Ghana: Die Hexenjagdflüchtlinge von Gushiegu
Sie werden von Neidern beschuldigt oder von Leuten, die sie nie gesehen haben: In Ghana nehmen manche Dörfer Frauen auf, die der Hexerei bezichtigt werden.
Kein Tourist kommt nach Gushiegu. Hier im Nordosten Ghanas gibt es nur Lehmhäuser, Felder und Buschland. Traktoren arbeiten sich durch staubige Böden. Der Regen lässt wieder einmal auf sich warten.
Kinder und Frauen aus der ganzen Stadt laufen deshalb jeden Tag zur Pumpstation vor den Toren der Stadt, holen klares Wasser und waschen lachend, lästernd und scherzend ihre bunte Wäsche. Ein paar hundert Meter weiter schöpfen Dutzende alte Frauen ihr Trinkwasser aus einem brackigen Wasserloch. Sie sind Ausgestoßene. Einst wurden sie der Hexerei beschuldigt und flohen aus ihren Dörfern hierher.
Der Autor ist Ethnologe und forscht seit sieben Jahren über Hexenjagden und Hexereivorstellungen. Während zwei Aufenthalten in Ghana interviewte er 140 Hexenjagdflüchtlinge und gründete das Hilfsprojekt "Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge".
Wann Gushiegu zum Asyl für Hexenjagdflüchtlinge wurde, ist unbekannt. Sicher ist, dass ein mächtiger Chief sich für sie einsetzte und ihre Sicherheit garantierte. Heute beherbergt Gushiegu 110 Hexenjagdflüchtlinge. Sie alle sind Frauen und gehören der ethnischen Gruppe der Konkomba an. Knapp die Hälfte von ihnen wohnt in der überfüllten Sammelunterkunft, die eine internationale Organisation vor zehn Jahren errichtete – ohne Wasser, Strom oder Latrinen. Andere leben in kleinen Gebäudekomplexen oder alleine in Lehmhütten. Manche wurden von Familien aufgenommen.
Die meisten hier werden nur gelegentlich von ihren Familien unterstützt. Manche bekommen alle paar Wochen Besuch, andere nur alle paar Jahre, einige wurden vergessen. Ihre Versorgungslage ist prekär. "Wir gehen auf den Markt und kehren Mais oder Hirse auf, wenn etwas herunterfällt. Und wenn der Regen kommt, brauchen sie uns zum Säen." Die Frau, die das erzählt, wurde gerade mit einer Schüssel trockenem Mais bezahlt, der vom letzten Jahr übrig geblieben ist.
Nicht einmal einen halben Euro ist der Lohn für einen Tag harte Arbeit wert. Tatsächlich ist der saisonale Arbeitsbedarf beim Säen und Ernten einer der Gründe, warum man hier und an anderen Orten in Ghana Menschen aufnimmt, die als Hexen beschuldigt und verfolgt werden.
Gambaga, Kpatinga, Tindang und Kukuo – das sind die größten, ältesten und traditionsreichsten dieser Ghettos. Kommen die Hexenjagdflüchtlinge hier an, müssen sie sich an einem Schrein einem Ritual unterwerfen, das ein für alle Mal klären soll, ob es sich tatsächlich um eine Hexe handelt: Ein Priester schneidet einem Huhn den Hals an und wirft es in hohem Bogen von sich. Verendet es auf dem Bauch, ist die Frau, die das Tier zum Ordal mitbrachte, unschuldig. Zeigt der Bauch aber zum Himmel, ist dies das endgültige Schuldurteil.






Ein interessantes Projekt, der Link zum Thema wäre gut:
http://gushiegu.wordpress...
sowie:
http://www.betterplace.or...
ich meine derartige Praktiken und Auffassungen. Hexenjagd und dann Verbannung.
Gut, zugegeben, wir hier in Europa haben das ja auch mal gemacht. Zum Glück haben wir diese Epoche überwunden.
Es ist doch eigentlich meistens so: Solche Zustände beruhen darauf, dass man Sündenböcke braucht.
In diesem Fall sinds halt die Frauen, die herhalten müssen. Nur weil andere neidisch sind oder verrückt!
Aber mal ne andere Frage. Warum gibts eigentlich nur weibliche Hexen? Also keine männliche Variante? Ja gut, jetzt könnte man ja sagen, Zauberer und so, aber wurden die je so an den Pranger gestellt wie Frauen?
Vielleicht ne blöde Frage, aber der Artikel hat bei mir das Interesse geweckt, da mal hinterhergehen zu müssen.
