Rüstungsexport Angola muss seine Küste schützen können
Auch ein Staat wie Angola hat berechtigte Gründe, Patrouillenboote in Deutschland zu kaufen. Dagegen spricht, dass dort Kleptokraten herrschen. Ein Kommentar
Zum zweiten Mal binnen weniger Tage verursacht ein Rüstungsgeschäft in Deutschland Aufregung. Neben der Lieferung von 200 Panzern an Saudi-Arabien erwägt Deutschland nun den Verkauf von bis zu acht Patrouillenbooten an den afrikanischen Ölstaat Angola. Obwohl das jüngste Geschäft nicht mit dem saudischen Panzerdeal vergleichbar ist, hat die Opposition es sofort abgelehnt.
Dabei gibt es einen guten Grund, der für das Geschäft spricht: Seit Jahren können sich Afrikas Länder nicht wirksam gegen die Ausbeutung ihrer Küstengewässer durch die Fischereiflotten aus Japan, Taiwan und Spanien wehren. Bislang ist nur Südafrika in der Lage, seine Küste zu schützen – ohne größeren Erfolg.
Selbst die an das Land gelieferten vier deutschen Korvetten haben bislang wenig bewirkt. Der von ihnen überwachte Küstenstreifen zwischen Südmosambik und Nordnamibia ist mit über 3000 Kilometern einfach zu lang, um ihn gegen die Plünderung zu schützen.
Darüber hinaus zeigt die aus dem Ruder gelaufene Piraterie vor Somalia, wie wichtig es ist, dass Afrika endlich mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernimmt und sich nicht ständig auf teure, aber oft ineffiziente UN-Missionen verlässt. Bis heute ist eine afrikanische Eingreiftruppe ein ferner Traum. Doch pragmatische Erwägungen bleiben bei einem reinen Moraldiskurs schnell auf der Strecke.
Eine ganz andere Frage ist, ob Angola angesichts der bitteren Armut im eigenen Land Schiffe für den Küstenschutz braucht. Obwohl inzwischen mehr Geld in den Bau von Krankenhäusern und Straßen fließt, bedient sich eine kleine Elite um Staatschef Eduardo dos Santos noch immer schamlos an den Einnahmen aus dem Öl- und Diamantenexport – und ignoriert das eigene Volk.
So mutet es absurd an, wenn der seit über 30 Jahre herrschende Präsident Kritik an seinem Regime mit der Kolonialgeschichte abtut. Er selbst hat nie ein Interesse am Gemeinwohl gezeigt. Bezeichnend dafür ist, dass das Pro-Kopf-Einkommen in dem potenziell reichen Land heute unter dem Stand von 1960 liegt. Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden kaum fünf Prozent bebaut, weil das Regime den Agrarsektor ignoriert und lieber teuer Lebensmittel importiert.
Gegen den Deal spricht auch, dass sich Angola nicht an internationalen Initiativen zur Offenlegung seiner Rohstoffgeschäfte beteiligt. Jahrelang haben die Machthaber deshalb enorme Geldsummen in die eigenen Taschen geschleust. Es mag zynisch klingen, doch Angola ist derart korrupt, dass ein Waffengeschäft keinen ähnlich großen Schaden wie in Südafrika anrichten würde, wo ein weit größeres Geschäft die junge Demokratie massiv unterminiert hat.
Auch geostrategisch spielt Angola in Afrika eine eher dubiose Rolle. Das Land, das heute über die schlagkräftigste Armee in Schwarzafrika verfügt, hat bereits im Kongo interveniert und gilt als enger Freund von Simbabwes Diktator Robert Mugabe. Auch das sollte Deutschland bei einer Kooperation mit Angola bedenken.
- Datum 15.07.2011 - 12:26 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 29
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was den Titel des Artikels betrifft.
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Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn
Entfernt. Kritik an der Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Die Redaktion/vn
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...denn je mehr man an die da unten spendet², desto mehr Geld bleiben den jeweiligen Warlords vor Merkels Gnaden übrig, Waffen und Munition zu kaufen.
