Flüchtlinge aus Libyen Das Ende eines großen Traums
Hunderte waren an Bord, nur wenige überlebten, als ihr Schiff vor Tripolis sank. Flüchtlinge erzählen von Chaos und Angst schon vor der Abfahrt in Libyen.
© Mauro Seminara/AFP/Getty Images

Flüchtlinge aus Libyen erreichen die Küste von Lampedusa.
Auch drei Tage nach der Flüchtlingstragödie vor der libyschen Küste gab es am Montag noch wenig Klarheit über die Zahl der Opfer. Nach Lampedusa gelangte Afrikaner hatten berichtet, ein mit gut 600 bis 800 Flüchtlingen überladenes, kaum mehr hochseetaugliches Boot sei am Freitag, eine Stunde nach der Abfahrt von Tripolis, gekentert. Der somalische Botschafter in Tripolis sprach von 16 toten Landsleuten und "zahlreichen Vermissten". Für das UN-Flüchtlingshilfswerk erklärte die italienische Sprecherin Laura Boldrini am Montag in Rom, andere Informationsquellen gebe es derzeit nicht; mehr Details seien nicht bekannt.
Die Internationale Migrationsorganisation (IMO) berichtet von einer überlebenden Somalierin, die von der IOM-Mitarbeiterin Daria Storia auf Lampedusa befragt worden ist.
Die Frau berichtete Storia, sie sei auf dem gesunkenen Schiff gewesen und habe ihr Baby verloren. Sie sei dann an Land geschwommen und habe dort ein weiteres Schiff nach Italien bestiegen. "Sie hatte einen Schock", sagte Storia. "Sie war desorientiert und verstört."
Derzeit brechen nach Angaben Boldrinis in erster Linie Eritreer, Somalier und Schwarzafrikaner von Libyen aus in Richtung Italien auf; libysche Staatsbürger indes sind nicht dabei. Vielmehr handelt es sich um Flüchtlinge, die nach Durchquerung der Sahara bereits seit Monaten oder Jahren an der Südküste des Mittelmeers auf eine Gelegenheit zur Überfahrt warten. Ihre Lebenssituation, so Boldrini, sei "sehr schwierig". Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerks auf Lampedusa hatten unlängst erzählt, Schwarzafrikaner würden in Libyen für angeworbene Söldner Gaddafis gehalten und blutig verfolgt; vieletrauten sich aus Angst vor Gewalt und aus Sorge um ihre Familien nicht mehr aus ihren Häusern. Etliche Schwarzafrikaner hatten von Libyen aus offenbar auch schon direkten telefonischen Kontakt mit dem UNHCR in Italien aufgenommen.
Flüchtlinge aus Libyen haben der IOM berichtet, dass sie teilweise nichts für die Überfahrt bezahlen mussten. Einige sprachen sogar davon, sie seien von libyschen Soldaten auf die Boote gezwungen worden. Einige hätten nach dem Sinken des Schiffs Angst bekommen, daraufhin hätten die Soldaten in die Luft geschossen und sie nicht wieder an Land gelassen. Die IOM schreibt, dies sei das erste Mal, dass Flüchtlinge von Drohungen durch Soldaten berichten. Aber viele hätten erzählt, dass die Soldaten ihnen ihr Geld und ihre Mobiltelefone abgenommen hätten. Andere berichteten, sie hätten für die Überfahrt die normalen Tarife bezahlt.
Anders als die Einwanderer aus Tunesien sind die Flüchtlinge aus Libyen in aller Regel nicht in der Lage, ein seetüchtiges Boot zu kaufen und günstige Wetterbedingungen abzuwarten. Warum gerade im Augenblick so viele aufbrechen, kann sich Laura Boldrini nicht erklären. Gewiss, sagt sie, habe Oberst Gaddafi gedroht, Europa mit Flüchtlingen zu überschwemmen, aber ob die Ankünfte politisch gesteuert seien, lasse sich nicht sagen. Boldrini nimmt eher an, "dass in den libyschen Häfen keinerlei Kontrolle mehr existiert". Nur die Schleuser, sagt die Italien-Sprecherin des UNHCR, verrichteten weiter ihr Geschäft. Sie schickten die Schwarzafrikaner "bewusst in den Ruin", indem sie die Flüchtlinge auf schlechte, ausgediente, abgewrackte Boote setzten.
Seit März sind aus Libyen neben 30.000 Tunesiern 11.000 weitere Flüchtlinge aus dem Land in Italien angekommen. Es gilt als sicher, dass mehr Personen aufgebrochen, aber niemals angekommen sind. In den 23 Jahren zuvor, so die Zahlen der Organisation "Fortress Europe", sind allein zwischen Tunesien, Libyen und Italien, 4250 Personen beim Versuch ertrunken, europäisches Ufer zu erreichen. Auch die spektakuläre Rettungsaktion, bei der am Sonntag morgen mehr als 500 Flüchtlinge vor den Klippen Lampedusas mit einer Menschenkette aus dem Wasser gezogen worden sind, ist nicht so glimpflich abgelaufen, wie behauptet: Unter dem Wrack des gestrandeten Bootes wurden am Montag die Leichen von drei etwa 25-jährigen Flüchtlingen geborgen.
