WeißrusslandWie Europas letzte Diktatur mit der Pleite lebt

Weißrussland ist finanziell am Ende, es braucht IWF-Geld. Und Diktator Lukaschenko beschuldigt sein eigenes Volk. Die Menschen in Minsk reagieren gelassen oder empört. von Diane Hielscher

Minsk

Minsk: Der einzige Skate-Park der Stadt  |  © Diane Hielscher

Eine Gruppe von Menschen hat sich um die Wechselstube versammelt, etwa zwanzig farblos gekleidete Männer und Frauen mittleren Alters. Wer hier 40 Euro tauscht, erhält dafür einen riesigen Stapel buntes Papier. Der Wert des weißrussischen Rubels hat sich in den vergangenen Monaten halbiert. Statt 3.000 bekommt man für einen Euro mittlerweile mehr als 7.000 Rubel, und es wird täglich mehr. Um sich seine Wiederwahl zu sichern, hatte Präsident Alexander Lukaschenko die Löhne der Staatsdiener erhöht und dafür neues Geld drucken müssen. Nur hat er damit selbst für den Verfall des weißrussischen Rubels gesorgt.

Die Menschen vor dem Schalter wollen ihr Geld daher lieber in Euro sparen, doch Devisen sind knapp. Eine Frau drängelt sich vor, zückt ihre Rubel und fragt, wie viel denn überhaupt da sei. Wer weder Dollar noch Euro ergattert, kauft technische Geräte für sein Geld, die können nicht abgewertet werden.

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Es kursiert die Geschichte einer Oma, die fünf Kühlschränke von ihrem Erspartem gekauft hat, jemand hatte ihr dazu geraten. Über ein solches Verhalten echauffierte sich sogar  Lukaschenko in einer Parlamentsrede, die im Fernsehen übertragen wurde. Wild gestikulierend beschimpfte er dabei zuerst die Abgeordneten für ihr Versagen und später die eigene Bevölkerung für ihre Hamsterkäufe. Er drohte den Ministern, sie alle zu feuern, wenn nicht bald etwas passieren sollte. Die Minister saßen wie Schuljungen auf ihren Stühlen und blickten betreten.

Den Westen um Hilfe bitten

Weißrussland erlebt die schlimmste Finanzkrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Das Land ist so pleite, dass Lukaschenko einen Kredit beim Internationalen Währungsfond beantragt hat. Vor wenigen Wochen hatte er noch behauptet, er werde den Westen nicht um Hilfe bitten.

Aber die Weißrussen sind Leid gewohnt, sagt Artiom Achpasch . Er ist Radiomoderator bei Radius FM, einem der fünf staatlichen Radiosender Weißrusslands. Nichtstaatliche gibt es zehn, sie senden allerdings meist im Internet. Artiom ist 27 und sieht aus wie das Mitglied einer westlichen Boyband, Gel in den Haaren, Jeans, Hut. Tatsächlich ist er auch beim Eurovision Song-Contest als Backround-Sänger dabei gewesen.

Saft und Essen

"Klar, es ist gerade schwer für uns alle hier. Aber wir glauben, die Krise ist jetzt vorbei und bald wird wieder alles gut werden." sagt er. Artiom moderiert die Morgensendung bei Radius FM und will in der Frühe nicht über die Wirtschaftskrise sprechen. "Morgens sollen die Menschen Spaß haben und nicht schon mit so ernsthaften Themen geweckt werden, schließlich müssen sie noch den ganzen Tag arbeiten." Er selbst kaufe sich jetzt einfach nichts mehr, außer Essen und Saft, sagt er und grinst. Das sei alles, was er brauche. Weggehen, Alkohol, Party, all das sei für ihn nicht wichtig. Man könne es sich im Moment eben nicht leisten.

Auf die Frage, wie denn die Krise überwunden worden sei, sagt er nur, das sei Sache der Politiker. Aber sie hätten es geschafft, das Problem sei nun gelöst.

Leserkommentare
  1. Ich würde mir mehr Sorgen um Irland, Spanien und Portugal machen. Die haben wie Griechenland fertig und auch hier zahlt der Michel.

    Lustig wie nur Griechenland immer medial aufbearbeitet wird, als hätten wir eine "Mini-Euro-Krise" in einem kleinen Urlaubsland, welche wir auf jedenfall in den Griff bekommen.

    Aber mit Dreck auf andere (Weißrußland) schmeißen war schon immer ein probates Propagandamittel, um von den eigenen Problemen abzulenken.

