Österreich hat den mit internationalem Haftbefehl gesuchten früheren kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader an sein Heimatland ausgeliefert. Ein Fahrzeug mit Sanader habe am Montagabend Österreich über Slowenien in Richtung Kroatien verlassen, berichteten kroatische Medien. Sie zeigten Videos der Autokolonne, die von starken Polizeikräften gesichert wurde.

Sanader wurde demnach zunächst ins Gefängnis Remetinc in Zagreb gebracht, da der Richter eine einmonatige Untersuchungshaft gegen ihn verhängt hatte. Dem Politiker werden Amtsmissbrauch und die Beteiligung an kriminellen Machenschaften vorgeworfen. Sanader weist alle Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Er war von 2004 bis 2009 Ministerpräsident Kroatiens. Seinen überraschenden Rücktritt im Juli 2009 hatte er damit begründet, dass seine politische Arbeit getan sei. 

Im Dezember 2010 wurde Sanader in Österreich festgenommen, nachdem er mit einem kroatischen Haftbefehl gesucht worden war. Kurz zuvor hatten die kroatischen Behörden seine Immunität aufgehoben. Dem 58-Jährigen werden zahlreiche spektakuläre Korruptionsfälle aus seiner Zeit als Regierungschef zur Last gelegt, die er jedoch bestreitet.

Das Verfahren gegen Sanader gilt als ein wichtiger Schritt Kroatiens in seinen Bemühungen um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die Regierung in Zagreb unter Sanaders Nachfolgerin Jadranka Kosor verstärkte zuletzt ihren Kampf gegen Korruption.