²bzw. der Anteil der Spenden, der nicht für die Verwaltung und das Lottozahlenvorlesen draufgeht.
Man könnte auch die Reeder der "Fischereiflotten aus Japan, Taiwan und Spanien" anklagen nund hinter Gitter bringen, dafür bräuchte man aber mal Politiker mit Eiern in der Hose. Da stehen ja wieder wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel.
...Hoseninhalt möchte ich lieber gepflegt Abstand nehmen, aber es leuchtet mir auch nicht ein, dass, wenn man die jeweiligen Missetäter schon kennt, man da nicht juristisch vorgeht!?
Was ist das für ein Merkelscher Unsinn, in aller Welt mit 'Rechtsstaatlichkeit' zu werben, darüber zu schwadronieren und sie immer dann, wenn genau diese gefordert ist, einfach nonchalant fahren zu lassen? Was für eine Farce und was für ein Schaden! Und ebenfalls (zunächst einmal) davon abgesehen, wie dies politisch nach außen wirkt, was bedeutet diese Politik eigentlich nach innen? Diese Kanzlerin setzt sich Stück für Stück stoisch über gesellschaftspolitische Grundfeste hinweg, was als Signal mehr als beunruhigend ist!
Langsam frage ich mich, wie man da hinterher überhaupt noch aufräumen kann. Hier werden Hemmschwellen im politischen Handeln massiv herabgesetzt und es ist kaum davon auszugehen, dass jetzt oder später jemand daherkommt, um diese wieder heraufzusetzen.
Ich kann dies auch nicht mehr als quasi-sportliche politische Gegnerschaft empfinden, sondern hier geht es langsam aber sicher um überparteiliche Grundfeste!
...Hoseninhalt möchte ich lieber gepflegt Abstand nehmen, aber es leuchtet mir auch nicht ein, dass, wenn man die jeweiligen Missetäter schon kennt, man da nicht juristisch vorgeht!?
Was ist das für ein Merkelscher Unsinn, in aller Welt mit 'Rechtsstaatlichkeit' zu werben, darüber zu schwadronieren und sie immer dann, wenn genau diese gefordert ist, einfach nonchalant fahren zu lassen? Was für eine Farce und was für ein Schaden! Und ebenfalls (zunächst einmal) davon abgesehen, wie dies politisch nach außen wirkt, was bedeutet diese Politik eigentlich nach innen? Diese Kanzlerin setzt sich Stück für Stück stoisch über gesellschaftspolitische Grundfeste hinweg, was als Signal mehr als beunruhigend ist!
Langsam frage ich mich, wie man da hinterher überhaupt noch aufräumen kann. Hier werden Hemmschwellen im politischen Handeln massiv herabgesetzt und es ist kaum davon auszugehen, dass jetzt oder später jemand daherkommt, um diese wieder heraufzusetzen.
Ich kann dies auch nicht mehr als quasi-sportliche politische Gegnerschaft empfinden, sondern hier geht es langsam aber sicher um überparteiliche Grundfeste!
Volles Rohr ins Fettnäpfchen - warum, Frau Kanzlerin? Selbst für einen weltweit führenden Waffenexporteur (was peinlich genug ist) müssten sich doch etwas weniger heikle Deal-Partner finden lassen, selbst in Afrika. Ob das Ganze Business as usual ist oder nicht: Die Botschaft, die unsere Frau Kanzlerin da stellvertretend für den selbst ernannten Menschenrechtsanwalt Deutschland aussendet, ist katastrophal.
Der Diktator ist eben etwas weitsichtiger : Nachdem bei der Bevölkerung fast nichts mehr zu klauen ist, ist es logisch wenn er versucht zu expandieren. Ich denke so ungefähr nach dem 20. gekaperten Handels Schiff dürfte der break even point erreicht sein, und die Sache fängt an sich hzu rechnen.
bezweifeln, daß 8 zusätzliche Patrouillenboote die Überfischung durch andere Staaten mit entsprechenden Großfischflotten eindämmen könnten; da wären politische Entscheidungen, z.B. die Ausweitung der Hoheitsgewässer, nötig - und die erreicht man nicht durch Aufrüstung, sondern durch politische Diskussionen und Entscheidungen.
Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob diese Boote dann in Angola bleiben werden - da Deutschland darauf keinen Einfluß hat, könnte es durchaus sein, daß diese Boote dann weiterverkauft werden. Sollten sie dann in Somalia auftauchen, in den Händen von Piraten, wäre das Geschrei groß.
Zumindest diesen Aspekt sollte man VOR dem Verkauf der Boote mal in Erwägung ziehen; wird unsere Regierung vermutlich aber nicht tun, wenn auch Panzer nach Saudi-Arabien verkauft werden, deren Einsatz ebenfalls nicht vorhergesagt werden kann.
1975 war Angola in Sachen Landwirtschaft und Fischerei Selbstversorger.
Dass man im Zuge ALLER afrikanischen Unabhängigkeiten der letzten 60 Jahre heimische Eliten eingesetzt hat, dürfte für sie nichts Neues zu sein. Da dieses System weitestgehend Bestand hat und haben soll, zeigt die aktuelle Politik.
In 1975 wurde vor Angolas Küste 600.000 Tonnen Fisch gefangen - 1999 wurde lediglich 157.00 angelandet.
Einfache Frage: Wo ist der Fisch ?
Seit 1988 läuft international das Projekt MONICAP. Ein System zur Überwachung der fischenden Boote. Dies betrifft allerdings nur die offziell legalen Boote, die gechipt sind.
Das Problem sind die Illegalen - an Land und auf dem Wasser.
Jetzt kommt Frau Dr. Merkel ins Spiel. ANGELA FÜR ANGOLA.
Es geht der Dame aber nicht um Angolas Makrelen, sondern um eine behelfsmäßige Stütze für Kleptokraten, die wir selber eingesetzt haben.
Es ist Prophylaxe gegen den nordafrikanischen Virus - das Gadhafi-Syndrom.
...zum zweiten Mal, dass wir Eduardo dos Santos zum Präsidenten gemacht haben. Ich unterstelle einfach mal, dass die Welt zu diesem Zwecke nicht in Agona und die anderen ("WIR") aufgeteilt wurde. Wer hat dos Santos ins Amt gehoben?
...zum zweiten Mal, dass wir Eduardo dos Santos zum Präsidenten gemacht haben. Ich unterstelle einfach mal, dass die Welt zu diesem Zwecke nicht in Agona und die anderen ("WIR") aufgeteilt wurde. Wer hat dos Santos ins Amt gehoben?
bei solchen "Deals" wird in dem Kompendium
"Korruption" von Hans-Wolff Graf, ISBN-10: 3826745442 bzw
ISBN-13: 978-3826745447
wirklich ganz wunderbar, detailliert, konsistent und plausibel abgehandelt.
Und wer und wann auch immer einer den Eindruck zu erwecken versucht, dass bei den Panzerdeals mit der Wahabitendiktatur in Saudi-Arabien oder möglichen Fregattendeals mit der in der Wolle gefärbten stalinistischen Korruptionsterrordiktatur eines José Eduardo dos Santos in Angola keine Bestechungsgelder fließen, der kennt nicht die Finessen der antizipativen und der transitorischen Korruption. Der ignoriert bzw. bestreitet auch die verschlungenen Wege, auf denen heute diese "nützlichen Abgaben" über die Mechnismen der Kreuzkorruption und der freundlichen Beteiligungen gesteuert werden.
Und inmitten dieses Kriminalitätssumpfes inszeniert sich eine Frau wie die deutsche Bundeskanzlerin?
Entweder diese Frau ist bis an die Grenzen der Schwachsinnigkeit naiv oder aber so abgebrüht wie A. Schalck-Golodkowski & Co. die ja in Deutschland den systemischen Schirm gegen jede rechtsstaatliche Verfolgung durch unsere etablierten Besitzstandsfeudalseilschaften genießen.
Was also ist Fakt und was ist Fiktion?
In jedem Falle führt auch zu dieser Antwort "Die Spur der Steine".
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