Die französische Armee hat die Gegner des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi aus der Luft mit Waffen versorgt. Wie der Generalstab der Armee bestätigte, wurden seit Ende Juni Waffen per Fallschirm in eine Bergregion südlich von Tripolis abgeworfen. Es handelte sich um Sturmgewehre, Raketenwerfer und Panzerabwehrrohre.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy habe den Abwurf der Waffen nach einem Treffen mit Vertretern der Rebellen Mitte April beschlossen. Bislang seien etwa 40 Tonnen Material an die Rebellen im Nafusa-Gebirge im Westen Libyens geliefert worden. Zuvor hatte nur das Golf-Emirat Katar offen zugegeben, dass es den libyschen Aufständischen mit Kriegsmaterial hilft.

Der Abwurf von Waffen mit Hilfe von Spezialfallschirmen sei die einzige Möglichkeit gewesen, "die Dinge voranzubringen", zitierte der Figaro eine ungenannte Quelle. Frankreich habe sich ohne Absprache mit den Verbündeten entschieden, die Rebellen zu bewaffnen, um einen Ausweg aus einer blockierten Situation zu finden, berichtet das Blatt. Frankreichs Regierung steht im Libyen-Einsatz unter besonderem Erfolgsdruck, da Mitte Juli das Parlament über eine Verlängerung des Einsatzes abstimmen muss.

Deutschland liefert der Nato keine Waffen

Deutschland wird der Nato keine Bombenbauteile für den Libyenkrieg liefern. Die Nato habe ein entsprechendes Angebot abgelehnt, erklärte das Verteidigungsministerium. Die zuständige Versorgungsagentur Namsa habe bereits vor Wochen entschieden, das Angebot einer anderen Nation in Anspruch zu nehmen, sagte ein Sprecher. 

Die Bundesregierung sei jedoch grundsätzlich zur Lieferung von Waffen und Munition für den Libyen-Einsatz der Nato bereit. Es gehöre zum "bewährten Bündnisalltag, dass die Partner die logistischen Engpässe untereinander ausgleichen". So habe Deutschland die Verbündeten im Libyen-Einsatz bereits im Frühjahr mit Leuchtmunition für Bordkanonen unterstützt.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe zuvor betont, dass er die Ziele der Mission unterstütze, auch wenn sich Deutschland militärisch nicht beteilige, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Angebote für Munitionslieferungen sollten zeigen: "Unsere Unterstützung erschöpft sich hier nicht in Bekundungen."

Unerwartete Erfolge der Aufständischen

Die Aufständischen in Libyen feierten indes einen unerwarteten Erfolg. Nach Gefechten mit Gadhafi-Truppen fiel ihnen ein großes Waffendepot in die Hände. Die Eroberung nahe der Stadt Al-Sintan, 150 Kilometer südwestlich von Tripolis, bedeute einen "enormen Schub für die Moral der Rebellen-Kämpfer", berichtete ein Reporter des Nachrichtensenders Al Jazeera.

Er habe Aufständische gesehen, die tonnenweise Ausrüstung und Munition weggetragen hätten, auch zwei russische T-55-Panzer seien Teil der Beute, sagte der Reporter. Zuletzt hatten die Milizen der Gadhafi-Gegner im westlichen Nafusa-Gebirge Boden gutgemacht. Sie behaupteten ihre Positionen auf dem Bergkamm, der von der tunesischen Grenze über Al-Sintan bis ins Hinterland der libyschen Hauptstadt Tripolis reicht, und stießen bei Bir al-Ghanam, 90 Kilometer südwestlich von Tripolis, ins Hinterland vor.