US-Präsident Barack Obama während seiner Nahost-Rede im US-Außenministerium © Jim Watson/AFP/Getty Images

Am Ende seiner Rede sprach Barack Obama den entscheidenden Satz: Ein palästinensischer Staat sollte "auf den Grenzen von 1967" basieren. Natürlich unter der Bedingung, im gegenseitigen Einverständnis Gebiete zwischen Israel und dem künftigen Staat namens Palästina austauschen zu können. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Tagelang war darüber gerätselt worden, ob dieser Satz und diese Jahreszahl tatsächlich fallen würden. Bis zum Schluss blieb es unklar. Es hieß, die Tatsache, dass Obama seine mit Spannung erwartete Rede mit halbstündiger Verspätung begann, sei ein Beweis des internen Streits.

Wochenlang waren im Weißen Haus und im Außenministerium darüber die Meinungen aufeinander geprallt. Obamas Nationaler Sicherheitsberater und ein enger Nahostberater waren gegen die Nennung der Jahreszahl 1967. Außenministerin Hillary Clinton dafür. Denn ein palästinensischer Staat in den Grenzen von 1967 bedeutet grundsätzlich: ein Staat, der das gesamte Westjordanland umfasst, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem. Die heilige Stadt würde damit zur geteilten Hauptstadt.

Auf den ersten Blick mag dieser Satz nur etwas für Feinschmecker sein. Die Grundlagen eines Friedensvertrags werden schon seit Jahrzehnten verhandelt. Und ebenso lange spricht man über einen palästinensischen Staat innerhalb der Grenzen von 1967, also innerhalb eines Gebietes vor dem Sechs-Tage-Krieg , als das angegriffene Israel siegreich sein Territorium erweiterte.

Fast alle amerikanischen Präsidenten haben die Grenzen von 1967 zur Ausgangslage von Friedensverhandlungen gemacht. Aber keiner hat die Jahreszahl "1967" explizit in den Mund genommen. Sondern sie haben öffentlich immer wieder gesagt, die Grenzziehung sei letztlich Angelegenheit der beiden Konfliktparteien. Die Israelis freute diese Zurückhaltung, die Palästinenser ärgerten sich.

Nun aber hat Barack Obama erstmals diese Zahl öffentlich als eine Bedingung in den Mund genommen. Dahinter gibt es jetzt kein Zurück mehr, jedenfalls nicht während seiner Präsidentschaft. Ebenso wenig wie damals, als US-Präsident Jimmy Carter erstmals von einer "Heimstatt" für Palästinenser sprach und George W. Bush 2002 im Rosengarten des Weißen Hauses erstmals eine Zwei-Staaten-Lösung forderte.

Natürlich kommt mit diesem Satz Obamas nicht der Durchbruch, auch nicht unbedingt neuer Schwung in die Nahost-Verhandlungen. Aber die Parameter eines möglichen Friedensplans werden deutlicher – und vor allem: Sie werden offizieller.