Nahost Grundloses Triumphieren in Israel

Zwei Akteure ohne Maß: Israel feiert den Stopp der Gaza-Flotte, doch es verliert an Ansehen. Die Aktivisten spielen derweil das Lied der Hamas. Ein Kommentar

Israelische Polizisten und Aktivisten stehen sich vor der griechischen Botschaft in Tel Aviv gegenüber.

Israelische Polizisten und Aktivisten stehen sich vor der griechischen Botschaft in Tel Aviv gegenüber.

Israels Regierung und Polizei klopfen sich triumphierend gegenseitig auf die Schultern: Sie haben zwei Schlachten gegen pro-palästinensische Aktivisten gewonnen. Die Flottille der "Free-Gaza"-Bewegten konnte nicht auslaufen ; das "Willkommen-in-Palästina"-Fly-in blieb in europäischen Flughäfen stecken oder prallte auf dem israelischen Flughafen an der Polizei-Mauer ab.

Doch was das offizielle Israel als Siege feiert, sind in Wirklichkeit nur mit riesigem Aufwand verhinderte Niederlagen gegen Mini-Gegner. Denn trotz der vermeintlichen "Schlacht"-Triumphe geht der "Krieg" um Israels Ansehen und politisches Gewicht verloren. Das Land steht als stets gewaltbereiter Elefant da, der vor Mäuschen zittert und sie brutal zu zertrampeln versucht.

Anzeige

Im Hinblick auf die von den Palästinensern für September beantragte Aufnahme ihres (konkret nicht existierenden) Staates als UN-Vollmitglied zeichnet sich für Benjamin Netanyahu und seine nationalistisch ausgerichtete Regierung seit langem eine peinliche Niederlage ab. Jetzt aber könnte sich die Sache zu einem wahren Debakel ausweiten. Israel kann sich kaum mehr als "einziger demokratischer Rechtsstaat im Nahen Osten" titulieren, wenn es ältere Damen aus den USA und ganze Familien aus Europa, wenn es neben wenigen mutmaßlichen Terrorhelfern auch hunderte blauäugiger Menschenrechtler unterschiedslos abweist, verhaftet und ausweist.

Doch nicht nur Israel hat bei diesen Konfrontationen verloren, sondern verloren haben auch die pro-palästinensischen Aktivisten. Ihnen ist es nicht gelungen – oder sie wollten es gar nicht –, eine klare Trennlinie zwischen sich und fanatischen Islamisten zu ziehen. So brachten sie sich mit ihrem Engagement in Verruf, auch weil sie ihre wahren Beweggründe verschleierten. Ihnen ging es in erster Linie nicht um Hilfe für Not leidende palästinensische Zivilisten, sondern um den Kampf gegen Israel. Dies gilt insbesondere für die Organisatoren der beiden Gaza-Flottillen, die sich als Helfershelfer der islamistischen Hamas-Diktatur im Gazastreifen erwiesen.

Die Besatzungsmacht Israel hat das Recht – anders als von den Flottillen-Organisationen behauptet –, mittels Seeblockade jeden Waffenschmuggel in den Gazastreifen zu unterbinden. Das heißt, verdächtige Schiffe dürfen gestoppt und kontrolliert werden. Niemand hat die beiden Frachtschiffe der Flotille mit Hilfsgütern – Zement, Baumaterialien und medizinischen Geräte – gesehen. Doch die Begründung der Flottille-Betreiber, im Gazastreifen herrsche Notstand, wurde vom dort wirklich herrschenden Regierungschef Ismail Haniyeh gerade Lügen gestraft: "Wir haben die Boykott-Phase hinter uns gelassen. Wir können problemlos Zement, Eisen und andere Baumaterialien beschaffen. Die Lager in Gaza sind voll."

Einen besseren Beweis für diese Worte gibt es wohl nicht: Diese Woche wird in Gaza-Stadt ein weiteres Luxushotel eröffnet. Es ist so pompös ausgestattet, dass das Fotografieren dort verboten ist und die Preisliste für Suiten, Gourmettempel und Spa geheim gehalten wird.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Glaub ich nicht.

    Da ist nichts mehr zu verlieren.

