Barack Obama"Angela Merkel ist eine Inspiration für mich"

Sein erstes Interview mit deutschen Medien: Per Mail beantwortet Präsident Obama Fragen von Tagesspiegel-Korrespondent Marschall über sein Verhältnis zu Deutschland.

Frage: Sie zeichnen Kanzlerin Merkel am Dienstag mit der Freiheitsmedaille aus, dem höchsten zivilen Orden der USA. Welche Eigenschaften schätzen sie an ihr, die sie vielleicht von anderen europäischen Führern unterscheiden?

Barack Obama: Nach meinem Gefühl ist Kanzlerin Merkel eine ausgezeichnete Wahl, weil sie das Versprechen der Freiheit verkörpert und die Chancen, die die Demokratie bietet. Nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Einheit hat sie Schranken überwunden, in dem sie als erste Ostdeutsche – und erste Frau – Kanzlerin wurde. Ihre Lebensgeschichte ist eine Inspiration für mich persönlich, für meine amerikanischen Mitbürger und für Menschen rund um die Erde. Sie selbst hat gesagt und ihre Biografie zeigt: "Freiheit kommt nicht von selbst. Für Freiheit muss man jeden Tag kämpfen und sie aufs Neue verteidigen." Außerdem ist sie eine aufrichtige Freundin Amerikas und eine unbeirrbare Verfechterin des Bündnisses zwischen den USA und Deutschland. Ich freue mich sehr darauf, ihr beim Staatsdinner die Freiheitsmedaille zu überreichen.

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Der Weg zum Interview

Ein Interview mit dem US-Präsidenten ist eine seltene Ehre für ausländische Journalisten. Barack Obama hat bisher keinem deutschen Medium eines gegeben. Warum bekam es der Washington-Korrespondent des Tagesspiegels, Christoph von Marschall?

Marschall hatte Obama seit dem Frühjahr 2007 im Wahlkampf begleitet. Anfangs kamen 80 oder 150 Menschen zu seinen Auftritten in der Provinz, nicht Zehntausende wie 2008. Damals konnte man Obama noch ganz nah kommen. Enge Mitarbeiter Obamas kennen Marschall seit jenen Tagen. Ende 2007, als die meisten auf Hillary Clinton setzten, veröffentlichte von Marschall die Biografie Barack Obama. Der schwarze Kennedy.

Marschall ist heute der einzige deutsche Zeitungskorrespondent, der über einen White House Hard Pass verfügt, der den Zugang zum Weißen Haus garantiert.

Warum es schriftlich geführt wurde

Dieses Interview wurde schriftlich geführt: Christoph von Marschall reichte die Fragen ein, das Weiße Haus schickte Obamas Antworten. Das ist mit Einschränkungen verbunden. Man kann nicht spontan nachfragen. Dafür sinkt das Risiko, dass ein vereinbartes Interview in letzter Minute abgesagt wird, weil überraschende Entwicklungen die Aufmerksamkeit des Präsidenten verlangen. Das ist mehrfach geschehen, zuletzt vier Journalisten aus Irland, Großbritannien, Frankreich und Polen, die vor Obamas jüngster Europareise zu einem Gruppeninterview eingeladen waren.

Zeit ist das knappste Gut des Präsidenten. Viele Menschen konkurrieren um ein paar wenige Minuten in seinem Terminkalender. Seine Betreuer für ausländische Korrespondenten sind dazu übergegangen, auf schriftliche Interviews auszuweichen, um das Risiko kurzfristiger Absagen zu minimieren. Wie bei einem mündlichen Interview hat Marschall mit seinen Fragen die Themen vorgegeben. Die Antworten zeigen, was Obama fühlt und denkt. Dafür steht das Weiße Haus mit seinem Wort ein.

