Die UN-Vollversammlung hat den Südsudan einstimmig als 193. Mitgliedsstaat in die Vereinten Nationen aufgenommen. Dies verkündete der Vorsitzende des Gremiums, der Schweizer Joseph Deiss, nach dem Votum per Akklamation. Gestern hatte sich bereits der UN-Sicherheitsrat für die Aufnahme des Staates ausgesprochen, der sich am Samstag vom Sudan losgesagt hatte.

Nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg, bei dem mindestens zwei Millionen Menschen ums Leben kamen, hatte sich die Bevölkerung des Südens im Januar per Referendum für die Souveränität entschieden. Die Regierung in Khartum erkannte den neuen Staat offiziell an. Zahlreiche Streitpunkte sind aber weiterhin ungelöst, darunter der genaue Grenzverlauf und die Aufteilung der Öl-Einnahmen.

Die Abstimmung in der UN-Vollversammlung galt als Formsache. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Südsudan hatten zahlreiche Länder auf der ganzen Welt den neuen Staat anerkannt und in der internationalen Gemeinschaft willkommen geheißen. Die Aufnahme in die UNO, die Afrikanische Union und andere internationale Organisationen gehörte zu den ersten Zielen der neuen Regierung in Juba.

Massengrab per Satellit geortet

Fast zeitgleich wurde im sudanesischen Bundesstaat Süd-Kordofan nach Angaben von US-Beobachtern ein Massengrab mit mindestens hundert Leichen entdeckt. In der Region der Provinzhauptstadt Kadugli seien auf Satellitenbildern drei Gräber von 26 mal fünf Metern Größe erkennbar, teilte das Satellite Sentinel Project (SSP) mit. Die US-Organisation wertet Satellitenbilder aus dem Sudan nach Hinweisen auf Menschenrechtsverstöße aus. 

SSP berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass am 8. Juni mindestens hundert Leichen vom Markt von Kadugli und benachbarten Dörfern nach Tilo gebracht worden seien. Demnach hatte die sudanesische Armee mit verbündeten Milizen in der Ortschaft alle Häuser durchsucht und mutmaßliche Anhänger der südsudanesischen Rebellengruppe SPLA erschossen.