Obamas InszenierungswilleDie Macht des fehlenden Bildes

Barack Obama verzichtet darauf, ein Bild des getöteten bin Laden zu veröffentlichen. Das ist klug. Denn nun kann ein anderes an seiner Stelle in die Geschichte eingehen. von 

Beweisfotos gibt es nicht mehr. Es ist richtig, von der amerikanischen Regierung zu fordern , die Öffentlichkeit gründlich darüber zu informieren, was in der Nacht von Sonntag auf Montag geschah. Doch diese Forderung muss nicht mehr einschließen, ein Bild des erschossenen Osama bin Laden zu zeigen. In Zeiten digitaler Bearbeitungstechniken könnte es nichts weiter beweisen. Tatsächlich hat auch ohne Foto in den vergangenen Tagen niemand ernstlich am Tod bin Ladens gezweifelt.

Uns bleibt der Anblick des in den Kopf Getroffenen erspart. Es wird keine Freudenfeiern in den USA geben, in denen neben so grausigen Worten wie "Rot in Hell" auch noch das zerstörte Gesicht bin Ladens zu sehen ist. Und es wird keine antiamerikanischen Demonstrationen anderswo geben, auf denen die Menschen ebendieses Bild als Anklage gegen die USA hochgehalten. Der tote Osama bin Laden wird nicht zur Ikone werden.

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Ganz souverän gibt sich Barack Obama, wenn er sagt, er könne auf diese Trophäe verzichten , wo es bis in die Gegenwart üblich ist, den besiegten Feind zu zeigen. Vor allem aber ist dieses Zurückhalten sehr klug.

Denn auch wenn wir auf Bilder als Beweise verzichten können, brauchen wir sie für unsere Geschichtsbildung. Wer an den 11. September denkt, sieht ein Flugzeug in die Zwillingstürme stürzen. Wer an Fukushima denkt, sieht das Reaktorgehäuse explodieren. Gegen die Macht dieser Bilder kommt keiner an. Sie sind stärker als jede noch so fundierte Analyse oder Kommentierung des Ereignisses. Was also werden wir sehen, wenn wir künftig an den Tod Osama bin Ladens denken?

Der amerikanische Präsident tut alles, damit er es sein wird. Zunächst war da sein "We got him" – so kurz wie endgültig und tauglich für jedes Transparent. Dann folgte das Bild aus jenem Raum, in den die Ergreifung bin Ladens übertragen wurde. Es zeigt Obama im Kreis des nationalen Sicherheitsteams, aufs Äußerste konzentriert, vornübergebeugt und doch mit einer gewissen Distanz zum unmittelbar Operativen. Ein wohlüberlegtes, perfektes Bild von großer authentischer Wirkung. Es hat das Zeug dazu, in die Geschichtsbücher einzugehen.

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Leserkommentare
  1. "Können wir ihn erschießen?"
    "Einen Moment bitte, der Fotograf ist noch nicht da!"

  2. Was immer die US-Administration nun macht, es wird immer richtig aber auch immer genauso falsch sein.

    Werden die Fotos nicht veröffentlicht, wird es immer wieder Leute geben,die die Behauptung aufstellen werden, dass bin Laden tatsächlich der getötete war.

    Werden die Fotos veröffentlicht, wird man gezieltes Zurschaustellen des Getöteten und triumphales Machtgehabe unterstellen.

    Hätte die Administration im Sinne des Rechtsstaates gehandelt und bin Laden einfach verhaftet und dann einen fairen Prozess angestrengt, hätte sie sich das Ganze ersparen können.

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    Es hätte sich das Zweifeln an bin Ladens Tod erspart, aber ich glaube mit Verschwörungstheorien dieser Art kann gerade Obama mittlerweile bestens umgehen. Der "Ärger" den ein Verfahren gemacht hätte wäre völlig unverhältnismäßig größere Gewesen. Ob es nun geplant war ihn sofort zu erschießen oder ob das erst durch einen Schusswechsel passierte (der Kopfschuss spricht zu 60/40 für die Erschießung) ... das Thema der Rechtsstaatlichkeit ist ein grundsätzliches, das nicht jetzt exemplarisch auf den Tod bin Ladens losgetreten werden sollte, denn diese Aktion ist nur eine unter vielen. Denken wir nur an das "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt". Das ist auch nur eine sehr lose Auslegung des Völkerrechts mit der Begründung dass durch den Terrorismus, der sich ziemlich willkürlich in Afghanistan verorten ließ, Deutschland von außen angegriffen wird. Das ist ziemlicher Unsinn. Aber es wurde so gemacht. Für den Einsatz in Libyen gab es keinerlei völkerrechtliche Legitimation, nur bei sehr offener Auslegung. Es wird viel offen ausgelegt. Da sich jetzt ausgerechnet auf bin Ladens Tod draufzustürzen, halte ich für scheinheilig. Natürlich ist es eine sehr fragwürdige Aktion. Aber dass Pakistan von der Aktion nichts wusste ist natürlich auch nur Politik, damit das pakistanische Volk nicht beginnt gegen die Regierung zu rebellieren. Das internationale Politikgeschäft ist eines der Grauzonen. Leider. Aber das lässt sich so schnell nicht ändern, wie es scheint.

    Verschwörungstheoretiker "zeichen" sich dadurch aus, dass sie, egal was in diesem Fall getan oder nicht getan wird, immer eine Theorie daraus stricken können und sei sie noch so abstruß. Es gibt ja inzwischen schon Verschwörungstheorien, die behaupten, Osame Bin Laden hätte es nie gegeben.

