Japans gerade erst ernannter Wiederaufbauminister Ryu Matsumoto verzichtet auf sein Amt. In den vergangenen Tagen war Matsumoto, der sich um den  Wiederaufbau der Katastrophengebiete kümmern sollte, in die Kritik geraten. Er hatte am Wochenende eine vom Erdbeben und Tsunami zerstörte Region besucht. Dort hatte der Minister angekündigt, die Regierung werde den Kommunen nicht helfen, wenn diese nicht von sich aus mit guten Ideen für den Wiederaufbau aufwarteten.

Auch Ministerpräsident Kan in der Kritik

Ministerpräsident Naoto Kan bestimmte Vizeminister Tatsuo Hirano zum Nachfolger Matsumotos. Auch der erst seinem Jahr amtierende Kan steht unter wachsendem Rücktrittsdruck – seitens der Opposition wie auch im eigenen Lager. Kritiker werfen ihm Missmanagement in der Krise vor. Kan hatte kürzlich ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden, nachdem er zuvor seinen Rücktritt in Aussicht gestellt hatte. Sobald die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima unter Kontrolle sei und es Erfolge beim Wiederaufbau der Katastrophenregion gebe, sei er bereit, abzutreten.

Der Konflikt um den Wiederaufbauminister könnte das Parlament noch weiter spalten und die Einigung um einen milliardenschweren Nachtragshaushalt gefährden. Der an diesem Dienstag vom Kabinett verabschiedete Nachtragshaushalt von zwei Billionen Yen (17 Milliarden Euro) ist bereits der zweite. Der Etat-Entwurf soll dem Parlament am 15. Juli vorgelegt werden.

Matsumotos Auftritt in der Katastrophenregion war in mehrfacher Hinsicht ein Eklat: Der Minister beschimpfte auch vor laufenden Kameras den Gouverneur der Präfektur Miyagi wegen einer Verspätung und verlangte dann von den zahlreich vertretenen Journalisten, über seinen Ausbruch nicht zu berichten. Andernfalls müssten die Medienunternehmen mit negativen Folgen rechnen. Inzwischen hat sich Matsumoto vor der Presse entschuldigt.

Bei dem Beben am 11. März und dem dadurch ausgelösten Tsunami wurden etwa 26.000 Menschen getötet. Mit einem Sachschaden von schätzungsweise 200 Milliarden Euro ist es die bislang teuerste Naturkatastrophe der Welt.