Der dänische Zoll hat ungeachtet massiver Kritik aus der Europäischen Union seine neuen Grenzkontrollen gestartet. An Grenzübergängen mit Deutschland sollen dabei zunächst 30 zusätzliche Zollbeamte stichprobenartig Kontrollen zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität machen. Für dänisch-schwedische Übergänge sind 20 Beamte vorgesehen.

Später sind die Verdoppelung der Zöllnerstellen sowie elektronische Überwachungsanlagen und neue Zollgebäude geplant. Die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen erfüllt mit den Grenzkontrollen eine Forderung der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei. 

Die Partei ist die Mehrheitsbeschafferin im Parlament und hat seit zehn Jahren in dieser Funktion die harte dänische Ausländer- und Zuwanderungspolitik entscheidend mitbestimmt.

Die EU-Kommission und die Bundesregierung haben die Pläne der Kopenhagener Regierung kritisiert. Sie sehen darin eine potenzielle Gefährdung der Reisefreiheit innerhalb der Europäischen Union und verlangen die strikte Einhaltung des Schengener Unionsvertrages.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bezeichnete die von Dänemark geplanten neuen Grenzkontrollen als illegal.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte davor gewarnt, die Kontrollen könnten "zu einem Menetekel für die Freiheit in Europa werden". Allerdings sagte er auch, dass die deutsch-dänische Freundschaft stabil sei. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sagte: "Wir wollen offene Grenzen und nicht geschlossene. Wir wollen mehr Personenverkehr und mehr Wirtschaftsverkehr."

Deutlichere Kritik fand Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn (FDP). Er forderte einen Urlaubsboykott: "Wenn Dänemark zur Urlaubszeit wieder Grenzkontrollen einführt, kann ich nur dazu raten, auf der Stelle umzudrehen und lieber in Österreich oder Polen Urlaub zu machen."

Die dänische Regierung versichert hingegen, dass sie sich an das Schengen-Abkommen halten werde. Normale Reisende, darunter auch deutsche Nordsee-Urlauber, würden von den neuen Kontrollen nicht behindert. 

Wieder zurückgenommen werden könnten die Grenzkontrollen nach einem sozialdemokratischen Sieg bei den bis November anstehenden Parlamentswahlen in Dänemark.