"Wir sehen uns angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa gezwungen, unsere Botschaft vorübergehend zu schließen und unser Personal aus dem Jemen abzuziehen", teilte Außenminister Guido Westerwelle mit. Außerdem forderte er alle Deutschen, die sich noch im Land befinden, auf, "das Land umgehend zu verlassen, sofern dies sicher und möglich erscheint".

Auch wenn sich die Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa nicht unmittelbar gegen Ausländer richteten, habe die aktuelle Gefährdungslage das Auswärtige Amt zu dieser Entscheidung bewogen. Deutschland beobachte die Lage in Sanaa und im gesamten Jemen seit Wochen mit wachsender Sorge, sagte Westerwelle. Die Bundesregierung habe mehrfach an den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih appelliert, die Zivilbevölkerung im Jemen zu schützen.

"Wir fordern einen geordneten politischen Übergang und rufen zu einem friedlichen gesellschaftlichen Dialog und zu Reformen auf." Salih sei diesen Forderungen nicht nachgekommen. "Die in der letzten Zeit im Jemen begangenen Menschenrechtsverletzungen sind nicht hinnehmbar." Die Bundesregierung verurteile "jegliche Form der Gewaltanwendung auf das Schärfste".

Am Freitag war Präsident Salih bei einem Angriff auf den Präsidentenpalast am Kopf verletzt worden. Seitdem gibt es Spekulationen über den Gesundheitszustand und Aufenthaltsort des 69-Jährigen. Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete, Salih sei zur Behandlung nach Saudi-Arabien geflogen. Sieben Offiziere seien bei dem Angriff gestorben. Bislang fehlt jedoch eine unabhängige Bestätigung aus Saudi-Arabien oder dem Jemen. Die jemenitische Nachrichtenagentur Saba berichtete lediglich, dass mehrere hohe Regierungsbeamte nach dem Anschlag zur Behandlung nach Saudi-Arabien gebracht worden seien.

Nach Angaben eines Arztes sind unter ihnen Regierungschef Ali Mohamed Mudschawar und der für Innenpolitik zuständige Vizeministerpräsident Sadek Amin Abu Ras. Präsident Salih hatte in einer Audiobotschaft gesagt, dass er wohlauf sei und dass es ihm gut gehe.

In Sanaa gab es auch Samstag wieder Kämpfe. Gefolgsleute des Präsidenten warfen Granaten auf das Haus des Oppositionspolitikers Scheich Hamid al-Ahmar. Dabei wurden nach Angaben der Nachrichtenwebsite New Yemen zehn Menschen getötet und mindestens 35 weitere verletzt. Präsident Salih hatte die al-Ahmar-Familie für den Angriff verantwortlich gemacht. Das Büro der Familie wies die Anschuldigungen zurück.

In Stadtviertel Al Hassaba im Norden der Hauptstadt waren die vierte Nacht in Folge Granaten- und Raketeneinschläge zu hören. In der Stadt Taes südwestlich von Sanaa, wo Regierungsgegner eine dauerhafte Sitzblockade eingerichtet haben, kam es zu Zusammenstößen zwischen Soldaten und bewaffneten Demonstranten. Taes ist eine der Hochburgen der seit Wochen andauernden Proteste gegen den seit 33 Jahren regierenden Salih.