Irak Regierung Maliki lähmt sich selbst
Die politischen Lager der Einheitsregierung von Premier Maliki blockieren sich – die Zahl der Toten durch Terroranschläge erreicht derweil neue Rekorde.
© AHMAD AL-RUBAYE/AFP/Getty Images

Machtdemonstration der Schiiten. In Bagdad wird ein symbolischer Sarg für Imam Mussa al Kadhim durch die Straßen getragen.
In der Kantine des Parlaments von Bagdad trafen die beiden Kontrahenten aufeinander. Der Abgeordnete Kamal Saadi hieb mit seinem Gehstock auf seinen Kollegen Haidar al Mulla ein, der schlug mit der Faust zurück, bis entsetzte Abgeordnete die beiden Kampfhähne trennten. Im Irak liegen die Nerven blank. Seit Monaten blockieren sich die politischen Lager in der Regierung der Nationalen Einheit unter Premier Nuri al Maliki. Der hatte mit seinem schiitischen Bündnis "Rechtsstaat" die Wahlen im März 2010 zwar knapp verloren, blieb aber trotzdem Regierungschef. Als Ausgleich bot er seinem Hauptkontrahenten Iyad Allawi, der mit seiner Allianz Iraqiya die meisten Sunniten hinter sich weiß, wichtige Posten und politische Mitsprache in der Regierung der Nationalen Einheit an.
Doch aus dem übergreifenden Machtarrangement zum Wohle der irakischen Nation ist bisher nicht viel geworden. Die beiden Galionsfiguren reden seit Wochen nicht mehr miteinander, behindern sich gegenseitig, wo sie nur können. Allawi ist bisher nicht einmal im Parlament erschienen, stattdessen bezichtigte er in einer Fernsehrede Maliki, dieser sei "mit Hilfe des Iran und ausländischer Mächte" Premierminister geworden. Auch die von Maliki in seiner Regierungserklärung groß angekündigte 100-Tage-Frist für den großen Sprung nach vorne ist unbemerkt verstrichen. Bis Mitte Juni wollte der Ministerpräsident durch Großinvestitionen die Basis legen für einen modernen Irak. Gleichzeitig versprach er den Bürgern eine spürbar bessere Versorgung mit Strom, Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Geschehen ist nichts. Selbst die beiden Schlüsselposten des Verteidigungs- und Innenministers sind auch 16 Monate nach den Parlamentswahlen immer noch nicht besetzt und werden von Maliki kommissarisch verwaltet. Allawi hat das Vorschlagsrecht, Maliki muss zustimmen, legte sich bisher aber bei allen Kandidaten quer.
Kein Wunder, dass angesichts dieser politischen Totallähmung die Gewalttaten im ganzen Land wieder steigen. Täglich gehen Bomben hoch oder gibt es Feuerüberfälle von Al-Qaida-Kommandos. Allein im Juni kamen 271 Iraker ums Leben, über 450 wurden verletzt – bisher die höchste Opferzahl in einem Monat des Jahres 2011. Manche Minister fahren nur noch in Konvois mit bis zu 50 Autos, andere unterhalten regelrechte Privatarmeen. So sprengten sich in der zentralirakischen Stadt Diwaniyah zwei Selbstmordattentäter dreißig Meter vor der Residenz des Gouverneurs in die Luft, 26 Menschen starben, die meisten von ihnen Leibwächter. Der Politiker selbst blieb unverletzt, weil sich seine Abfahrt um einige Minuten verzögert hatte. In einem Supermarkt im Süden von Bagdad explodierte ein Sprengsatz, der unter Gemüse in einem Einkaufswagen versteckt war – 21 Menschen verloren ihr Leben, 86 wurden verletzt. In der Provinz Diyala nahmen Bewaffnete in der Regionalverwaltung ein Dutzend Geiseln und lieferten sich ein fünfstündiges Feuergefecht mit Spezialeinheiten der Polizei. In der Provinz Anbar starben im Morgengrauen fünf Offiziere bei einem Überfall auf ihren Kontrollpunkt an der Autobahn nach Jordanien und Syrien.
