Der frühere Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladić ist erstmals vor seinen Richtern im UN-Tribunal in Den Haag erschienen. Mladić werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Er wird vor allem für das Massaker von Srebrenica mit 8.000 Toten verantwortlich gemacht. Mladić erschien vor dem Gericht nicht wie angekündigt in einer Militäruniform, sondern im Anzug.

"Ich bin General Ratko Mladić", sagte der Angeklagte auf Frage des Richters nach seiner Person. Er sei im Jahr 1943 in dem Dorf Bozanovic in der Gemeinde Kalinovi im Südosten Bosnien-Herzegowinas geboren. Das UN-Kriegsverbrechertribunal gab als Geburtsjahr bislang 1942 an. Das Gericht will dies nun prüfen. 37 Seiten hat die Anklageschrift, die Mladić als Zusammenfassung vorgelesen wurde. Der Beschuldigte reagierte mit Vorwürfen: Die Anklageschrift enthalte  "monströse Worte", von denen er "noch nie gehört" habe. Er benötige deshalb mehr als die vorgesehenen 30 Tage, um die Verteidigung vorzubereiten.

Der Niederländer Richter Alphons Orie kündigte im Gerichtssaal an, er werde das Verfahren gegen Mladić leiten. Das sei der einstimmige Beschluss des  Richtergremiums mit drei Mitgliedern gewesen, dem außerdem der Deutsche Christoph Flügge und der Südafrikaner Bakone Moloto angehören. Als Pflichtverteidiger für Mladić wurde Anwalt Aleksandar Aleksic vorgestellt.

Auf Nachfrage des Richters, ob er die Unterlagen mit den elf Anklagepunkten erhalten habe, entgegnete Mladić, er habe sie zwar erhalten, nicht aber gelesen. "Ich habe nicht gelesen, was da drin steht", sagte er. Mit belegter Stimme wies Mladić darauf hin, dass er krank sei: "Ich bin ein schwer kranker Mann".

"Ich will nicht, dass man mir die Anklage vorliest", sagte Mladić und verfolgte die Anklagepunkte ohne jede Regung. Richter Orie führte einzelne Verbrechen wie "Vertreibung und Mord" an. Er beschrieb von serbischen Verbänden angelegte Massengräber, Deportationen und Zwangslager. Mladić werde sich für "Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Verstoß gegen die Gesetze und Regeln der Kriegsführung" verantworten müssen.

"Ich möchte diese abscheulichen Vorwürfe gegen mich lesen", begründete Mladić sein Vorhaben, länger als 30 Tage für die Verteidigung zu verwenden. Äußert er sich bis zum 4. Juli nicht zu den Vorwürfen, wertet das Gericht dies als Plädieren auf nicht schuldig.