    27 Leser-Empfehlungen
  2. Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sich mit konstruktiven und differenzierten Argumenten an der Diskussion zu beteiligen (siehe Netiquette). Danke. Die Redaktion/sh

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Yroc
    • 12.07.2011 um 12:38 Uhr

    Das glauben Sie doch nicht im ernst, oder? Hat ja nicht lange gedauert, bis mal wieder der Antisemitismus als Totschlagargument hervorgeholt wurde.

    Kritik an der israelischen Politik ist keinesfalls gleichzusetzen mit Antisemitismus! Konsultieren Sie bitte das Lexikon ihres Vertrauens. Oder auch den ausführlichen Wikipedia-Artikel "Antisemitismus (nach 1945)".

    • Oogie
    • 12.07.2011 um 12:45 Uhr

    nicht wirklich gschaft den Artikel zu lesen. Hier wir gegen jeden die Wahrheit gesprochgen. Auch über die Lügen der Hilfsflotte oder die Lage in Gaza wirklich.

    Gekürzt. Wir bitten Sie, auf Unterstellungen zu verzichten. Die Redaktion/sh

    Wenn der von ihnen kritisierte Artikel antisemitisch ist, wie sie behaupten, bekenne ich ihnen ganz offen, dass ich allein schon für sie, aber auch für Leute, wie Benjamnin Nethanjahu oder seinen Aussenminister Lieberman sehr gerne ein überzeugter Antisemit bin. Hören Sie auf, hier so einen Blödsinn zu verbreiten!

    • fennek
    • 12.07.2011 um 12:50 Uhr

    muss ja nicht gleich Antisemitismus sein, zumal Ihre eindimensionale Sichtweise auf "die Juden" (das meinten Sie doch) in keinster Weise der zeitgenössischen Realität in Israel entspricht. Vielleicht in der Gründungszeit.

    Tatsache aber ist, dass dieser Konvoi nur ein Ziel hatte: Die Demütigung, mindestens aber die Provokation, Israels. Es gibt -wie richtig beschrieben- längst kein Bedürfnis mehr Baumaterial und Lebensmittel nach Gaza zu schicken. Unter diesem Aspekt hat Israel meiner Ansicht nach nicht nur korrekt sondern auch richtig gehandelt.

    Bitte keine Selbstverteidigungsszenarien und -theorien für die Bevölkerung in Gaza. Die leiden selbst am meisten unter Ihrer vernebelten Machtelite. Die, die aus der Situation dort immenses Kapital schlagen, sind zahlreich, wie auch in anderen Krisenregionen. Israel ist der gemeinsame Feind, die Basis für den Machterhalt.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Argumenten an der Diskussion. Die Redaktion/sh

    Leider sagt der Artikel über beide Parteien nur einige unschöne Wahrheiten.

    Wenn sie die nicht mögen dann lesen sie sie nicht!

    • Yroc
    • 12.07.2011 um 12:38 Uhr

    Das glauben Sie doch nicht im ernst, oder? Hat ja nicht lange gedauert, bis mal wieder der Antisemitismus als Totschlagargument hervorgeholt wurde.

    Kritik an der israelischen Politik ist keinesfalls gleichzusetzen mit Antisemitismus! Konsultieren Sie bitte das Lexikon ihres Vertrauens. Oder auch den ausführlichen Wikipedia-Artikel "Antisemitismus (nach 1945)".

    • Oogie
    • 12.07.2011 um 12:45 Uhr

    nicht wirklich gschaft den Artikel zu lesen. Hier wir gegen jeden die Wahrheit gesprochgen. Auch über die Lügen der Hilfsflotte oder die Lage in Gaza wirklich.

    Gekürzt. Wir bitten Sie, auf Unterstellungen zu verzichten. Die Redaktion/sh

    Wenn der von ihnen kritisierte Artikel antisemitisch ist, wie sie behaupten, bekenne ich ihnen ganz offen, dass ich allein schon für sie, aber auch für Leute, wie Benjamnin Nethanjahu oder seinen Aussenminister Lieberman sehr gerne ein überzeugter Antisemit bin. Hören Sie auf, hier so einen Blödsinn zu verbreiten!

