Ein Schiff der geplanten Hilfsflottille für den Gaza-Streifen ist im Hafen von Athen schwer beschädigt worden. Unbekannte hätten die Schiffsschraube und die Antriebswelle des griechisch-schwedischen Passagierschiffs abgeschlagen, sagte einer der griechischen Organisatoren der Flotte, Dimitris Plionis. Er sprach von Sabotage. Die Aktivisten wollen versuchen, das Schiff zu reparieren und wie geplant in dieser Woche loszufahren.

In den kommenden Tagen sollen sich im Mittelmeer rund zehn Schiffe treffen, die zusammen die von Israel durchgesetzte Seeblockade um den Gaza-Streifen durchbrechen und Hilfsgüter in das Palästinensergebiet bringen wollen. Nach Angaben der Organisatoren sollen sich die Schiffe am Donnerstag oder Freitag vor der Küste der griechischen Mittelmeerinsel Kreta treffen.

Die Flottille war am Montag in Athen am Auslaufen gehindert worden. Der griechische Staat kontrolliere die Schiffe besonders stark, hieß es bei einer Pressekonferenz in Griechenlands Hauptstadt. "Wir hoffen, dass dies nur mit dem Wunsch der Behörden zusammenhängt, die Vorschriften einzuhalten", sagte Vangelis Pissias, griechisches Mitglied des Organisationskomitees. Er wisse aber, dass "großer Druck" auf die Regierung in Athen ausgeübt werde, das Auslaufen der Schiffe zu verhindern.

Israel will Flotte unbedingt stoppen

Die israelische Regierung hat ihre Marine bereits angewiesen, eine Ankunft der geplanten Hilfsflottille im Gaza-Streifen zu unterbinden. Israelische Soldaten sollten aber eine "Konfrontation mit den Menschen an Bord der Schiffe so weit wie möglich vermeiden", hieß es in einer Erklärung von Regierungschef Benjamin Netanjahu. Am 31. Mai des vergangenen Jahres hatten israelische Soldaten die Schiffe eines Hilfskonvois für den Gaza-Streifen gestürmt und neun Aktivisten erschossen.

Die US-Regierung rief unterdessen alle Seiten zu "Zurückhaltung" auf, um eine Wiederholung der tragischen Vorfälle von 2010 zu vermeiden. Israel habe zwar das Recht, sich gegen Waffenschmuggel zur Wehr zu setzen, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland in Washington. Die US-Regierung hoffe aber darauf, "dass es nicht zu der gleichen Situation wie im letzten Jahr kommt". Die Aktion sei "gefährlich" und "provokant". Im Interview mit ZEIT ONLINE sagte der Seekriegsexperte Wolff Heintschel von Heinegg, Israel sei als sogenannte Blockademacht "berechtigt und auch verpflichtet, die Blockade durchzusetzen". Die Regierung könne keine Ausnahmen machen. Wenn das auch nur in einem Falle passiere, "wird die Blockade ineffektiv und damit sofort rechtlich unwirksam". Die Motivation der Gaza-Aktivisten spiele "rechtlich überhaupt keine Rolle", so Heintschel von Heinegg. "Bei allem Respekt vor Menschenrechtlern, die ihre Zeit opfern, um ihre Ziele zu verfolgen, aber es gibt einfach gewisse rechtliche Grenzen."