GleichberechtigungFrankreichs Parlament lehnt Homo-Ehe ab

Der Gesetzentwurf zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen ist gescheitert. Ein konservativer Abgeordneter bezeichnete den Vorstoß als "Modeerscheinung". von AFP

Der französische Sozialist Patrick Bloche spricht im Parlament.

Der französische Sozialist Patrick Bloche spricht im Parlament.  |  © Mehdi Fedouach/AFP/Getty Images

Das Votum war eindeutig: 293 Abgeordnete des französischen Parlaments haben gegen die Möglichkeit der Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. 222 Abgeordnete stimmten für den Gesetzentwurf. Damit ist der Vorschlag der oppositionellen Sozialisten gescheitert.

Frankreich solle sich "weder nach dem Wind richten noch Modeerscheinungen beugen", sagte der Parlamentarier Michel Diefenbacher, Redner des konservativen Regierungsbündnisses UMP, in der Debatte. Die Ehe dürfe nicht angetastet werden, weil sie "dem Schutz der Schwächsten, beginnend bei der Frau" diene.

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Patrick Bloche von den Sozialisten warb hingegen für den Gesetzentwurf, der "eine Diskriminierung beenden" solle. Er betonte, dass auch "sehr katholisch geprägte" Staaten in der Europäischen Union durch die Öffnung der Ehe für Homosexuelle "nicht in ihren Grundfesten erschüttert" worden seien.

Gleichgeschlechtliche Eheschließungen sind derzeit in den Niederlande, Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal und Island möglich. In Frankreich gibt es ähnlich wie in Deutschland ein eigenes Rechtsinstitut für homosexuelle Partnerschaften, das heißt, sie können eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Im Erb- und Familienrecht sind sie jedoch schlechter gestellt als verheiratete Paare. Unterstützer der Initiative kritisierten die Entscheidung des Parlaments.

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Leserkommentare
  1. ein Gut sein, das der Liebesbeziehung zwischen erwachsenen Menschen den Goldenen Stempel aufdrückt. Diese Entscheidung ist peinlich. Eine Entscheidung, die "dem Schutz der Schwächsten, beginnend bei der Frau" dient??? Mir bleibt die Spucke weg!

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    • Varech
    • 15. Juni 2011 12:17 Uhr

    Dann versuchen Sie doch mal einen Schluck Wasser.

    "Liebesbeziehungen" wollen Sie, soll die Ehe vergolden.

    Haben Sie denn schon mal darüber nachgedacht, wie dann auch die zu ihrem Recht kommen sollen, die ihren Hund oder sonst ein Tier endlos lieben? Oder alle die, die von Herzen ihrer Polygamie anhängen?

    Was ist denn dabei, wenn Ehe für die reserviert bleibt, die Ehe wollen, wie sie im Gesetz definiert ist?
    Wer einen Platz zum Handball spielen will, verlangt doch auch nicht, dass man für ihn das Hallenbad trocken legt.

    Soll sich doch jeder amusieren wie er will, und sich dafür den geeigneten Platz suchen, aber andere Leute an ihrem Platz in Ruhe lassen.

    Bitte bemühen Sie sich um konstruktive Beiträge und verzichten Sie auf unsachliche Beiträge. Danke. Die Redaktion/er

    Und dann definieren wir noch im Gesetz, dass Ehen nur zwischen Maennern mit schwarzen Haaren und groesser als 180 cm und Frauen mit blonden Haaren und kleiner als 170 erlaubt sind.

    Waeren Sie damit auch zufrieden?

    Merke: Es kommt auf die Beliebigkeit der Gesetzgebung an. Das Argument ist: Bei allen Dingen, die man ueber die Ehe sagt, geht es immer um den Zusammenhalt von Menschen, um deren Unterstuetzung zueinander. Welchem Geschlecht diese Menschen angehoeren, ist fuer die vielen Rechte und Pflichte der Ehe absolut zweitrangig (wenn man einmal akzeptiert hat, dass auch Kinder nicht zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts als engste Bezugspersonen brauchen, um aufzuwachsen. Das scheint aber angesichts der Millionen von Alleinerziehenden und mehr und mehr gleichgeschlechtlichen Eltern plausibel zu sein. Ich kenne jedenfalls keine Studien, die zeigt, dass Kinder von Alleinerziehenden und Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren besonders starken Traumatismen wegen eines fehlenden Elterngeschlechts ausgesetzt sind.)

