Völkermord-Prozess Mladić an Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert

Serbien hat den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladić an das UN-Tribunal in Den Haag überstellt. Er hatte bis zuletzt versucht, seine Auslieferung zu verhindern.

Der mutmaßliche serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladić ist von Serbien an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert worden. "Mladić ist ausgeliefert", sagte Serbiens Justizministerin Snezana Malovic. Er traf am Dienstagabend in den Niederlanden ein. Das berichtet das niederländische Fernsehen. Das Flugzeug mit Mladić an Bord landete auf dem Flughafen von Rotterdam. Nach den Regeln des Tribunals muss Mladić unmittelbar nach seiner Ankunft in Den Haag vor dem Gericht erscheinen.

Die Polizei hatte zuvor aus Sicherheitsgründen ein Verwirrspiel organisiert. Insgesamt drei Kolonnen mit Polizei-Jeeps hatten im Abstand von einer Stunde das Gericht in Belgrad verlassen, in dem Mladić seit seiner Verhaftung in einer Zelle saß. Die Autobahn von der Innenstadt in Richtung Flughafen wurde von der Polizei blockiert. Weil sich der Transport von Mladić zum Flughafen Nikola Tesla verzögert hatte, konnte die Justizministerin erst eine halbe Stunde später als geplant den Vollzug mitteilen.

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Die serbische Justiz hatte zuvor einen Berufungsantrag abgelehnt. Mladić wollte mit dem Antrag gegen seine Überstellung nach Den Haag vorgehen. Die Auslieferungsunterlagen seien an das Justizministerium weitergeleitet worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Damit kann der 69-Jährige in die Niederlande gebracht werden. Das Ministerium musste die Überstellung Mladićs nach Den Haag formal anordnen; dies werde "binnen weniger Stunden" geschehen, hieß es aus Ministeriumskreisen.

Mladić ist vor dem UN-Tribunal wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs (1992-1995) angeklagt. Er war am vergangenen Donnerstag nach jahrelanger Flucht in Serbien gefasst worden.

Nur einen Tag nach seiner Verhaftung hatte das serbische Sondergericht für Kriegsverbrechen die Überstellung Mladićs nach Den Haag genehmigt. Am Montag hatte Mladićs Anwalt Milos Saljic einen Antrag auf Berufung eingereicht. Nach Überzeugung seines Umfelds ist Mladić gesundheitlich nicht in der Lage, an einem Prozess teilzunehmen.

Vor drei Jahren war der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, nach einem ganz ähnlichen Verfahren nach Den Haag überstellt worden. Er war mit dem Hubschrauber zum Flughafen Belgrad und dann mit einem Regierungsflugzeug nach Rotterdam geflogen worden.

 
Leser-Kommentare
  1. Prozedere. Erst einmal versteckt man die Massenmörder Karadzic, Mladic und man sagt sie seien auf der Flucht. Jahrelang bleiben sie auf der Flucht bist der passende Moment kommt, wo man sie zu seinem eigenen Nutze gebrauchen kann.

    Serbien ist ein Meister des Taktieren. Zwar sind diese beiden ...( kann man sich denken :-) auch schuldig, jedoch hat man den Hauptschuldigen in diesem Fall einfach Suizid begehen lassen.

    Ich hoffe, dass man dieses Mal den Opfern gerecht wird, denn Europa hat viel zu lange diesen Mördern zugesehen.

    Nürberger Prozesse wären eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zack34
    • 31.05.2011 um 16:24 Uhr

    richtet sich an Sie.

    • Zack34
    • 31.05.2011 um 16:24 Uhr

    richtet sich an Sie.

  2. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    • Zack34
    • 31.05.2011 um 16:22 Uhr

    der Über-Bösewicht der Milosevic gewesen sein. Er aber wurde zügig nach seiner Absetzung ausgeliefert, trotz vorbereiteter Klage mit Aussicht auf die Höchststrafe in Belgrad. Als Experte aber kennen Sie das...

    Und was dann passiert ist, ist anscheinend auch Ihnen wie der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Suizid? Auf die Quellenangabe bin ich mal gespannt, vor allem angesichts seiner 24Std-Live-Beobachtung und trotz deutlicher, begründeter Warnungen seiner Ärzte erzwungenem Wechsel der Medikamente.

    Und nun, wo Sie Karadzic erwähnen: jahrelang wurde er gejagt,
    und hielt sich nachweislich abwechselnd in Grenzgebiet zw. Bosnien und Montenegro, ja zuletzt überwiegend in Serbien auf. Dann wurde er gefasst und ausgeliefert. Und was war die Reaktion in Den Haag? Die waren "überrascht", und zeigten der ganzen Welt, dass sie keinerlei Anklage vorbereitet hatten, trotz ihrer ununterbhrochenen Jagd nach ihm.

    Außerdem - ich habe ihn damals auf den Fotos nicht wieder erkennen können, ebenso wenig wie den Mladic jetzt. Aber zum Thema ihrer Flucht und Helfershelfer wird munter geschrieben und "berichtet", ja es werden tonnenweise derart schwache und teils in sich widersprüchliche Geschichten veröffentlicht, dass dem an trockenen Fakten interessierten Leser nicht mehr als Kopfschütteln übrig bleibt.

    Das einzig richtige bleibt:
    gut, dass Mladic vor Gericht kommt, und möge der Geschichte und ihrer Aufarbeitung ein Schicksal wie das von Milosevic erspart bleiben.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Zack34
    • 31.05.2011 um 16:24 Uhr

    richtet sich an Sie.

  3. Mladić ein Verbrecher, ein Schatten seiner selbst.

  4. 6. Leben

    Im Gegensatz zu seinen Opfern wird Ratko Mladic die Deportation überleben.

    Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Die Redaktion/cs

    Eine Leser-Empfehlung
  5. ......aber nur im Knast. Sicher war die Flucht für ihn auch nicht einfach - allerdings mit dieser mächtigen Unterstützung und so lange.

    Leute mit seiner Psyche werden das abkürzen - kennt man ja.

    Was zum Himmelstinkt ist, dass er lt. Medien (bestellten) Besuch des Parlamentpräsidenten und der Gesundheitsministerin im Knast gehabt soll - Kotau sozusagen. Und, dass 51% der Serben ihn immer noch als Helden bezeichnen.

    Und - falls das stimmt - dieser Staat jetzt in die EU rein? Da werden wir noch viel Spaß haben!

    Von mir aus erst in 10 Jahren der Bewährung.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. nicht ein bisschen schnell? Serbien hatte es ziemlich eilig, Mladic nach Den Haag auszuliefern, obwohl es Anträge gab, ihn wegen gesundheitlichen Problemen vorerst nicht auszuliefern.
    Auch hier zählt für den Angeklagten zuerst einmal die Unschuldsvermutung. Jetzt muss der Gerichtshof prüfen und urteilen.
    Ob Serbien deshalb geeignet ist in die EU aufgenommen zu werden, ist eine ganz andere Frage.

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