Militärdiktatur Urteil gegen argentinische Folterknechte

Ehemalige argentinische Militärs sind wegen Mordes und Folter in einem Gefängnis verurteilt worden. Eines ihrer Opfer war die Deutsche Elisabeth Käsemann. von dpa

Ex-Angehörige des argentinischen Militärs wurden zu teilweise lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Ex-Angehörige des argentinischen Militärs wurden zu teilweise lebenslangen Haftstrafen verurteilt.  |  © Sergio Goya/AFP/Getty Images

Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Diktatur sind in Argentinien zwei Ex-Militärs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für weitere fünf Angeklagte verhängte das Gericht in Buenos Aires Gefängnisstrafen zwischen 18 und 22 Jahren und sechs Monaten. Sie wurden für Morde, Folter und Misshandlungen Mitte der 1970er Jahre in dem berüchtigten Folterzentrum "El Vesubio" verantwortlich gemacht.

Auch der Kommandant des Lagers in Buenos Aires, Pedro Durán Sáenz, gehörte zu den Angeklagten. Allerdings starb er Anfang Juni im Alter von 76 Jahren an Herzversagen.

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In "El Vesubio" war auch die deutsche Studentin Elisabeth Käsemann interniert. Die Tochter des Theologie-Professors Ernst Käsemann war von Junta-Angehörigen verschleppt und am 24. Mai 1977 ermordet worden. Die Bundesregierung trat in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Der Prozess war im Februar 2010 eröffnet worden. Die beiden verurteilten Ex-Militärs sind über 80 Jahre alt. Ihnen wurden mehrere Morde zur Last gelegt. In Argentinien hatten die Militärs Anschläge linker Gruppen sowie die politische Schwäche der damaligen peronistischen Präsidentin Isabel Perón 1976 für einen Putsch genutzt. Anschließend eröffnete die Junta eine Jagd auf sogenannte subversive Regimekritiker.

Menschenrechtsgruppen schätzen die Zahl der Ermordeten auf 30.000. Die meisten Opfer sind bis heute spurlos verschwunden. Die Militärs verbrannten ihre Opfer, verscharrten sie anonym oder stürzten sie betäubt aus Flugzeugen ins Meer.

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Leserkommentare
  1. Dem damaligen Außenminister Genscher und dem Auswärtigen Amt warf man vor, sich nicht intensiv genug für Frau Käsemann eingesetzt zu haben.

    Wohl berechtigt, da es anderen Staaten gelang ihre Staatsbürger mit diplomatischen Mitteln zu befreien.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    weil es bis heute nicht besser ist. Geschäfte mit Libyen, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran etc. pp. usw. ... gehen vor - selbst die deutliche Verhöhnung der Frage der Menschenrechte durch Chinas Repräsentant ändert daran nichts. - Andererseits schützen wir NSDAP-Kriminelle vor italienischen Gefängnissen. Sie dürfen unter uns gemütlich weiterleben - Demjanjuk haben wir allerdings ausliefern lassen, um ihn hier zu verurteilen. - Recht haben und Recht bekommen ist, so scheint es mir, eine Sache des Zufalls. -

    Sofern Sie Zitate oder Tatsachenbehauptungen veröffentlichen, bitten wir um Verweise auf eine entsprechende Quelle. Danke, die Redaktion/se

  2. weil es bis heute nicht besser ist. Geschäfte mit Libyen, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran etc. pp. usw. ... gehen vor - selbst die deutliche Verhöhnung der Frage der Menschenrechte durch Chinas Repräsentant ändert daran nichts. - Andererseits schützen wir NSDAP-Kriminelle vor italienischen Gefängnissen. Sie dürfen unter uns gemütlich weiterleben - Demjanjuk haben wir allerdings ausliefern lassen, um ihn hier zu verurteilen. - Recht haben und Recht bekommen ist, so scheint es mir, eine Sache des Zufalls. -

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  3. Der deutsche Kapitalismus mit seinen Muilitärisch-Industriellen-Lobby-Komplex und die sogenannte demokratisch verfasste Gesellschaft sind große Gegensätze und kennen keine Moral, keinen Humanismus, keine Menschenrechte und Menschenwürde - es zählt einzig das Streben nach Profit.

    So wie heute die obersten politischen "Waffenverkäufer" der Regierung aus Berlin durch Afrika touren, so taten sie es in den siebziger Jahren nach Argentinien, nach Brasilien nach Uruguay u.a.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bundesregierung | Militär | Alter | Anschlag | Diktatur | Flugzeug
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