Tausende Regierungsgegner haben in mehreren Städten Jemens die Ausreise von Staatschef Ali Abdallah Salih zu einem Klinikaufenthalt in Saudi-Arabien gefeiert. "Es ist vorbei, das Regime ist gestürzt", riefen viele vor der Universität in der Hauptstadt Sanaa. "Heute ist ein neuer Jemen geboren", skandierten andere an dem zentralen Ort der monatelangen Proteste gegen Salih. Die Demonstranten sangen auf den Straßen, berichtete die Aktivistin Shatha al-Harazi. "Die Menschen sehen diesen Schritt als einen Sieg", sagte sie. Nach mehreren Schusswechseln in der Nacht blieb es in Sanaa ansonsten ruhig. Das Staatsfernsehen sendete indes Durchhalteparolen zur Unterstützung der Regierung.

Der durch einen Grananten-Anschlag schwer verletzte Salih ist nach Angaben des saudischen Königshofs zur medizinischen Behandlung in Saudi-Arabien eingetroffen. Wie der arabische Nachrichtensender Al Jazeera in der Nacht zum Sonntag unter Berufung auf eine Erklärung des Königshofs mitteilte, wurde Salih von ebenfalls verletzten Offiziellen und Bürgern begleitet. Er sei gegen Mitternacht angekommen, berichtete der Nachrichtensender CNN. Nach der Ankunft in Riad sei Salih in ein Militärkrankenhaus in Riad gebracht worden, will Al Jazeera erfahren haben.

CNN berichtete unter Berufung auf den jemenitischen Regierungssprecher Abdu Ganadi, dass Salihs Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi die Amtsgeschäfte des Präsidenten vorübergehend übernommen habe. Al Jazeera berichtete überdies, Abed Rabbo Mansur Hadi sei vorerst auch Oberkommandierender der Streitkräfte.

Nach der Explosion einer Granate stecke in der Herzgegend des 69-Jährigen Salih ein 7,6 Zentimeter langes Schrapnell, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Samstagabend unter Berufung auf Regierungskreise. Zudem habe er Brandverletzungen zweiten Grades im Brustbereich und Gesicht davongetragen.

Nach dem Anschlag vom Freitag hatten Gefolgsleute des Präsidenten Granaten auf das Haus des Oppositionspolitikers Hamid al-Ahmar abgefeuert. Angesichts der ausufernden Gewalt in dem Stammeskrieg hat das saudische Königshaus nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al-Arabija eine einwöchige Waffenruhe vermittelt.

Zuvor hatten weitere Staaten ihre Diplomaten aus der umkämpften Hauptstadt Sanaa abgezogen. Auch Deutschland schloss vorübergehend seine Botschaft. Außenminister Guido Westerwelle forderte am Samstag die rund 30 noch im Jemen verbliebenen Deutschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die Bundesregierung folgte damit anderen Staaten. Auch Großbritannien appellierte an seine Bürger, den Jemen umgehend zu verlassen.

Die EU-Außenbeauftragte Cathrine Ashton verlangte einen sofortigen Waffenstillstand. Regierungstruppen und Stammesmilizen sollten sich zurückhalten und die "Eskalation der Gewalt" beenden, sagte Ashton in Brüssel. Die USA verurteilten die "sinnlose Gewalt".