt nach der Ablösung von Fidel Castro durch Raul Castro besser wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der hat eine sehr große delegation im westen lange leben und studieren lassen (seines alters) die haben ihm berichtet-er ist wohl gemein aber sicherlich nicht dumm oder unwissend-über diese delegation gab es einen langen film mit interviews, die sprachen zum beispiel mehrere sprachen, auch deutsch

  2. diesen alten mann doch verreisen-einen einfluß auf seine diktatur können wir doch nicht nehmen-vielleicht langfristig china wenn sie dort einen markt bediehnen können verbessert sich die situation für das arme volk

  3. Als vermutlich einziges Land der Welt hat China die Möglichkeiten, das Leben der Menschen in Nordkorea positiv zu beeinflussen.

    Das Reich der Mitte könnte seine militärische, politische und wirtschaftliche Unterstützung an Auflagen binden, die Millionen Hungernden eine zumindest leichte und allmähliche Besserung brächte.

    Könnte - jedoch, sie tun es nicht. Verfolgen eigene Ziele - wir im Westen kennen diese Geschichte von unserer eigenen "Schutzmacht".

    Ähnliches gilt für das Verhältnis Weißrussland - Rußland. Auch hier passiert nichts in Richtung humanitärer Hilfe.

    Damit ist die Liste noch lange nicht am Ende. Griechenland, Portugal, Nordafrika, Philippinen...

    Ist Deutschland, ist die EU womöglich auch für Menschen in anderen Ländern mit verantwortlich?

    Wie ist die Vorgehensweise Italiens mit Flüchtlingen aus Afrika, wie die Vertreibung von Zigeunern aus Frankreich, die Ablehnung von Asylanträgen in Deutschland zu bewerten? Bewußt als Frage formuliert, nennt mich ruhig "Gutmensch".

    Es ist an der Zeit für eine generelle Entscheidung:
    Entweder kümmert sich jeder Staat um seine eingenen Belange in "wirtschaftlicher und kultureller" Beziehung oder wir nehmen den Verzicht auf Teile unseres Wohlstands in Kauf und teilen mit denen, die es nötiger haben. Das bisherige Wischiwaschi bringt es jedenfalls nicht.

    Ich denke, es ist eine der Kernfragen für die kommenden 50 Jahre Menschheit und sie gehört beantwortet. Bedenken wir sorgfältigst die Folgen eines "Nein"!

  4. der hat eine sehr große delegation im westen lange leben und studieren lassen (seines alters) die haben ihm berichtet-er ist wohl gemein aber sicherlich nicht dumm oder unwissend-über diese delegation gab es einen langen film mit interviews, die sprachen zum beispiel mehrere sprachen, auch deutsch

    • Buono
    • 24. Mai 2011 3:13 Uhr

    denn die Folgen sind voellig unabsehbar. China und vor allem Suedkorea haetten es mit sehr vielen Fluechtlingsproblemen und "Wiederaufbau"kosten zu tun, die niemand dort in der Region stemmen kann und will. Von dem schwierigen ideologischen Umerziehungsprozess, der ueber mehrere Generationen dauern wuerde, mal noch ganz abgesehen, gaebe es ja sogar die Gefahr eines extremen Buergerkrieges zwischen der privilegierten Kaste und den eventuell Aufbegehrenden.

    • Afa81
    • 24. Mai 2011 12:20 Uhr

    ...dass Kim in erster Linie deshalb mit China verhandelt, weil die ihm eben nicht drein redet. Aus dem selben Grund funktionieren auch die Beziehungen mit dem Sudan. Ich meine, ist ja nicht so, dass ich das begrüße. Aber Kim Jong Il weiß auch, dass er einen Regimwechsel wohl nicht überleben würde und dass ein wenig mehr Freiheit für sein Volk, seinen Untergang beschleunigen würde. Nordkorea ist abgeschottet. Die Bevölkerung glaubt unter der Propaganda, im perfekten Land zu leben. Wenn man dann auch nur einen Funken aus dem Ausland mitbekommt, ist es damit vorbei. Touristen dürfen auch nicht mit Einwohnern sprechen bzw. die Einwohner nicht mit den Touristen, sonst wirds gefährlich. Solch ein Feuer verbreitet sich schnell. Deshalb wird Kim Jong Il auch nur so lange mit China zusammen arbeiten, wie diese ihm nicht in seine Politik reinreden. Lieber lässt er dann sein Volk weiter hungern.

    • beni77
    • 24. Mai 2011 16:50 Uhr

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  • Quelle Reuters
  • Schlagworte China | Nordkorea | UN | Deng Xiaoping | Bruttoinlandsprodukt | Freihandelszone
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