    • fennek
    • 12.07.2011 um 12:50 Uhr

    muss ja nicht gleich Antisemitismus sein, zumal Ihre eindimensionale Sichtweise auf "die Juden" (das meinten Sie doch) in keinster Weise der zeitgenössischen Realität in Israel entspricht. Vielleicht in der Gründungszeit.

    Tatsache aber ist, dass dieser Konvoi nur ein Ziel hatte: Die Demütigung, mindestens aber die Provokation, Israels. Es gibt -wie richtig beschrieben- längst kein Bedürfnis mehr Baumaterial und Lebensmittel nach Gaza zu schicken. Unter diesem Aspekt hat Israel meiner Ansicht nach nicht nur korrekt sondern auch richtig gehandelt.

    Bitte keine Selbstverteidigungsszenarien und -theorien für die Bevölkerung in Gaza. Die leiden selbst am meisten unter Ihrer vernebelten Machtelite. Die, die aus der Situation dort immenses Kapital schlagen, sind zahlreich, wie auch in anderen Krisenregionen. Israel ist der gemeinsame Feind, die Basis für den Machterhalt.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Argumenten an der Diskussion. Die Redaktion/sh

    Leider sagt der Artikel über beide Parteien nur einige unschöne Wahrheiten.

    Wenn sie die nicht mögen dann lesen sie sie nicht!

    • Oogie
    • 12.07.2011 um 12:37 Uhr

    http://www.youtube.com/wa...

    Und da frägt man sich wirklich immer noch wieso die Terroristen soviel an Zulauf bekommen. Mit Allah hat das nicht mehr viel zu tun. Und da gibt es noch dieses Wort: "Antisemitismus" und jeder der die Wahrheit über Israel berichtet wird sofort (wie bei Herrn @2) mit diesem Wort beleidigt. Schämt euch Menschheit ihr schaft es immer noch nicht zusammen zu leben! Ach verkricht euch doch in euere Traumwelt, in der Israel und USA die Helden und der 10 Jährige Junge mit der AK der Feind ist!

    15 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zd
    • 12.07.2011 um 12:46 Uhr

    verschonen sie und mit ihren propagandavideos. ja krieg ist scheisse. ja im krieg sterben auch unschuldige.

    ABER!!! sind es nicht die palaestinenser welche eine kriegstreiber partei "demokratisch" gewaehlt haben? (leider kann man sie nicht mehr demokratisch abwaehlen, aber das ist eine andere geschichte). war es nicht diese partei, welche 8000 raketen auf israel abfeurte. war es nicht diese partei, welche in den wochen vor dem krieg taeglich bis zu 100 raketen auf israel abschoss? war es nicht diese partei, welche trotz lauten wahrnungen israels und dem einreden von fatah und der eu nicht aufhoeren wollte die raketen abzufeuern?

    die palaestinenser haben sich fuer einen krieg entschieden. die palaestinenser haben diesen krieg gewollt! und sie haben diesen krieg verloren und jetzt weinen sie ueber die folgen?!

    • zd
    • 12.07.2011 um 12:46 Uhr

    verschonen sie und mit ihren propagandavideos. ja krieg ist scheisse. ja im krieg sterben auch unschuldige.

    ABER!!! sind es nicht die palaestinenser welche eine kriegstreiber partei "demokratisch" gewaehlt haben? (leider kann man sie nicht mehr demokratisch abwaehlen, aber das ist eine andere geschichte). war es nicht diese partei, welche 8000 raketen auf israel abfeurte. war es nicht diese partei, welche in den wochen vor dem krieg taeglich bis zu 100 raketen auf israel abschoss? war es nicht diese partei, welche trotz lauten wahrnungen israels und dem einreden von fatah und der eu nicht aufhoeren wollte die raketen abzufeuern?

    die palaestinenser haben sich fuer einen krieg entschieden. die palaestinenser haben diesen krieg gewollt! und sie haben diesen krieg verloren und jetzt weinen sie ueber die folgen?!

    • vino87
    • 12.07.2011 um 12:37 Uhr

    "[...]wenn es neben wenigen mutmaßlichen Terrorhelfern auch hunderte blauäugiger Menschenrechtler unterschiedslos abweist[...]"

