Syrien : Hunderttausende protestieren in Hama gegen Assad

Menschenrechtsaktivisten schätzten am Freitag bis zu 450.000 Demonstranten in Hama. Die Botschafter von Frankreich und den USA unterstützten sie.

Der Protest in Hama ist ungebrochen: Nach Angaben syrischer Menschenrechtsaktivisten hat am Freitag in Hama die größte Demonstration gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad seit Beginn der Proteste stattgefunden. Etwa 450.000 Menschen sollen demnach gegen Massenverhaftungen und das Vorgehen der Sicherheitskräfte auf die Straße gegangen sein.

Andere Berichte schätzen die Zahl der Demonstranten hingegen auf mehrere Zehntausende. Die Angaben sind schwer überprüfbar, da sich in Syrien seit Monaten keine unabhängigen Journalisten mehr befinden.

Der Nachrichtensender Al Jazeera berichtet unter Berufung auf Aktivisten, dass während der Proteste 13 Menschen getötet worden sind. Fünf im Zentrum von Hama, zwei im nahegelegenen Midan und sechs in Dumair, östlich von Damaskus. Das syrische Staatsfernsehen berichtet, die Demonstranten seien von Scharfschützen bewaffneter Gangs getötet worden.

Insgesamt wurden bei Protesten in Hama und weiteren syrischen Städten mehr als 200 Demonstranten festgenommen. Mehr als die Hälfte von ihnen in der Stadt Homs festgenommen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Unter den Festgenommenen in der Hauptstadt Damaskus war demnach auch der Drehbuchautor und Professor Ussama Ghanam.

Nach Angaben von Human Rights Watch (HRW) werden syrische Soldaten und Sicherheitskräfte dazu gezwungen, auf Demonstranten zu schießen. Wer sich dem Befehl widersetze, müsse damit rechnen, selbst getötet zu werden, berichtete die Menschenrechtsorganisation unter Berufung auf Aussagen von Deserteuren, die in Nachbarländer wie den Libanon oder die Türkei geflohen sind. Ihre Vorgesetzten hätten ihnen gesagt, dass sie gegen "Eindringlinge, Salafisten und Terroristen" kämpften, berichteten zwölf Deserteure übereinstimmend. Sie seien "überrascht" gewesen, stattdessen nur "unbewaffnete Demonstranten" angetroffen zu haben.

Während der Demonstration am Freitag hatten die Botschafter der USA und Frankreichs mit einem Besuch in Hama ein Zeichen der Solidarität mit den Gegnern von Präsident Assad gesetzt. Hama gilt seit langem als Zentrum für Andersdenkende in Syrien, die Stadt wird seit Wochen von Regierungstruppen belagert. Der Vater von Staatschef Baschir al-Assad ging 1982 brutal gegen einen Aufstand der Muslimbrüder vor und tötete möglicherweise bis zu 30.000 Menschen. Die syrische Regierung kritisierte den Schritt des US-Botschafters scharf. Es werde versucht, die Menschen aufzuwiegeln. Die Anwesenheit der Botschafter verdeutliche die Rolle der USA in den seit 15 Wochen andauernden Unruhen, hieß es.

Die Vorwürfe, Ford habe in Hama "Saboteure" zu Gewalt und Protesten angestiftet, wies eine Sprecherin des US-Außenministeriums als "totalen Müll" zurück. Die syrischen Behörden seien zudem über die Reise des Botschafters im Voraus informiert gewesen.

Das US-Außenministerium hatte zuvor den syrischen Botschafter in Washington einbestellt. Anlass seien Berichte über das Verhalten des Botschaftspersonals bei Demonstrationen in den USA gewesen, teilte das Ministerium mit. Mitarbeiter der Botschaft sollen Teilnehmer von friedlichen Demonstrationen gegen das gewaltsame Vorgehen der syrischen Führung gegen die Demokratiebewegung gefilmt und fotografiert haben. Angehörige der Demonstranten seien dann in Syrien Repressionen ausgesetzt gewesen.

Seit Beginn der Protestwelle gegen Assad wurden nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 1.750 Menschen getötet.

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Laut AFP und arabischen Medien, ...

... waren gestern allein in der syrischen Stadt Hama etwa eine halbe Million Menschen gegen das Assad-Regime auf der Straße und in dutzenden Städten im ganzen Land weitere hunderttausende Syrer! -trotz akuter Gefahr für Leib und Leben, denen sich die friedlichen Demonstranten dabei aussetzen!

Von Woche zu Woche werden die Massendemonstrationen in Syrien noch größer, trotz exzessivster willkürlicher Gewaltanwendung gegen die aufständische Bevölkerung, in Form von Sippenhaft, Folter, Vergewaltigungen, Verschwindenlassen, Morden (alles sogar auch gegen Kinder gerichtet!) und regelrechten Massakern, verübt von den Regimekräften.
Inzwischen finden auch zwischen den freitäglichen Protesttagen tagtäglich Demonstrationen aller Größen in allen möglichen syrischen Städten statt, gegen das zunehmend delegitimierte und isolierte Assad-Mordregime, dem nur noch eine stetig schwindene Minderheit der Syrer die Treue hält (zumeist aus Angst, nicht aus innerer Überzeugung).

In libanesischen Medien wird darüber spekuliert, dass es zu einer gemeinsamen militärischen Intervention der Türkei, Saudi-Arabiens und Kuwaits in Syrien kommen könnte, falls die Zustände dort immer unhaltbarer und massenmörderischer werden, um im Land militärisch gesicherte Schutzzonen für vom Assad-Regime verfolgte und vom Tod bedrohte Menschen einzurichten.

Der Liveticker belegt, dass die Proteste der Syrer gegen den Despoten Assad auch Heute weiter gehen:

http://www.nowlebanon.com...

Glück gehabt

Welch ein Glück für die Demonstranten in Syrien, dass sich das von den USA massiv und auch von Deutschland unterstützte Unterdrückungsregime von Saudi-Arabien in diesem Fall im Gegensatz zu den Demonstrationen in Bharain nicht an deren gewaltsamer Niederschlagung beteiligt. Und wie verwerflich, dass USA ein enger Verbündeter des Unterdrückungsregimes von Saudi-Arabien ist, das seine Bevölkerung massiv unterdrückt und misshandelt. Und wie schade, dass die Bundesregierung denen anscheinend 200 Panzer liefern will, die sich hervorragend zur Niederschlagung von Demonstrationen eignen.

Schade trifft es aber natürlich nicht wirklich.

Einseitigkeit, Einseitigkeit und wieder Einseitigkeit

In einer Stadt mit einer halben Millionen Einwohnern gehen angeblich eine halbe Millionen Menschen auf die Straße. Ich kann mich noch an anti-amerikanische und anti-israelische Demonstrationen im Libanon erinnern, als ganz Beirut mit über einer Millionen Menschen überfüllt war, da hieß es in den westlichen Medien "einige zehntausend". Selbst bei den Zahlen fehlt uns im Westen an Objektivität.