    Daher ist die (noch vorhandene) Gesetzgebung, den Stand der Ehe, der die Liebe zweier Menschen zueinander in symbolischer und gesellschaftlicher Form veroeffentlicht, nur auf hetereosexuelle Paare zu beschraennken, rein geschichtlich zu verstehen.

    Un uebrigens habe ich ueberhaupt nichts gegen Polyamorie, die gerne auch mit Ehen besiegelt werden darf.
    Ich bin nur gegen die steuerlichen Vorteile der Ehe. Die sollten sich nur auf Famillien mit Kindern beziehen

    • Kanzel
    • 15. Juni 2011 11:39 Uhr

    Was soll uns dieser Artikel nun vermitteln? Es ist so ein typischer trendiger Artikel der empören soll, wo es nichts zu empören gibt.
    Bereits seit 1999 hat Frankreich den PACS (Pacte civil de solidarité), der die Rechte und Pflichten von unverheirateten Partner in einer Lebensgemeinschaft regelt. Das Gesetz ermöglicht es zwei Menschen, egal welchen Geschlechts, ein Zusammenleben in Freiheit unter geschützten und geregelten Konditionen zu führen.
    Frankreich interessiert sich also nicht dafür, wer mit wem ins Bett geht, sondern wer zusammenleben möchte, und diese können ohne Bekenntnis dies seit über 10 Jahren gesetzlich geschützt tun.
    Für mich eine Regelung, die wir auch in Deutschland übernehmen sollten - anstatt sich wieder im klein klein zu verlieren.

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    ... hätten Sie genau das auch erfahren: Dass die französische wie auch die deutsche Regelung gleichgeschlechtliche Paare in vieler Hinsicht schlechter stellt.

    Und zu Kommentaren wie #1 fällt mir nur ein: Die Welt muss eine Scheibe bleiben.

  2. ... hätten Sie genau das auch erfahren: Dass die französische wie auch die deutsche Regelung gleichgeschlechtliche Paare in vieler Hinsicht schlechter stellt.

    Und zu Kommentaren wie #1 fällt mir nur ein: Die Welt muss eine Scheibe bleiben.

    Antwort auf "Unzureichender Artikel"
    • Lapje
    • 15. Juni 2011 11:48 Uhr

    ...ich hier die Ironie übersehen?

    Antwort auf
    • kfmb
    • 15. Juni 2011 11:57 Uhr

    dass Rechte daran geknüpft werden, etwas für den Gesetzgeber zu leisten, in diesem Fall Kinder zu bekommen. Das Institut der Ehe ist mit Rechten und Pflichten verbunden - aber eben nicht mit einer Leistung, in diesem Fall die Geburt eines Kindes.

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    ...Institution Ehe.....

    sarebbe giusto.

  3. Ich darf zwar einen Mann heiraten - ABER nicht 2 Frauen!Das ist doch auch diskriminierend.!?
    Perche?

    • Varech
    • 15. Juni 2011 12:17 Uhr

    Dann versuchen Sie doch mal einen Schluck Wasser.

    "Liebesbeziehungen" wollen Sie, soll die Ehe vergolden.

    Haben Sie denn schon mal darüber nachgedacht, wie dann auch die zu ihrem Recht kommen sollen, die ihren Hund oder sonst ein Tier endlos lieben? Oder alle die, die von Herzen ihrer Polygamie anhängen?

    Was ist denn dabei, wenn Ehe für die reserviert bleibt, die Ehe wollen, wie sie im Gesetz definiert ist?
    Wer einen Platz zum Handball spielen will, verlangt doch auch nicht, dass man für ihn das Hallenbad trocken legt.

    Soll sich doch jeder amusieren wie er will, und sich dafür den geeigneten Platz suchen, aber andere Leute an ihrem Platz in Ruhe lassen.

    Bitte bemühen Sie sich um konstruktive Beiträge und verzichten Sie auf unsachliche Beiträge. Danke. Die Redaktion/er

    Eine Leserempfehlung
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    Bei einer Liebesbeziehung zu einem Tier könnte man wohl kaum von Gegenseitigkeit ausgehen. Ebenso wie bei Beziehungen zu Minderjährigen rückt hier der Schutz des Unmündigen in den Vordergrund.
    Im Falle der gleichgeschlechtlich Lieben sowie der ebenfalls von Ihnen ins Feld geführte Polygamie spricht allerdings nichts dagegen, solange alle Beteiligten diese Verbindung aus freien Stücken eingehen und es gibt NICHT EINEN Grund, solche Beziehungen gegenüber der "klassischen" Beziehungsform zu diskriminieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Debatte | Diskriminierung | Ehe | Familienrecht | Island | Parlament
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