Was für eine turbulente Woche. Und was für ein diplomatisches Armringen um die Voraussetzungen für Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern. Mit aller Macht zeigt sich in diesen Tagen wieder deutlich: Wird dieser blutige Disput im Herzen der arabischen Welt nicht beigelegt, kommt der Nahe und Mittlere Osten nie zur Ruhe.

Das versuchte auch Barack Obama an diesem Sonntag einiger riesigen Schar amerikanischer Israelunterstützer deutlich zu machen. Mehr als 10.000 Menschen sind zur Jahreskonferenz des amerikanisch-israelischen Lobbyvereins Aipac in Washington zusammengekommen. Ihr Motto: Amerika und Israel müssten mehr denn je zusammenstehen.

Es war eine mit großer Spannung erwartete Rede. Die Konferenz ist nicht unbedingt freundliches Territorium für Obama. Sie war es noch nie. Auch nicht, als er erstmals als Präsidentschaftskandidat 2008 seine Aufwartung machte und leicht waghalsig für Jerusalem als die ungeteilte Hauptstadt Israels plädierte. Kurz darauf musste er seine Aussage revidieren.

Nicht nur deshalb misstrauen hier viele den israelischen Solidaritätsbekundungen Obamas. Sie stehen unverrückbar an Israels Seite und glauben, der Präsident sei grundsätzlich zu nachgiebig gegenüber den Palästinensern. Und seitdem er in dieser Woche Friedensverhandlungen auf der Grundlage der Grenzen von 1967 gefordert hat , fühlen sie sich um so mehr in ihrer Skepsis bestätigt.

Der Auftritt vor Aipac drohte zum Spießrutenlauf für den Präsidenten zu werden. Lee Rosenberg, der Aipac-Präsident und ein guter Bekannter Obamas, bat deshalb um Respekt. Der wurde Obama gezollt. Die große Mehrheit bedachte ihn mit freundlichem Applaus, manchmal sogar mit stehenden Ovationen. Buhrufe waren nur vereinzelt zu vernehmen. Schon auf den Gängen äußerten manche Teilnehmen, Obama habe ja nicht völlig unrecht, aber ...

Obama vermied, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Er umschmeichelte seine Gastgeber, bekannte sich zur unverbrüchlichen Freundschaft mit Israel und sagte, was man sonst auf solchen Treffen zu sagen pflegt. Vor allem zählte er auf, was seine Regierung schon alles für Israel getan habe: Aufstockung der Militärhilfe auf Rekordhöhe; Lieferung neuester Raketentechnologie; Austausch der Waffenforschung.

Zugleich aber verteidigte er seine Politik, sein hartnäckiges Bestehen auf Friedensverhandlungen und auf den Grenzen von 1967. Es war, als wolle Obama allen Michail Gorbatschows Erkenntnis ins Stammbuch schreiben: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Wer jetzt inmitten des arabischen Chaos nicht unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückkehrt und Frieden schließt, wird dauerhaft verlieren. Die Ereignisse in Arabien, warnte Obama, entwickelten sich rasend schnell.

Die vergangenen Tage haben das geradezu dramatisch bestätigt: Vor einer Woche versuchten Tausende von Palästinensern, erstmals Israels Grenzzäune zu stürmen . Sie erinnerten Israel an einen alten Albtraum: Was würde geschehen, sollten sich plötzlich Hunderttausende von Palästinenser einfach auf den Weg nach Israel machen?