    Und diese Blödmannsgehilfen halten sich auch noch für gebildet, da kritisch hinterfragend. Mir wird schlecht bei so viel Dummheit.

    • jugen
    • 05. Mai 2011 15:47 Uhr

    was Osama zu 9/11 ausgesagt hätte.
    Ob das den Verantwortlichen dann aber so gefallen hätte - ich weiss nicht... Vielleicht ist er denen tot doch lieber.
    Was für eine Farce.

    https://www.youtube.com/w...

    Obama will sowieso weiter Krieg machen. Also wen würde triumphales Machtgehabe stören? Die "Hand reichen" will Obama offensichtlich selbst dann nicht, wenn Hitler tot ist... äh Osama ...

    Der Terrorführer ist tot, also alle Yankeekiller raus aus dem Orient. Die könnten besser in Japan Hütten bauen.

  3. Es hätte sich das Zweifeln an bin Ladens Tod erspart, aber ich glaube mit Verschwörungstheorien dieser Art kann gerade Obama mittlerweile bestens umgehen. Der "Ärger" den ein Verfahren gemacht hätte wäre völlig unverhältnismäßig größere Gewesen. Ob es nun geplant war ihn sofort zu erschießen oder ob das erst durch einen Schusswechsel passierte (der Kopfschuss spricht zu 60/40 für die Erschießung) ... das Thema der Rechtsstaatlichkeit ist ein grundsätzliches, das nicht jetzt exemplarisch auf den Tod bin Ladens losgetreten werden sollte, denn diese Aktion ist nur eine unter vielen. Denken wir nur an das "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt". Das ist auch nur eine sehr lose Auslegung des Völkerrechts mit der Begründung dass durch den Terrorismus, der sich ziemlich willkürlich in Afghanistan verorten ließ, Deutschland von außen angegriffen wird. Das ist ziemlicher Unsinn. Aber es wurde so gemacht. Für den Einsatz in Libyen gab es keinerlei völkerrechtliche Legitimation, nur bei sehr offener Auslegung. Es wird viel offen ausgelegt. Da sich jetzt ausgerechnet auf bin Ladens Tod draufzustürzen, halte ich für scheinheilig. Natürlich ist es eine sehr fragwürdige Aktion. Aber dass Pakistan von der Aktion nichts wusste ist natürlich auch nur Politik, damit das pakistanische Volk nicht beginnt gegen die Regierung zu rebellieren. Das internationale Politikgeschäft ist eines der Grauzonen. Leider. Aber das lässt sich so schnell nicht ändern, wie es scheint.

  4. Obama hat sich von Psychologen gut beraten lassen.
    Persönlich haben mich damals die Bilder von Saddam Hussein
    nach seiner Gefangennahme schockiert, wie erst in der islamischen Welt? Bei Osama (Gesicht entstellt) wird es noch schockierender sein.
    Der Westen mag nun erleichtert sein aber in der islamischen Welt ist der Mann von der Strasse traurig, dass der Osama nicht mehr ist, obwohl er vor laufender Kamera auch Zivilisten enthauptet hat.
    Gehe davon aus, wenn die Emotionen nach Jahren verflogen sind werden die Bilder veröffendlicht.

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    "Der Westen mag nun erleichtert sein aber in der islamischen Welt ist der Mann von der Strasse traurig"

    Sehr pauschalisierend..und sehr fraglich.

    … den Obama da zusammengetrommelt hat.

    Dass auch diese Strategie aufgeht würde mich nicht wundern. Es scheint, dass die Vermeidung von Massentraumatisierungen durch die willentliche Enthaltung der Bilder eines toten alten Mannes mit terroristischem Hintergrund als rechtlich abgesichert gelten darf, ganz abgesehen von den Handlungen, die die Bilder bezeugen würden.

    Oder glaubt irgendwer, dass es sich jemand wagen würde die Bilder zur Aufklärung eines eventuell erfolgten Verbrechens zur Einsichtnahme zu verlangen?

    "Gehe davon aus, wenn die Emotionen nach Jahren verflogen sind werden die Bilder veröffendlicht."

    Mein Gott,wen sollte das interessieren!Jeder weiß wie ein Mensch nach einem Kopfschuß aussieht,nicht schön,und bin Laden wird per se noch ein wenig unschöner aussehen.
    Wer sollte das sehen wollen.Und den Muslimen die ihn verehren und glauben wollen,das er noch lebt sollte man ihren Glauben lassen,wenn er in ihrem Glauben noch lebt haben Sie keinen Grund für Rache und gut is.

  5. Entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Danke. Die Redaktion/km

  6. Da bin ich mir - leider! - nicht so sicher: auch ohne Leichenfoto wird die Qaida ihren toten Anführer mit Sicherheit zum muslimischen Märtyrer verklären, und ihn auch weiterhin als Symbolfigur benutzen.

    Eine solche Vereinnahmung durch die Islamisten hätte allerdings höchstens dann verhindert werden können, wenn OBL ohne Fremdeinwirkung an Nierenversagen gestorben wäre: ein Gerichtsprozeß hätte die Symbolkraft Bin Ladens wohl kaum gebrochen.

  7. Verliebtheit nicht gerade in diesem Fall anschreiben und nicht schwärmen von der Darstellung eines Augenblicks, in dem Frau Clinton die Hand vor Schreck darüber vor den Mund haelt, weil gerade die Kamera ausgefallen ist?

  8. "Der Westen mag nun erleichtert sein aber in der islamischen Welt ist der Mann von der Strasse traurig"

    Sehr pauschalisierend..und sehr fraglich.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Osama bin Laden | Barack Obama | Demonstration | Flugzeug | Präsident | Regierung
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