    2 Leser-Empfehlungen
    • Yroc
    • 12.07.2011 um 12:38 Uhr

    Das glauben Sie doch nicht im ernst, oder? Hat ja nicht lange gedauert, bis mal wieder der Antisemitismus als Totschlagargument hervorgeholt wurde.

    14 Leser-Empfehlungen
  3. "Steter Tropfen höhlt den Stein!" lehren uns unsere Vorfahren. Eins ist gewiss, viele weitere Tropfen werden Israels Aggressionen gegen die notleidende palästinensische Zivilbevölkerung den Garaus machen.

    Zum Hotel: Beim nächsten völkerrechtswidrigen Angriff Israels auf die zivile Infrastruktur Gazas wird es weg sein. Also: Viel Lärm um nichts.

    10 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Frage ist doch, von wem hier Aggressionen ausgeht. Eine Organisation, die sich nicht aktiv von der Hamas, einer Organisation die das Existenzrecht des israelischen Staates nicht annerkennt, distanziert, versucht eine Seeblockade zu durchbrechen.
    Dies ist Provokation, und nichts als Provokation.

    Der Kampf gegen Israel, und nicht gegen die Besatzung und Annektion fremder Gebiete steht hier im Fordergrund. Es ist schade, wie der Deckmantel der humanitären Hilfe hierfür missbraucht wird.

    Und:
    Der letzte Angriff der Israelis kam nicht aus heiterem Himmel, sondern als Antwort auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Man kann sich über die Verhältnissmäßigkeit streiten, aber dies ist ein anderes Thema.
    Es wird keinen weiteren Angriff auf Gaza ohne Provokation geben.

    • zd
    • 12.07.2011 um 12:49 Uhr

    "Tropfen werden Israels Aggressionen gegen die notleidende palästinensische Zivilbevölkerung den Garaus machen."

    erstens ist die gaza bevoelkerung nicht notleidend, wie dieser beitrag bestaetigte. zweitens koennen sie weiterhoffen, israel ist realitaet.

    Die Frage ist doch, von wem hier Aggressionen ausgeht. Eine Organisation, die sich nicht aktiv von der Hamas, einer Organisation die das Existenzrecht des israelischen Staates nicht annerkennt, distanziert, versucht eine Seeblockade zu durchbrechen.
    Dies ist Provokation, und nichts als Provokation.

    Der Kampf gegen Israel, und nicht gegen die Besatzung und Annektion fremder Gebiete steht hier im Fordergrund. Es ist schade, wie der Deckmantel der humanitären Hilfe hierfür missbraucht wird.

    Und:
    Der letzte Angriff der Israelis kam nicht aus heiterem Himmel, sondern als Antwort auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Man kann sich über die Verhältnissmäßigkeit streiten, aber dies ist ein anderes Thema.
    Es wird keinen weiteren Angriff auf Gaza ohne Provokation geben.

    • zd
    • 12.07.2011 um 12:49 Uhr

    "Tropfen werden Israels Aggressionen gegen die notleidende palästinensische Zivilbevölkerung den Garaus machen."

    erstens ist die gaza bevoelkerung nicht notleidend, wie dieser beitrag bestaetigte. zweitens koennen sie weiterhoffen, israel ist realitaet.

  4. 7. [...]

    Nicht jede kritik an Israel ist automatisch Antisemitismus. Die Annahme an sich ist schon absolut abwegig. Viel eher ist es ein Schlag ins Gesicht vieler Juden, die dem Kurs dieser ultrarechten Regierung eines kleinen Staates im mittleren Osten genauso kritisch gegenüberstehen. Ob sie's glauben oder nicht, amatolias, die gibt es auch. Alles Antisemiten, gell?

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/fk.

    10 Leser-Empfehlungen
    • vino87
    • 12.07.2011 um 12:42 Uhr

    "[...]wenn es neben wenigen mutmaßlichen Terrorhelfern auch hunderte blauäugiger Menschenrechtler unterschiedslos abweist[...]"

    Das ist ja wirklich lächerlich..

    Wie wäre es wenn an erster Stelle in dem Text mal nicht das israelische Verhalten (Reaktion) sondern das der sogenannten "Menschenrechtler"(Aktion) aufgeführt wird???Das würden den wahren "Tathergang" wohl eher treffen.

    8 Leser-Empfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service