Israelische Polizisten und Aktivisten stehen sich vor der griechischen Botschaft in Tel Aviv gegenüber. © David Buimovitch/AFP/Getty Images

Israels Regierung und Polizei klopfen sich triumphierend gegenseitig auf die Schultern: Sie haben zwei Schlachten gegen pro-palästinensische Aktivisten gewonnen. Die Flottille der "Free-Gaza"-Bewegten konnte nicht auslaufen ; das "Willkommen-in-Palästina"-Fly-in blieb in europäischen Flughäfen stecken oder prallte auf dem israelischen Flughafen an der Polizei-Mauer ab.

Doch was das offizielle Israel als Siege feiert, sind in Wirklichkeit nur mit riesigem Aufwand verhinderte Niederlagen gegen Mini-Gegner. Denn trotz der vermeintlichen "Schlacht"-Triumphe geht der "Krieg" um Israels Ansehen und politisches Gewicht verloren. Das Land steht als stets gewaltbereiter Elefant da, der vor Mäuschen zittert und sie brutal zu zertrampeln versucht.

Im Hinblick auf die von den Palästinensern für September beantragte Aufnahme ihres (konkret nicht existierenden) Staates als UN-Vollmitglied zeichnet sich für Benjamin Netanyahu und seine nationalistisch ausgerichtete Regierung seit langem eine peinliche Niederlage ab. Jetzt aber könnte sich die Sache zu einem wahren Debakel ausweiten. Israel kann sich kaum mehr als "einziger demokratischer Rechtsstaat im Nahen Osten" titulieren, wenn es ältere Damen aus den USA und ganze Familien aus Europa, wenn es neben wenigen mutmaßlichen Terrorhelfern auch hunderte blauäugiger Menschenrechtler unterschiedslos abweist, verhaftet und ausweist.

Doch nicht nur Israel hat bei diesen Konfrontationen verloren, sondern verloren haben auch die pro-palästinensischen Aktivisten. Ihnen ist es nicht gelungen – oder sie wollten es gar nicht –, eine klare Trennlinie zwischen sich und fanatischen Islamisten zu ziehen. So brachten sie sich mit ihrem Engagement in Verruf, auch weil sie ihre wahren Beweggründe verschleierten. Ihnen ging es in erster Linie nicht um Hilfe für Not leidende palästinensische Zivilisten, sondern um den Kampf gegen Israel. Dies gilt insbesondere für die Organisatoren der beiden Gaza-Flottillen, die sich als Helfershelfer der islamistischen Hamas-Diktatur im Gazastreifen erwiesen.

Die Besatzungsmacht Israel hat das Recht – anders als von den Flottillen-Organisationen behauptet –, mittels Seeblockade jeden Waffenschmuggel in den Gazastreifen zu unterbinden. Das heißt, verdächtige Schiffe dürfen gestoppt und kontrolliert werden. Niemand hat die beiden Frachtschiffe der Flotille mit Hilfsgütern – Zement, Baumaterialien und medizinischen Geräte – gesehen. Doch die Begründung der Flottille-Betreiber, im Gazastreifen herrsche Notstand, wurde vom dort wirklich herrschenden Regierungschef Ismail Haniyeh gerade Lügen gestraft: "Wir haben die Boykott-Phase hinter uns gelassen. Wir können problemlos Zement, Eisen und andere Baumaterialien beschaffen. Die Lager in Gaza sind voll."

Einen besseren Beweis für diese Worte gibt es wohl nicht: Diese Woche wird in Gaza-Stadt ein weiteres Luxushotel eröffnet. Es ist so pompös ausgestattet, dass das Fotografieren dort verboten ist und die Preisliste für Suiten, Gourmettempel und Spa geheim gehalten wird.

Erschienen im Tagesspiegel