- Datum 10.05.2011 - 11:11 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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afrianischen Seite? Was passiert mit den Schiffen und der
Besatzung der Fluechtlinge, die ankommen? Fahren die weiter
Pendelverkehr gegen horrende Honorare?
Europa als ehemaliger Unterstützer der diktatorischen Regime Gaddafi, Mubarak u.a. ist Mitverursacher der jetzigen Zustände und damit direkt mitverantwortlich für die Flüchtlingsströme.
Es wäre nicht mehr als recht und billig, daß Europa dafür sorgt, daß die Flüchtlinge sicher bei uns ankommen und Unterkunft finden. Die Flüchtlinge sollten offiziell mit Passagierfähren abgeholt und europaweit aufgenommen werden.
Alles Andere ist Verrat an der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung und den Menschenrechten, die sich Europa (und die westlichen Partner) gerne so plakativ auf die Fahnen schreiben, solange niemand konkret die Einlösung dieser Versprechen fordert.
Europa ist auch ein ehemaliger Unterstützer der USA ( nämlich mit seinen vielen Auswanderern seit ein paar Hundert Jahren ) und auch in Südamerika war Europa mal involivert. Und in Asien ja auch. Und von Australien ganz zu schweigen.
Da gibt es eine Menge Schiffe, die wir zu verschicken hätten.
Aber solange es einen nicht selbst betrifft, kann man die Fahne der "demokratisch-freiheitlichen Grundordnung und der Menschenrechten" hoch halten.
Kleiner Hinweis: Die Flüchtlinge sind zumeist weder Libyer noch Ägypter. Überdenken Sie also Ihre Argumentation noch einmal. Abgesehen davon würde ich aber auch dann Europa nicht in der Verpflichtung sehen.
Zitat
"Es wäre nicht mehr als recht und billig, daß Europa dafür sorgt, daß die Flüchtlinge sicher bei uns ankommen und Unterkunft finden"
Prima Idee, wieviele würden Sie denn bei sich aufnehmen?
Europa hat mitnichten die Situation in den arabischen Staaten zu verantworten.
Europa ist auch ein ehemaliger Unterstützer der USA ( nämlich mit seinen vielen Auswanderern seit ein paar Hundert Jahren ) und auch in Südamerika war Europa mal involivert. Und in Asien ja auch. Und von Australien ganz zu schweigen.
Da gibt es eine Menge Schiffe, die wir zu verschicken hätten.
Aber solange es einen nicht selbst betrifft, kann man die Fahne der "demokratisch-freiheitlichen Grundordnung und der Menschenrechten" hoch halten.
Kleiner Hinweis: Die Flüchtlinge sind zumeist weder Libyer noch Ägypter. Überdenken Sie also Ihre Argumentation noch einmal. Abgesehen davon würde ich aber auch dann Europa nicht in der Verpflichtung sehen.
Zitat
"Es wäre nicht mehr als recht und billig, daß Europa dafür sorgt, daß die Flüchtlinge sicher bei uns ankommen und Unterkunft finden"
Prima Idee, wieviele würden Sie denn bei sich aufnehmen?
Europa hat mitnichten die Situation in den arabischen Staaten zu verantworten.
Europa ist auch ein ehemaliger Unterstützer der USA ( nämlich mit seinen vielen Auswanderern seit ein paar Hundert Jahren ) und auch in Südamerika war Europa mal involivert. Und in Asien ja auch. Und von Australien ganz zu schweigen.
Da gibt es eine Menge Schiffe, die wir zu verschicken hätten.
Aber solange es einen nicht selbst betrifft, kann man die Fahne der "demokratisch-freiheitlichen Grundordnung und der Menschenrechten" hoch halten.
So tragisch das Geschehen um die Flüchtlinge ist, sehe ich doch nicht ein, dass Europa sich für dieses Desaster verantwortlich fühlen soll.
Selbstverschuldetes Unglück kann und darf man nicht immer anderen - die ein Gewissen haben und werteorientiert leben - auf die Schultern legen.
Und wenn es in dem Artikel heißt, dass Gaddafin gesagt haben soll, er werde Europa mit Flüchtlingen überschwemmen, dann kann man doch ganz selbstverständlich Gegenmaßnahmen ergreifen und diese Menschen in ihre eigenen Länder zurückschicken.
Wenn das die Libyer nicht tun, muß es eben von Italien aus geschehen mit finanzieller Unterstützung der anderen EU-Länder, die auch nicht erfreut sind über diese Flüchtlingsströme.
Die PolitikerInnen sollten endlich den Mut haben und offen aussprechen, dass sie nicht bereit sind, diese Flüchtlinge aufzunehmen, die zuvor in Libyen gearbeitet haben oder bewußt diesen Krieg nutzen,um nach Europa zu kommen.
