Die 82nd Air Borne Division der US-Armee im Kampf gegen Extremisten (Bild von 2003) © Erik de Castro/Reuters

Die von den Anschlägen des 11. September in New York geprägten Amerikaner hatten sehnlichst und seit Jahren darauf gewartet: Kaum war die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens durch US-Medien in Umlauf gebracht , versammelten sich vor dem Weißen Haus Hunderte von begeisterten Menschen. Sie schwenkten Amerika-Flaggen, sangen die Nationalhymne und God bless America . Und nicht nur in der Hauptstadt Washington.

In Philadelphia skandierten die Zuschauer bei einem Baseballspiel sofort ohrenbetäubend "USA! USA! USA!! Und in New York, am Ground Zero, auf jenem Platz, wo Al-Qaida-Terroristen Amerika angegriffen hatten, lagen sich die Menschen in den Armen.

Um kurz nach 23 Uhr verkündete dann ein erleichterter und stolzer Präsident Obama, was sich inzwischen wie ein Lauffeuer verbreitet hatte: "Osama bin Laden ist tot." Mehr noch: Die Vereinigten Staaten sind im Besitz seines Leichnams.

Seit 1999 steht der Al-Qaida-Chef ganz oben auf der amerikanischen Fahndungsliste, schon Präsident Clinton wollte ihn hinter Schloss und Riegel bringen. Seit Ende 2001 machten sich ungezählte hochgerüstete Spezialteams auf den Weg, um seiner habhaft zu werden. "Bringt ihn mir tot oder lebendig", so lautete der Befehl des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Aber die Suche schlug fehl. Fast wäre er seinen Häschern Ende 2001 in Afghanistan ins Netz gegangen. Doch dann verschwand er für lange Zeit auf Nimmerwiedersehen über die Grenze nach Pakistan. Er verbarg sich in Höhlen und versprengten Dörfern in der unzugänglichen Bergwelt Waziristans. Am Ende begab er sich hinein nach Pakistan, in den Umkreis der Millionenmetropole Islamabad.

Wie ist der plötzliche Erfolg dieser fast zehnjährigen Jagd zu erklären? Kurz nach der Ansprache des Präsidenten erzählten Berater, was sich in groben Umrissen in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren ereignet hat. Zunächst informierte nach dem 11. September 2001 ein Al-Qaida-Gefangener Amerikas Geheimdienste über einen Boten bin Ladens, der hohes Vertrauen des Terrorchefs genieße. Doch sie kannten nur seinen Spitznamen. Erst vier Jahre später gelang es, diesen Boten und einen Bruder aufzuspüren und zu identifizieren. 

Von da an heftete man sich an seine Fersen, ohne jedoch eine Spur zu bin Laden zu finden. Der Bote und sein Bruder bauten 2005 ein riesiges Haus in der Nähe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, am Rande einer Stadt mit dem Namen Abbottabad, wo überwiegend wohlhabende Militärs wohnen.

Die amerikanischen Verfolger wurden argwöhnisch. Woher hatten die Brüder das viele Geld? Das neue Haus war achtmal so groß wie die benachbarten Gebäude. Eine mit Stacheldraht bewehrte, fast sechs Meter hohe Außenmauer schützte es. Im Inneren trennen wiederum Mauern die einzelnen Quartiere. Es gab kaum Fenster an den Außenwänden, kein Telefon, keinen Internetzugang.

Der Verdacht kam auf, dass dort Menschen versteckt werden sollten. Im August 2010 war man sich fast sicher. Militärs entdeckten, dass dort Menschen waren, die nahen Verwandten bin Ladens zum Verwechseln ähnlich sehen, darunter auch seine jüngste Frau. Man glaubte, den Terrorchef endlich aufgespürt zu haben.

Im vergangenen August wurde Obama über die sich verdichtenden Beweise informiert, im Februar 2011 waren sich die Sicherheitsexperten fast sicher, am Freitag, den 28. April gab der Präsident den Angriffsbefehl.