In ihren Kommentaren appellieren die internationalen Medien vor allem an die Regierungen Frankreichs und Deutschlands, in der Griechenland-Krise europäisches Format zu demonstrieren. "Nicolas Sarkozy und Angela Merkel haben eine große Verantwortung. Sie sind heute die einzigen in der EU, die über Einzelinteressen hinweg auf das allgemeine Interesse setzen können", schreibt Le Monde aus Paris. "Einige in Deutschland mögen glauben, dass sie auf den Euro verzichten können. Das ist falsch. Wenn Deutschland meinen sollte, es sei ohne Europa stärker, würde es sich irren."

Auch der niederländische Volkskrant ist der Meinung, der Schlüssel zur Beseitigung der Krise liege bei der Bundeskanzlerin. "Ihre hartnäckige, durch die Niederlande unterstützte Forderung nach Beteiligung des privaten Sektors an der Rettung Griechenlands ist politisch verständlich. Doch die Art und Weise, wie das bislang betrieben wird, ist unklug. Banken mitbezahlen zu lassen, die griechische Staatspapiere halten, wird von den Rating-Agenturen als Zahlungsausfall gewertet. Die Folgen würden unabsehbar sein, wie die Europäische Zentralbank warnt."

Es sei so, schreibt die französische Libération, als ob die EU lieber Sündenböcke suchte, als sich über ihre eigenen Probleme Gedanken zu machen. Als Ausweg aus dem Fiasko schlägt der Kommentator "vielleicht mehr Europa, mehr Föderalismus, mehr gemeinsame Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik" vor. Aber dieses Projekt, gewaltig in Anbetracht der Meinungslage und des Muts der europäischen Staatslenker, habe nur Beschwörungscharakter. "Es kann nicht ohne die breite Zustimmung der EU-Bürger funktionieren." Für das Volk sei die Union heute aber Synonym für Härte und Strenge und nicht für Fortschritt und Schutz.

Führungsstärke zu zeigen entspricht nicht Merkels Stil

"Das ist ein politischer Moment, der so gar nicht passt zu dem, wie Angela Merkel sich Staatshandeln vorstellt", schreiben die überregionalen Salzburger Nachrichten. "Die deutsche Bundeskanzlerin bevorzugt die Rolle der Moderatorin, die zwischen unterschiedlichen Standpunkten vermittelt. Jetzt aber, da sich der Euro in Not befindet, ist Führungsstärke verlangt, mit der man zu klaren Entscheidungen kommt." Drinnen wie draußen kippe die Stimmung. "In Deutschland deuten Umfragen auf eine Renationalisierung in den Einstellungen vieler Bürger hin. Europaweit sind euro-skeptische und rechtspopulistische Kräfte auf dem Vormarsch. "Aus diesem Grund muss Angela Merkel sich jetzt häuten."

Die Athener Zeitung Ta Nea kommentiert: "Die Kanzlerin Deutschlands – in derer Hand alles und auch die Zukunft Europas praktisch liegt – hat mit ihren Handlungen gezeigt, dass sie nicht so sehr wie ihre Vorgänger an die europäische Idee glaubt." Jeder logisch denkende Mensch wisse, dass die Staaten des Südens nicht ewig so weiter handeln können, heißt es weiter. Sie hätten die EU-Gelder unbedacht genutzt und sich überschuldet. "Was Griechenland betrifft, muss das Land für mehrere Jahre ein schmerzhaftes Reformprogramm in die Tat umsetzen." Das Problem der Euro-Zone sei nunmehr ein politisches. Deutschland habe wie kein anderes Land von der gemeinsamen Währung profitiert. "Die Kanzlerin kann nicht mehr mit dem Blick auf die Wähler des eigenen Landes handeln", sagt Ta Nea.