Ich gucke mich jetzt mal im Internet durch.
Zwar stellten weibliche Opfer der Europäischen Hexenverfolgungen die Mehrzahl, doch wurde auch Männer gefoltert und getötet.
In den europäischen Märchen haben meist alte Frauen die Funktion der Hexe, im russischen Zaubermärchen hingegen sind es männliche Zauberer. Es gibt auch eine weibliche Hexe, die Baba Yaga, doch die bedrohende Funktion im Ablauf einer Märchenhandlung nimmt der Zauberer ein.
Zwar stellten weibliche Opfer der Europäischen Hexenverfolgungen die Mehrzahl, doch wurde auch Männer gefoltert und getötet.
In den europäischen Märchen haben meist alte Frauen die Funktion der Hexe, im russischen Zaubermärchen hingegen sind es männliche Zauberer. Es gibt auch eine weibliche Hexe, die Baba Yaga, doch die bedrohende Funktion im Ablauf einer Märchenhandlung nimmt der Zauberer ein.
Wenn irgendjemand hexen koennte, wuerde er sich dann einfach verpruegeln und umbringen lassen? Wuerde er nicht eher seine Kraefte einsetzen, um dem zu entkommen? Selbst fuer kaum gebildete Leute muesste es doch einsehbar sein, dass solche Anschuldigungen so voellig absurd sind. Oder ist diese Logik zu einfach?
Es gibt durchaus die Angst vor der Hexe, daher werden im Süden Ghanas auch eher Hexereianklagen vermieden. Man möchte nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenken, gibt sich freundlich, möglicherweise bricht man den Kontakt ab oder beauftragt einen Priester mit einem Gegenzauber.
Die Macht der Hexe ist nicht immer so groß. Generell herrscht die Vorstellung von Hexengruppen vor, die zusammen agieren, aber auch verwundbar sind. Wenn diese Hexen dann unter einem Zwang nachts ihren physischen Körper verlassen, um im Busch an spirituellen Leibern zu nagen, bedeutet das noch nicht, dass sie im wachen Zustand jederzeit "zaubern" könnten. Man kann der Logik der Vorstellungen zufolge durchaus gefahrlos eine Person töten und dadurch ihre Hexerische Tätigkeit beenden. Auch wird eine Person manchmal so lange geschlagen, bis sie ein "physisches Gefängnis des gefangenen spirituellen Leibes" freigibt: Etwa eine Kakerlake, in der der spirituelle Leib eines Siechenden eingesperrt "ist".
Aha, also handelt es sich so gesehen um Hexerei auf metaphysischer Ebene. So umgeht man natuerlich die einfache Logik. Sehr kreativ, diese Leute ...
Aha, also handelt es sich so gesehen um Hexerei auf metaphysischer Ebene. So umgeht man natuerlich die einfache Logik. Sehr kreativ, diese Leute ...
Zwar stellten weibliche Opfer der Europäischen Hexenverfolgungen die Mehrzahl, doch wurde auch Männer gefoltert und getötet.
In den europäischen Märchen haben meist alte Frauen die Funktion der Hexe, im russischen Zaubermärchen hingegen sind es männliche Zauberer. Es gibt auch eine weibliche Hexe, die Baba Yaga, doch die bedrohende Funktion im Ablauf einer Märchenhandlung nimmt der Zauberer ein.
Ich verweise auf mein Buch "Die Hexe von Gushiegu", in dem ein Schicksal exemplarisch in Biografieform geschildert wird:
http://www.amazon.de/Die-...
Aha, also handelt es sich so gesehen um Hexerei auf metaphysischer Ebene. So umgeht man natuerlich die einfache Logik. Sehr kreativ, diese Leute ...
Es handelt sich einfach um eine abgedichtete Ideologie wie es sie überall gibt, Antisemitismus, Antiziganismus etc. Sind alle nicht besonders logisch, haben aber innerhalb ihrer Grenzen erstaunliche logische Cappriciositäten.
Es handelt sich einfach um eine abgedichtete Ideologie wie es sie überall gibt, Antisemitismus, Antiziganismus etc. Sind alle nicht besonders logisch, haben aber innerhalb ihrer Grenzen erstaunliche logische Cappriciositäten.
Es handelt sich einfach um eine abgedichtete Ideologie wie es sie überall gibt, Antisemitismus, Antiziganismus etc. Sind alle nicht besonders logisch, haben aber innerhalb ihrer Grenzen erstaunliche logische Cappriciositäten.
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