Ähnlich ist die Lage bei der US-Armee, die in einem halben Jahr ihre restlichen 47.000 Mann abziehen will. Mit 14 Toten erlitt sie im Juni die höchsten Verluste seit Mitte 2008. Allein sechs Soldaten starben durch einen Raketenangriff schiitischer Milizen auf die wichtige US-Militärbasis nahe dem Flughafen von Bagdad. Die eingesetzten Geschosse stammen nach amerikanischen Ermittlungen aus dem Iran. Und so wachsen in Washington die Zweifel, ob die irakischen Sicherheitskräfte im kommenden Jahr der wachsenden Gewalt durch Al Qaida und schiitische Milizen gewachsen sein werden.
Seit Monaten drängen amerikanische Militärs bei der irakischen Führung auf eine Entscheidung, ob sie auch 2012 eine weitere US-Militärpräsenz im Zweistromland wünschen. Doch die total zerstrittene Regierung der Nationalen Einheit ist zu keiner Antwort fähig. "Länder wie der Irak mit schweren inneren Konflikten können immer wieder in einen Bürgerkrieg abrutschen", warnt Kenneth M. Pollack, Wissenschaftler bei der renommierten "Brookings Institution", einem Think Tank in Washington. Vor allem Fortschritte im politischen System seien nötig, um aus dieser Rollbahn in den Bürgerkrieg herauszukommen. Sonst würden die Bürger nur weiter frustriert und angestachelt, ihre Konflikte mit Waffen zu regeln, meint Pollack. In seinen Augen jedenfalls hat "die zunehmende Gewalt im Irak das Potenzial, diesen gefährlichen Mechanismus erneut in Gang zu setzen".
- Datum 05.07.2011 - 10:32 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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Afghanistan und Pakistan lassen gruessen!
... von Ahmadinedschad sowohl die schiitischen, als auch die sunnitischen(!) glaubensfanatischen Terrorbanden im Irak tatkräftig unterstützt und ihnen als sicherer Rückzugsraum dient, so lange kann es kaum zu einer deutlichen Verbesserung der Lage im Irak kommen.
Der drohende Bürgerkrieg wird von außen mittels exzessivem dschihadistischen Mordterror ins Land getragen, um die Iraker entlang der innergesellschaftlich vorhandenen konfessionellen Bruchlinien in feindliche Lager auseinander zu treiben, und den Irak so dauerhaft zu destabilisieren, um so seine junge und ungefestigte (jedoch von der großen Mehrheit der Iraker gewollten und unterstützten!) parlamentarische Demokratie und sein föderales System gewaltsam in den Kollaps zu treiben.
Es ist vor allem das Ahmadinedschad-Regime in Iran, dass den Irak durch intensive Terrorunterstützung in den staatlichen Zusammenbruch zu treiben versucht, weil die im Iran diktatorisch herrschenden Islamisten sich von einer funktionierenden irakischen Demokratie mit einer mehrheitlich schiitischen Bevölkerung in ihrem totalitären Herrschaftsanspruch bedroht sehen.
Außerdem sehen die regierenden Hardliner in Iran die schiitischen Hochburgen im Irak schon lange als Gebiete an, die unter ihre Macht und Kontrolle gehören, obwohl der Großteil der arabisch-irakischen Schiiten nichts davon wissen will.
Auch die islamistischen Saudis haben als Gegenspieler des Iran kein Interesse an einem stabilen Irak mit funktionierendem Parlamentarismus.
ist natürlich nicht zu unterschätzen. Alles erklärt er aber nicht.
Es bleibt skandalös, dass die Protagonisten - völlig abgehoben von der schlimmen Lebenswirklichkeit der Bevölkerung - meinen, ihren eigenen Vorteil auf alle Fälle durchdrücken zu müssen, auch wenn das Land darüber im Chaos versinkt.
Allerdings ist mir die konkrete Austragung mit Stöcken schon sympatischer, als wenn sie ihre Anhänger aufeinander hetzen würden.