    It works!

    4 Leserempfehlungen
  2. kann jemand mir erklärren wie ich leute wie barosso oder rumpoy abwählen kann....bitte..

    4 Leserempfehlungen
  3. ....selbstgerechten "Westen" nicht paßt, ist es ein Diktator, (rechts/links) Populist, Kommunist, Nazi, oder natürlich ein "klassischer" Islamist!

    Ob es Weißrussland finanziell wesentlich schlechter als den USA oder bestimmten europäischen Staaten geht darf bezweifelt werden...

    Eine gute Frage - wie wähle ich unsere "Brüssler Fürsten" ab?!

    7 Leserempfehlungen
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    Sie wollen USA mit Weißrussland vergleichen?

    USA: Durchschnittslohn weit über 2000 Dollar im Monat.
    Weißrussland: Durchschnittslohn 400 Dollar im Monat.

    USA: Arbeitslosengeld 800 Dollar im Monat
    Weißrussland: Kein Arbeitslosengeld.

    USA: Renten über 1000 Dollar im Monat.
    Weißrussland: Rente um die 100 Dollar im Monat.

    Preise sind in USA auf keinen Fall höher. Vielleicht sogar niedriger. Ein Auto kostet in Weißrussland locker das Doppelte im Vergleich zu USA.

    Und wer ist wohl eher pleite?

    USA hat nebenbei eine Wirtschaft die jedes Jahr unter Top3 der wettbewerbsfähigsten Wirtschaften der Welt auftaucht. Meistens noch VOR China. Suchen sie dort mal nach Weißrussland. USA hat eine durch und durch gesunde Wirtschaft. Die sind auch in der Lage in kürzester Zeit Exportweltmeister zu werden. Dort wird so viel High-Tech entwickelt wie im Rest der Welt zusammen genommen. Amerikanische Unternehmen haben nur kein Interesse an Export, der eigener Markt ist gut genug. Falls amerikanische Unternehmen sich mehr für Export interessieren, ist USA in kurzer Zeit Exportweltmeister. Im Notfall noch Hilfen für Länder wie Pakistan(20 Mrd), Saudi Arabien, Ägypten, Afghanistan, Irak streichen. Und voila, kein Haushaltsdefizit mehr. So groß sind Probleme der USA wirklich nicht. Der Wille die zu lösen ist vielleicht noch nicht stark genug. Weißrusslands Probleme ist in einer anderen Liga.

  4. Der Bedarf an "Revolutionen" steigt inflationär.

    Zum Glück sind die Hintergründe dieser Kampagnen mîttlerweile so klar, wie es die Motivation der Zeit-Herausgeber auch ist, sodass nur die allerdümmsten Bauern sich noch fangen lassen.

    2 Leserempfehlungen
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    Noch stehen jeden morgen zuviel Dumme auf!

    Allerdings ist es schon sehr verwunderlich, daß den meisten Bürgern im Land das "propagandistische Trommelfeuer" der Systemmedien nicht komisch vorkommt!?

  5. Noch stehen jeden morgen zuviel Dumme auf!

    Allerdings ist es schon sehr verwunderlich, daß den meisten Bürgern im Land das "propagandistische Trommelfeuer" der Systemmedien nicht komisch vorkommt!?

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  6. Sie wollen USA mit Weißrussland vergleichen?

    USA: Durchschnittslohn weit über 2000 Dollar im Monat.
    Weißrussland: Durchschnittslohn 400 Dollar im Monat.

    USA: Arbeitslosengeld 800 Dollar im Monat
    Weißrussland: Kein Arbeitslosengeld.

    USA: Renten über 1000 Dollar im Monat.
    Weißrussland: Rente um die 100 Dollar im Monat.

    Preise sind in USA auf keinen Fall höher. Vielleicht sogar niedriger. Ein Auto kostet in Weißrussland locker das Doppelte im Vergleich zu USA.

    Und wer ist wohl eher pleite?