Frage: Der Umgangsstil zwischen Kanzlern und Präsidenten hat sich im Lauf der Zeit verändert. Helmut Kohl, Boris Jelzin und George Bush Senior haben sich umarmt. George W. Bush gab Angela Merkel eine Nackenmassage. Die Körpersprache zwischen Ihnen, Herr Präsident, und der Kanzlerin wirkt zurückhaltender – manche sagen, respektvoller. Andere meinen, nüchterner. Warum ist das so? Verkörpern Sie beide einen anderen Typus von Staatenlenkern im Vergleich zur vorigen Generation? Oder liegt es an den düsteren Zeiten mit Krieg, Rezession und Krisen?

Obama: Ich arbeite gerne mit Kanzlerin Merkel zusammen. Ich betrachte sie als gute Freundin und einen meiner engsten Partner in der Welt. Das ist einer der Gründe, warum ihr Besuch in Washington den ersten offiziellen Besuch mit einem Staatsdinner für einen europäischen Regierungschef in meiner Präsidentschaft markiert. Zum zehnten Mal seit meinem Amtsantritt als Präsident werden wir von Angesicht zu Angesicht miteinander diskutieren. Darüber hinaus sprechen wir häufig am Telefon und in Videokonferenzen miteinander. Meine Freundschaft mit Kanzlerin Merkel gründet auf meinem hohen Respekt und meiner Bewunderung für ihre Führungsqualitäten und auf der Erfahrung, dass ich ihr vertrauen kann, wenn sie eine Zusage macht. Unsere Nationen haben seit meinem ersten Amtstag viele Herausforderung gemeinsam bestanden. Und ich bin ihr persönlich sehr dankbar für ihre Freundschaft und Partnerschaft.


Leserkommentare
  1. ...wie man das friederizianische Preußen zum Vorläufer von Amnesty International hochstilisieren kann.

    Alles sehr relativ!

    Und die Tschechen mischen auch mit beim Hier-Schreien um den Ruhm, die ersten gewesen zu sein:
    http://www.zeit.de/2003/2...

  2. dient einzig dem Zweck, Deutschland für einen Kriegseinsatz zu gewinnen.
    Obama geht schlicht das Geld aus für seine Kriege.

    Niemand sollte auf diese "Charm-Offensive" des US-Präsidenten reinfallen.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    falsch wieder einmal etwas schief läuft (und dann auch weitere Kosten übernehmen kann).

    falsch wieder einmal etwas schief läuft (und dann auch weitere Kosten übernehmen kann).

  3. viel Honig rausgeholt und es Merkel per Email ums Maul geschmiert.

    Eine Leserempfehlung
    • Tupaq
    • 06.06.2011 um 14:39 Uhr

    L-Krieges auch den 4 Staatschefs (S,C,B,O) der besonders kriegsaktiven Länder, die rein zufällig auch große Erdölkonzerne haben, nicht mehr über den Weg. Ich bin froh, dass D nicht dabei ist.
    Wir haben in Kriegen um ÖL nichts verloren!

    2 Leserempfehlungen
  4. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sc

    • Karl63
    • 06.06.2011 um 14:42 Uhr

    speziell was Obama über die Entwicklung im Nahen Osten sagt, zeugt von Klugheit und Weitsicht.

    • Elite7
    • 06.06.2011 um 14:42 Uhr

    Ich weiß nicht inwiefern Frau Merkel den Präsidenten "inspiriert" (obwohl ich es mir denken kann), aber sie uns quasi als Freiheitsstatue verkaufen zu wollen ist schon lächerlich. Diese ganzen Preise haben ihren Namen überhaupt nicht verdient und sie werden selten an Menschen vergeben, die sie verdienen würden. Wie er richtig geschildert hat, ist Deutschland einer der mächtigsten Partner der Welt. Grade deshalb kann ich nicht begreifen, warum wir alles an Amerika koppeln und uns abhängig machen. Wahrscheinlich weil wir uns von der EU abhängig gemacht haben, die Amerika immer weiter gleichkommt, um Deutschland kleinzuhalten.

    • thingg
    • 06.06.2011 um 14:42 Uhr

    Die Information zu Polen ist sehr interessant, aber: das Vereinigte Königreich ist eins der wenigen Länder, das bis heute keine kodifizierte Verfassung hat.

    Eine Leserempfehlung

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