Afrika"Simbabwer dürfen kein Blut mehr vergießen"

Hebson Makuvise ist simbabwischer Botschafter in Berlin. Er kommt aus der Opposition gegen den Despoten Mugabe und hofft auf freie Wahlen und Normalität in seinem Land.

Der simbabwische Botschafter in Deutschland, Hebson Makuvise

Der simbabwische Botschafter in Deutschland, Hebson Makuvise

ZEIT ONLINE: Von Seiten der EU bestehen bis heute Sanktionen gegen den simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe. Wie beeinflussen sie die Beziehung zwischen Deutschland und Simbabwe?

Hebson Makuvise: Zum einen schränken sie die Reisefreiheit auch von Simbabwern anderer politischer Parteien in die EU und die USA ein. Außerdem beeinträchtigen die Sanktionen die Arbeit der Regierung. Deutschland und andere europäische Länder haben zwar erkannt, dass eine Aufhebung der Sanktionen notwendig ist, aber sie warten noch, bis die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) einen Plan zur Neuordnung des simbabwischen Wahlsystems vorlegt. Wenn das der Fall ist, nehme ich an, wird die EU eine Aufhebung der Sanktionen diskutieren.

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ZEIT ONLINE: Seit der Bildung der Koalitionsregierung zwischen Präsident Robert Mugabe und seinem Rivalen Premierminister Morgan Tsvangirai im Jahr 2009 gab es immer wieder Streit innerhalb der Regierung. Hat das Einfluss auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Simbabwe?

Makuvise: Es gibt regelmäßig Diskussionen mit Deutschland über Menschenrechtsverletzungen und die Einschränkung der freien  Meinungsäußerung in Simbabwe. Die Koalitionsregierung unternimmt jedoch große Anstrengungen diese Probleme anzusprechen. Ich bin zuversichtlich, dass in Zukunft die friedlichen Kräfte im Land siegen und die gewaltbereiten Teile der Gesellschaft gestoppt werden. Meine Aufgabe ist es, diese demokratischen Veränderungen in meinem Heimatland in Deutschland zu repräsentieren. Wir haben nie gesagt, dass die Koalition ohne Probleme funktionieren würde. Robert Mugabes Partei, die Afrikanische Nationalunion von Simbabwe (ZANU-PF), hat bisher immer allein regiert und ist eine Machtteilung nicht gewohnt. Doch die Situation im Land hat sich seit den Wahlen 2008 wesentlich verbessert, besonders was die Lebensmittelsicherheit und die politische Stabilität angeht.

ZEIT ONLINE: Seit Beginn des Jahres haben deutsche Wirtschaftsdelegationen mehrfach Simbabwe besucht, um Investitionsmöglichkeiten auszuloten. Wofür haben sich die deutschen Investoren besonders interessiert?

Makuvise: Für den Bergbau, das produzierende Gewerbe, den Tourismus und die Energiewirtschaft. Aber die Besucher machen sich Sorgen um die Investitionssicherheit in Simbabwe.

ZEIT ONLINE: Welche Art von Unterstützung würden Sie sich von Deutschland und anderen EU-Mitgliedern erhoffen?

Makuvise: Simbabwe ist ein armes Land. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland, die EU und andere internationale Geberländer Simbabwe Kredite gewähren, denn ohne finanzielle Hilfe ist der Aufbau des Landes nicht möglich.

ZEIT ONLINE: Die Gründung der EU hat maßgeblich dazu beigetragen, Europa zu einen und zu befrieden. Was kann Afrika von dieser Entwicklung lernen?

Leserkommentare
  1. Warum kein wort darüber, dass das Ermorden, Vergewaltigen, Enteignen und Vertreiben der weißen Bauern für das jetzige Chaos verantworlich ist.

    Ein für afrikanische Verhältnisse wohlhabendes Land - eine Agrarexportnation - hat sich innerhalb weniger Jahre in ein Hungelland zurückentwickelt.

    Warum verkneift man sich Fragen nach der sicherheit der weißen in Simbawe.

    Ist es eigentlich vorstellbar, dass in einem nicht schwarzafrikanischem Land in dem gerade eine ethnische säuberung stattgefunden hat mit den bekannten gesamtnationalen Folgen, diese Problematik in einem Gespräch mit dem Botschafter ausgelassen wird.

    Könnte es daran liegen, dass wie immer nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf - nämlich Rassismus von schwarz gegen weiß.

    Als Cecil Rhodes (ja ich weiß er war böse) lebten weniger als 1 Mio Schwarze im Land. Heute sind es weit über 10 Millionen - mit Subsistenzwirtschaft sind diese nicht zu ernähren. Darum fliehen auch Millionen nach Südafrika und Botswana, wo sie nicht mit offenen Armen empfangen werden.

    2 Leserempfehlungen
  2. Ich glaube, den SADC-Staaten bleibt nur der Ausweg, den auch die Europäer gewählt haben: es geht nur miteinander. Gegeneinander führt letztlich immer in die Katastrophe.

    Herr Makuvise und letztlich alle Simbabwer sollten deshalb vielleicht erstmal mit Männern wie Julius "Juju" Malema (ANC Südafrika) sprechen und ihnen klarmachen, wohin das Gegeneinander sie gebracht hat.

    Solange Herr Mugabe aber als heimlicher Held gefeiert wird, während man im Norden um Kredite bittet... solange wirkt das angebliche Bestreben nach Frieden und Entwicklung nicht sehr glaubhaft.

    Eine Leserempfehlung

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