Jeder sog. Flüchtling finde ich, hat die Pflicht mitzuhelfen, sein Land mit allen seinen Fähigkeiten aufzubauen und sich nicht durch Flucht in ein anderes Land dieser Aufgabe zu entziehen.
Also, ich fände es alles andere als mutig, würden die deutschen PolitikerInnen, bestens abgesichert, mit besten Diäten versorgt etc.... sich den "Mut" nehmen, sich vielleicht gar ein "Herz" fassen und sagen, dass sie diese Armuts- und Kriegsflüchtlinge leider nicht wollen, leider nicht mittragen können. Eines verzweifelten Mutes müssen die sein, die teils seit Jahren auf der Flucht sind, aus Ländern wie Somalia, wo man wahrscheinlich nur fliehen kann, weil da nichts mehr aufzubauen ist, weil da jegliche staatliche Strukturen fehlen.
Es bedarf auch überhaupt keines Mutes seitens der deutschen PolitikerInnen, da diese Flüchtlinge ja überhaupt nicht bis Deutschland vordringen und man sie bestens abzuweisen und abzuwehren weiss und seit Jahrzehnten nun an den gesetzlichen Grundlagen der EU mitgefeilt hat, die dazu geführt haben, dass es eine abgeschottete Festung Europa gibt.
Also, ich fände es alles andere als mutig, würden die deutschen PolitikerInnen, bestens abgesichert, mit besten Diäten versorgt etc.... sich den "Mut" nehmen, sich vielleicht gar ein "Herz" fassen und sagen, dass sie diese Armuts- und Kriegsflüchtlinge leider nicht wollen, leider nicht mittragen können. Eines verzweifelten Mutes müssen die sein, die teils seit Jahren auf der Flucht sind, aus Ländern wie Somalia, wo man wahrscheinlich nur fliehen kann, weil da nichts mehr aufzubauen ist, weil da jegliche staatliche Strukturen fehlen.
Es bedarf auch überhaupt keines Mutes seitens der deutschen PolitikerInnen, da diese Flüchtlinge ja überhaupt nicht bis Deutschland vordringen und man sie bestens abzuweisen und abzuwehren weiss und seit Jahrzehnten nun an den gesetzlichen Grundlagen der EU mitgefeilt hat, die dazu geführt haben, dass es eine abgeschottete Festung Europa gibt.
Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/cs
Kleiner Hinweis: Die Flüchtlinge sind zumeist weder Libyer noch Ägypter. Überdenken Sie also Ihre Argumentation noch einmal. Abgesehen davon würde ich aber auch dann Europa nicht in der Verpflichtung sehen.
Handeltes sich hier um dasselbe Schiff, über das in der "junge Welt" vom 8.5. von Knut Mellenthin
u.a. das Folgende berichtet wird:
Tod im Mittelmeer
NATO-Kriegsschiffe haben ein Boot mit afrikanischen Flüchtlingen 16 Tage lang hilflos im Mittelmeer treiben lassen. Von 72 Menschen überlebten nur neun. Über das bisher von westlichen Medien ignorierte Drama berichtete am Sonntag abend erstmals die britische Tageszeitung The Guardian. Nach den Erkenntnissen des Londoner Blattes war das Flüchtlingsschiff am 25. März im Hafen der libyschen Hauptstadt Tripolis gestartet, um die rund 300 Kilometer entfernte italienische Insel Lampedusa zu erreichen. An Bord befanden sich 47 Äthiopier, sieben Nigerianer, sieben Eritreer, sechs Ghanaer und fünf Sudanesen. Unter den Passagieren waren zwanzig Frauen und zwei kleine Kinder.
Nach 18 Stunden Fahrt geriet das kleine Schiff in Seenot und verlor Treibstoff, heißt es im Guardian-Bericht. Mit einem Satellitentelefon informierten Flüchtlinge den in Rom lebenden eritreischen Priester Moses Zerai. Der Pater alarmierte die italienische Küstenwache, die die Lage des Bootes feststellte und Zerai versicherte, daß alle zuständigen Stellen unterrichtet worden seien.
Tatsächlich tauchte wenig später ein mit dem Wort »Army« beschrifteter Hubschrauber über dem Flüchtlingsschiff auf. Die Besatzung ließ Wasserflaschen und Pakete mit Keksen herab und gab dem Kapitän durch Zeichen zu verstehen, er solle auf Kurs bleiben und die Ankunft eines Rettungsschiffs abwarten. Dieses erschien jedoch nicht. Bei der NATO war bisher nicht zu ermitteln, zu welchen Streitkräften der Hubschrauber gehörte.
....... Am 29. oder 30. März befand sich das Boot in Sichtweite eines Flugzeugträgers. Nach Angaben von Überlebenden stiegen zwei Düsenjäger auf und überflogen das Boot in niedriger Höhe, während die Flüchtlinge ihnen verzweifelt zuwinkten. Auch jetzt kam jedoch keine Hilfe.
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