Für Ihre Anschuldigungen? Unzwar Quellen, die nicht iranischen Exil-Gruppen wie den Mojahedin e Khalk entstammen oder Exil-Iranern, die seit Jahren und Jahrzehnten weder in Iran und Irak waren? Würde mich freuen, dann könnte ich die Kaskade an Anschuldigungen, die Sie da von sich gegeben haben auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Alles was Sie da geschrieben haben stimmt nämlich laut meinem Kenntnisstand nicht und scheint mir eher aus der Luft gegriffen zu sein. Vielen Dank im Vorraus
Dass Iran Einfluss auf Irak ausübt steht jedoch außer Frage. Den Einfluss hat er allerdings auch auf Allawi ausgeübt, der alte Mann brauch also nicht so scheinheilig nach Teheran zeigen: http://irananders.de/home...
Abgesehen davon sind die USA noch immer die Besatzungsmacht des Landes und nicht Iran.
ist natürlich nicht zu unterschätzen. Alles erklärt er aber nicht.
Es bleibt skandalös, dass die Protagonisten - völlig abgehoben von der schlimmen Lebenswirklichkeit der Bevölkerung - meinen, ihren eigenen Vorteil auf alle Fälle durchdrücken zu müssen, auch wenn das Land darüber im Chaos versinkt.
Allerdings ist mir die konkrete Austragung mit Stöcken schon sympatischer, als wenn sie ihre Anhänger aufeinander hetzen würden.
Für Ihre Anschuldigungen? Unzwar Quellen, die nicht iranischen Exil-Gruppen wie den Mojahedin e Khalk entstammen oder Exil-Iranern, die seit Jahren und Jahrzehnten weder in Iran und Irak waren? Würde mich freuen, dann könnte ich die Kaskade an Anschuldigungen, die Sie da von sich gegeben haben auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Alles was Sie da geschrieben haben stimmt nämlich laut meinem Kenntnisstand nicht und scheint mir eher aus der Luft gegriffen zu sein. Vielen Dank im Vorraus
Dass Iran Einfluss auf Irak ausübt steht jedoch außer Frage. Den Einfluss hat er allerdings auch auf Allawi ausgeübt, der alte Mann brauch also nicht so scheinheilig nach Teheran zeigen: http://irananders.de/home...
Abgesehen davon sind die USA noch immer die Besatzungsmacht des Landes und nicht Iran.
ist natürlich nicht zu unterschätzen. Alles erklärt er aber nicht.
Es bleibt skandalös, dass die Protagonisten - völlig abgehoben von der schlimmen Lebenswirklichkeit der Bevölkerung - meinen, ihren eigenen Vorteil auf alle Fälle durchdrücken zu müssen, auch wenn das Land darüber im Chaos versinkt.
Allerdings ist mir die konkrete Austragung mit Stöcken schon sympatischer, als wenn sie ihre Anhänger aufeinander hetzen würden.
Für Ihre Anschuldigungen? Unzwar Quellen, die nicht iranischen Exil-Gruppen wie den Mojahedin e Khalk entstammen oder Exil-Iranern, die seit Jahren und Jahrzehnten weder in Iran und Irak waren? Würde mich freuen, dann könnte ich die Kaskade an Anschuldigungen, die Sie da von sich gegeben haben auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Alles was Sie da geschrieben haben stimmt nämlich laut meinem Kenntnisstand nicht und scheint mir eher aus der Luft gegriffen zu sein. Vielen Dank im Vorraus
Dass Iran Einfluss auf Irak ausübt steht jedoch außer Frage. Den Einfluss hat er allerdings auch auf Allawi ausgeübt, der alte Mann brauch also nicht so scheinheilig nach Teheran zeigen: http://irananders.de/home...
Abgesehen davon sind die USA noch immer die Besatzungsmacht des Landes und nicht Iran.
Offenbar bauen die Medien darauf, dass die Leser mit schwachem Gedächtnis ausgestattet sind. BSE oder Alzheimer haben aber durchaus nicht so um sich gegriffen, wie sie vermuten.
Vor wenigen Jahren war hier an der gleichen Stelle zu lesen, dass es doch ein politischer Anachronismus wäre, wenn im IRAK die Sunniten (Minderheit, an der Spitze allerdings der Laizist Saddam Hussein mit seiner Baath-Partei) die Mehrheit (Schiiten) in seiner Herrschaft hat und sie unterdrückt. Das war sogar ein flankierendes Aggressionsargument im Zusammenhang mit dem Kriegsbeginn.
Angesichts der aktuellen Situation: Was nun, Herr Lehrer?
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