    USA hat nebenbei eine Wirtschaft die jedes Jahr unter Top3 der wettbewerbsfähigsten Wirtschaften der Welt auftaucht. Meistens noch VOR China. Suchen sie dort mal nach Weißrussland. USA hat eine durch und durch gesunde Wirtschaft. Die sind auch in der Lage in kürzester Zeit Exportweltmeister zu werden. Dort wird so viel High-Tech entwickelt wie im Rest der Welt zusammen genommen. Amerikanische Unternehmen haben nur kein Interesse an Export, der eigener Markt ist gut genug. Falls amerikanische Unternehmen sich mehr für Export interessieren, ist USA in kurzer Zeit Exportweltmeister. Im Notfall noch Hilfen für Länder wie Pakistan(20 Mrd), Saudi Arabien, Ägypten, Afghanistan, Irak streichen. Und voila, kein Haushaltsdefizit mehr. So groß sind Probleme der USA wirklich nicht. Der Wille die zu lösen ist vielleicht noch nicht stark genug. Weißrusslands Probleme ist in einer anderen Liga.

    5 Leserempfehlungen
  7. "Morgens sollen die Menschen Spaß haben und nicht schon mit so ernsthaften Themen geweckt werden, schließlich müssen sie noch den ganzen Tag arbeiten."

    Also genau wie bei uns auch.
    Natürlich will man die Menschen nicht mit ernsthaften Themen belästigen, klar.
    Die sollen ja schließlich arbeiten - also funktionieren - und nicht nachdenken oder sich gar politisch betätigen und damit die bestehenden Machtoligopole gefährden.
    Ne.
    Dann lieber mit belanglosen Infotainment-Nonsens zuspammen und entpolitisieren, nicht das der Pöbel auf dumme Gedanken kommt und das Herrschaftssytem in Frage stellt...

    Und auch folgendes erinnert an unser eigenes Medienbussiness:
    "Wir sind nur Journalisten, wir verlesen, was die Politiker entscheiden. So ist das."

    Eben. Nur willige Propagandainstrumente der herrschenden Klasse, diese armen Opfer.
    Keine offiziöse Meldung noch so dumm oder falsch, als dass sie nicht doch den Weg in die Medien finden würde.
    Keine Form der Werbung und Manipulation zu plump und durchsichtig als dass sie in den Nachrichten nicht erschiene.

    Allerdings mit dem Unterschied, dass in Deutschland meist "ausgewogen und neutral" berichtet wird.
    Also z.B., dass die lügengeschwängerte Wahlwerbung der CDU durch die lügengeschwängerte Wahlwerbung der SPD als "Gegenposition" ergänzt wird...

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    • medwed
    • 10. Juni 2011 19:43 Uhr

    Wenn Ihnen Deutschland und die „lügengeschwängerte Wahlwerbung der CDU“ dermaßen missfällt, Sie jegliche Informationen in den Medien als dumm und falsch apostrophieren, warum wandern Sie dann nicht dorthin aus, wo das alles scheinbar nicht stattfindet? Ich empfehle Ihnen wirklich ein paar Jahre Aufenthalt in Weißrussland. Schreiben Sie in den Medien dort auch mal, die Regierungspartei betreibe lügengeschwängerte Wahlwerbung, so wie hier – und Sie werden am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, sich frei äußern zu können oder nicht. Sie werden erfahren, was das für ein Privileg ist, in Deutschland leben zu dürfen. Schon mal ein weißrussisches Gefängnis von innen gesehen? Schon mal von der weißrussischen Milizia niedergeknüppelt worden, nur weil man sich erdreistete, die Führerfigur anzuzweifeln? Man muss nicht mal grobe Begriffe wie „lügengeschwängert“ von sich geben, schon leise, sanfte Kritik genügt, um hinter Gitter zu verschwinden. Diejenigen, die die Verhältnisse in Weißrussland mit Deutschland vergleichen und meinen, hier sei es nicht besser, sei es klar und deutlich gesagt: Ihr habt keine Ahnung von der Realität dort, Ihr wisst gar nicht, was für Schrott Ihr von Euch gebt. Ihr seid – mit Verlaub – unsäglich dumm und wohlstandsverbogen bis zum Gehtnichtmehr. Ich war lange genug in Lukaschenkos „Paradies“, ich weiß, wovon ich spreche.

  8. Diktatur ist, wenn die "Oberen" machen was sie wollen und nicht das tun was die Bürger wollen. Ausserdem haben die Bürger keine wirkliche Wahl. Moment. Das ist in den westlichen "Demokratien" ja genauso.
    In der BRD will keiner seine Söhne in den Tod nach Afghanistan schicken.
    In der BRD will keiner Atomkraftwerke.
    In der BRD will keiner mit Steuergeldern Pleitestaaten retten.

    Und genau das Gegenteil macht unsere Regierung, und auch die Opposition. Egal was der Bürger seit Jahrzehnten wählt, er kriegt immer das aufgetischt was er nicht will. Das ist Diktatur.

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