Kein Tourist kommt nach Gushiegu. Hier im Nordosten Ghanas gibt es nur Lehmhäuser, Felder und Buschland. Traktoren arbeiten sich durch staubige Böden. Der Regen lässt wieder einmal auf sich warten.

Kinder und Frauen aus der ganzen Stadt laufen deshalb jeden Tag zur Pumpstation vor den Toren der Stadt, holen klares Wasser und waschen lachend, lästernd und scherzend ihre bunte Wäsche. Ein paar hundert Meter weiter schöpfen Dutzende alte Frauen ihr Trinkwasser aus einem brackigen Wasserloch. Sie sind Ausgestoßene. Einst wurden sie der Hexerei beschuldigt und flohen aus ihren Dörfern hierher.

Wann Gushiegu zum Asyl für Hexenjagdflüchtlinge wurde, ist unbekannt. Sicher ist, dass ein mächtiger Chief sich für sie einsetzte und ihre Sicherheit garantierte. Heute beherbergt Gushiegu 110 Hexenjagdflüchtlinge. Sie alle sind Frauen und gehören der ethnischen Gruppe der Konkomba an. Knapp die Hälfte von ihnen wohnt in der überfüllten Sammelunterkunft, die eine internationale Organisation vor zehn Jahren errichtete – ohne Wasser, Strom oder Latrinen. Andere leben in kleinen Gebäudekomplexen oder alleine in Lehmhütten. Manche wurden von Familien aufgenommen.

Die meisten hier werden nur gelegentlich von ihren Familien unterstützt. Manche bekommen alle paar Wochen Besuch, andere nur alle paar Jahre, einige wurden vergessen. Ihre Versorgungslage ist prekär. "Wir gehen auf den Markt und kehren Mais oder Hirse auf, wenn etwas herunterfällt. Und wenn der Regen kommt, brauchen sie uns zum Säen." Die Frau, die das erzählt, wurde gerade mit einer Schüssel trockenem Mais bezahlt, der vom letzten Jahr übrig geblieben ist.

Nicht einmal einen halben Euro ist der Lohn für einen Tag harte Arbeit wert. Tatsächlich ist der saisonale Arbeitsbedarf beim Säen und Ernten einer der Gründe, warum man hier und an anderen Orten in Ghana Menschen aufnimmt, die als Hexen beschuldigt und verfolgt werden.

Gambaga, Kpatinga, Tindang und Kukuo – das sind die größten, ältesten und traditionsreichsten dieser Ghettos. Kommen die Hexenjagdflüchtlinge hier an, müssen sie sich an einem Schrein einem Ritual unterwerfen, das ein für alle Mal klären soll, ob es sich tatsächlich um eine Hexe handelt: Ein Priester schneidet einem Huhn den Hals an und wirft es in hohem Bogen von sich. Verendet es auf dem Bauch, ist die Frau, die das Tier zum Ordal mitbrachte, unschuldig. Zeigt der Bauch aber zum Himmel, ist dies das endgültige Schuldurteil.