Nach Informationen der Washington Post hilft Iran dem bedrängten Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aktiv bei der Unterdrückung der landesweiten Proteste. Hochrangige Spezialisten aus der iranischen al-Kuds-Eliteeinheit schulten die syrischen Sicherheitskräfte nicht nur in Techniken zur gewaltsamen Auflösung von Demonstrationen, sondern brächten ihnen auch Überwachungsmethoden für das Aufspüren von Regimegegnern im Internet bei, schrieb die Zeitung unter Berufung auf US-Diplomaten und Experten. Syrien und Iran sind seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden.

"Der Zustrom iranischen Personals ergänzt den stetigen Fluss von Hilfslieferungen aus Teheran, die nicht nur Waffen und Schutzkleidung zur Bekämpfung von Randalen einschließen, sondern auch High-Tech-Geräte für die (Internet-)Überwachung", hieß es in dem Zeitungsbericht. Die technische Aufrüstung ermögliche es den syrischen Geheimdiensten, Regimegegner "anhand ihrer Facebook- und Twitter-Accounts aufzuspüren", sagten die Quellen dem Blatt.

Iran verfügt selbst über reiche Erfahrungen bei der Niederschlagung von Bürgerprotesten. Im Sommer 2009 hatten wochenlange Demonstrationen gegen die Ergebnisse der Präsidentenwahl, die laut Kritikern manipuliert wurden, mit der Erstickung der Protestbewegung und mit der Verhaftung ihrer Aktivisten geendet.

In Syrien fordern Zehntausende Bürger seit März politische Reformen und Demokratie und zunehmend auch den Rücktritt Assads. Letzterer Forderungen hat sich nun auch die US-Regierung angeschlossen. Bei der Mobilisierung der Massenkundgebungen spielen Internet-Plattformen wie Facebook und Twitter eine entscheidende Rolle, weil das Regime die gesamten Medien im Land eisern kontrolliert. In syrischen Fernseh- und Radio-Sendern sowie Zeitungen wird über die Proteste mit keinem Wort berichtet.

Seltsamerweise hatte Syrien noch im Februar die über die Provider umgesetzte, generelle Sperre von Facebook aufgehoben. Einige Experten sind nun geneigt, diesen Schritt in einem neuen Licht zu sehen, schrieb die Washington Post. Mit dem iranischen Equipment könnten nämlich die syrischen Behörden selbst unter Decknamen operierende Facebook-Nutzer ausfindig machen und hinter Gitter bringen.

Darauf deuteten die Verhaftungswellen der letzten Wochen hin, die sich gezielt auch gegen Internet-Aktivisten richteten. Bei der Facebook-Liberalisierung "ging es nicht um Großzügigkeit", zitierte das Blatt den Syrien-Experten Andrew Tabler. "Es ging vielmehr darum, mehr Überwachung zu ermöglichen, was zu tausenden Festnahmen führte."

Das Mullah-Regime in Teheran hat ein vitales Interesse am Überleben des Assad-Regimes. Darauf weisen Beobachter schon seit langem hin. Syrien stellt für den islamistischen Iran eine strategische Plattform dar, um Einfluss tief in die arabische Welt hinein und an den Grenzen zum Erzfeind Israel auszuüben. Über Syrien versorgt Iran die israel-feindlichen Bewegungen Hisbollah im Libanon und Hamas in den Palästinensergebieten mit Waffen und Expertise.