Geheime Konten : Gadhafi bunkerte 360 Millionen Franken in der Schweiz

Ben Ali, Mubarak und Gadhafi: So wie viele schafften auch diese drei Despoten Vermögen außer Landes. Die Schweiz hat die Summe der Potentatengelder nun erstmals benannt.
Libyens Machthaber Muammar al-Gadhafi © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey hat bei einem Besuch in Tunesien aktuelle Zahlen zu Potentatenvermögen aus Nordafrika vorgelegt. Das gesperrte Geld bei eidgenössischen Banken beläuft sich demnach auf rund 830 Millionen Franken.

Am meisten stammt dabei aus dem Umfeld des durch Proteste zum Rücktritt gezwungenen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Hier seien umgerechnet rund 410 Millionen Franken gesperrt worden, sagte Calmy-Rey.

Auch von Seiten des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi sind beträchtliche Vermögenswerte aufgetaucht. Seit Verhängung der Sanktionen gegen dessen Regime Ende Februar wurden hier 360 Millionen Franken (umgerechnet rund 280 Millionen Euro) eingefroren.

Sehr viel weniger als bislang angenommen hortete dagegen der inzwischen gestürzte tunesische Präsident Sajn al-Abadin Ben Ali. Calmy-Rey bezifferte den Betrag hier auf 60 Millionen Franken.

Bern hat Banken und Finanzinstitute angewiesen, mutmaßliche Guthaben der drei Männer einzufrieren. Tunesien und Ägypten hätten bereits Schritte eingeleitet, um das Geld einzufordern. Calmy-Rey mahnte allerdings, dies sei nicht so einfach, wie man sich das vorstelle. "Es gibt nicht einfach Konten auf den Namen des Herrn oder der Frau Ben Ali. Die Gelder sind in komplizierten Finanzgebilden untergebracht." Im kürzesten Fall habe die Rückgabe der Gelder vier Jahre gedauert.

Derweil will Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier gegen die Entscheidung der Schweiz vorgehen, Vermögenswerte seiner Familie einzuziehen. Insgesamt sollen 5,8 Millionen Franken (rund 4,5 Millionen Euro) konfisziert und an die aktuelle Regierung übergeben werden. Dagegen will Duvalier vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof klagen, sagte ein Vertrauter des früheren Präsidenten. Denn das Geld gehöre nicht Duvalier, sondern einer Stiftung seiner verstorbenen Mutter und solle für den Wiederaufbau des Landes eingesetzt werden.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Die Schweiz, das dunkle Herz Europas...

Man darf gespannt sein, wieviel Geld der Diktatoren auf deutschen und EU-Konten gefunden werden.
Der letzte OECD-Geldwäschebericht lässt erahnen, dass es im Vergleich mehr als ein paar hundert Milliönchen sein werden, schliesslich ist Deutschland ja bestätigterweise ein Geldwäscheparadies!

Schöne Grüsse aus der Schweiz (von der OECD ausgezeichneter Spitzenreiter in Sachen Geldwäschebekämpfung).

Sie scheinen keine Ahnung zu haben

[...]

1. Die Schweiz war das erste Land das Gaddafis Geld umgehend eingefroren hat.

2. Deutschland hat mit Gaddafi Geschäfte in Höhe von 5 Mia gemacht

3. England hat zwischen 4 bis 5 Mia Geld von Gaddafi auf ihren Banken.

[...]

Es spielt keine rolle welches Land sie nennen alle haben mit Gaddafi Geschäfte gemacht.
Spanien, Frankreich, England, Italien, Deutschland usw.

Fangt erst mal an zu schauen wie viel Geld von den Despoten auf der Deutschen und anderen Banken herum liegen, auf die sie immer noch zugriff haben.

Die Schweiz hat ihre Hausaufgaben gemacht und die Gelder eingefroren und das schon Wochen vor den anderen Staaten.

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

Bitte geben Sie Ihrem Kommentar ei

Es ist immer gut,wenn man von anderen Leutens Leder für sich Riemen schneitet. Wer bekommt die Zinsen von dem Geld. All die vielen Gelder die von den Engländern,der USA, der Schweiz und wer nochGeld von Fre4mten Mächten beauf Eis gelegt haben werden den jeweiligen STAATEN - VÖLKERN NICHT ZURÜCK GEZAHLT. Die USA halten bis jetz noch die Milliarden $ von Sadam Husain, Irak zurück. Das gehört dem Irakischen Volk.

19. Die Rechtmäßigkeit großer Vermögen

"Nicht jedes Vermögen resultiert automatisch aus einem Verbrechen."
Das habe ich nirgendwo ausgesagt.

Es ist jedoch - ab einer bestimmten Vermögenshöhe - mehr als unwahrscheinlich, dass man sich auf normalem Wege größere Vermögen erarbeiten kann, ohne dabei illegale Handlungen zu begehen oder Handlungen, welche man als illegal aufnehmen muss.

Dazu gehört auch Steuerhinterziehung, Steuerverkürzung usw.

Wer also größere Vermögen hat, der kann auch deren Rechtmäßigkeit nachweisen.

Aber, aber,....

....es sind Vermoegen verschiedener Sorten, d.h., nicht nur Bargeld, sondern auch Aktien, Immobilien und sonstige Anlagen und Beteilungen, die ja unter vielen Namen privater Personen oder auch Firmen weltweit versteckt sind. Da wissen die Banken selbst nicht so genau, was wem gehoert. Verhoeren hoert sich vielleicht negativ an und Sie wuerden wahrscheinlich diktatorische Staaten damit assoziieren. Dem ist es aber nicht so, denn Verhoer ist ein ganz legitimes Mittel und wird nur nach richterlichem Beschluss und unter Aufsicht, durchgefuehrt. Auch in Deutschland gibt's Polizei, LKAs, BKA und Steuerfahndungsbehoerden die auch Wirtschaftskriminalitaet bekaempfen. Und es ist auch gut und so. Denken Sie dabei am juengsten Fall Wirtschaftskriminalitaet, da hat die Bundesregierung dem ehemaligen Bankangestellten aus der Schweiz den Datentraeger fuer viel Geld abgekauft. Soll heissen, man muss allen gesetzlichen Moeglichkeiten zur Wahrheitsfindung, ausschoepfen. Verhoer ist eine dieser Moeglichkeiten, und zwar, eine effektive.

@Lars Galtung

Zitat
"Es ist jedoch - ab einer bestimmten Vermögenshöhe - mehr als unwahrscheinlich, dass man sich auf normalem Wege größere Vermögen erarbeiten kann, ohne dabei illegale Handlungen zu begehen oder Handlungen, welche man als illegal aufnehmen muss."

Hoho, da stellen Sie aber gleich eine Menge Unschuldige unter Generalverdacht. Mit welchem Recht eigentlich?

Zitat
"Wer also größere Vermögen hat, der kann auch deren Rechtmäßigkeit nachweisen."

Ach, und jetzt muß man mir nicht Schuld nachweisen, sondern ich muß meine Unschuld beweisen, um nicht automatisch Schuld zu sein.
Na, da führen Sie aber gerde unseren Rechtsstaat ad absurdum.

Ich mache meine Steuererklärung, und wenn die Steuerbehörden daran zweifeln, haben sie noch immer das Recht auf Prüfung.

Dazu bedarf es keiner weiteren Reglementierung.