Der arabische Frühling hat die politischen Strukturen der betroffenen Staaten verändert. Generell lassen sich dabei drei Gruppen von Akteuren erkennen, die die politische Ordnung der neuen arabischen Welt beeinflussen werden: Da ist zunächst einmal die alte Staatsbürokratie inklusive der Sicherheitsapparate. Diese Gruppe war bisher tonangebend und diejenige, die sich durch ökonomische Erfolge zwar einerseits legitimieren musste, andererseits aber auch durch die inhärente Tendenz zur Selbstprivilegierung politisch und ökonomisch diskreditiert ist. Hier besteht die Hoffnung, dass durch den Druck der Öffentlichkeit die korruptesten und ineffektivsten Teile aus dem politischen Prozess ausscheiden müssen.

Größeres Gewicht wird zukünftig der Gruppe der konservativen Mittelschicht zuwachsen. Diese Gruppe stand bisher in Opposition zur Staatsmacht. Da der Staat zumeist kein Interesse an der Förderung von Klein- und Mittelbetrieben hatte, wandte sich diese wertkonservative Gruppe bisher den islamischen Bewegungen zu, die immer schon im Konflikt mit dem Staat standen. Erstaunlicherweise spielten diese islamistischen Gruppierungen eher in den Befürchtungen des Westens eine Rolle, an den konkreten Umstürzen waren sie kaum beteiligt.

Dies ist jedoch nicht wirklich überraschend, da Wirtschaftstreibende stabile Institutionen benötigen und deshalb erstmal keine Revolutionäre sind. Andererseits hat ja gerade diese Gruppe durch den Wegfall oder die Reduktion der von der Staatsbürokratie erzwungenen Abgaben jetzt mehr Spielraum für ökonomische Aktivitäten.

Die nach wie vor zurückhaltende Politik der islamischen Bewegungen in den Transformationsländern scheint der vorsichtigen Vermutung recht zu geben, dass diese sich auf ihre eher konservative – und für die ökonomische Entwicklung essenzielle – Klientel fokussieren und keinen universellen Herrschaftsanspruch formulieren werden. Dass dem so ist, liegt nicht nur am Niedergang radikalislamischer Ideen und dem negativen Beispiel des ökonomisch erfolglosen und politisch repressiven Irans, sondern auch an der einzig wirklich neuen politischen Kraft: den jugendlichen Demokraten.

Diese Gruppe, die sich aus dem Youth Bulge, also dem unerschöpflichen Reservoir perspektivloser junger Männer und Frauen rekrutiert, ist der eigentliche Auslöser dieser Transformation. Vom demografischen Standpunkt aus zeigen zwar fast alle Gesellschaften, in denen der Anteil der unter 25-Jährigen höher als 30 Prozent ist, Tendenzen zu gesellschaftlichen Unruhen, so etwa im Europa der sechziger Jahre. Dass diese Gruppe aber derart massiv zum Fall der alten Regime beitrug, hat alle – und vielleicht die Gruppen selbst auch – überrascht. Bemerkenswert und wichtig war, dass es diesen Kräften gelang, aufzuzeigen, dass der Sturz der Regime eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist, die sich unabhängig von den Interessen des Auslands stellt.