Hunderttausende haben im Jemen erneut gegen die Regierung demonstriert. Im Anschluss an die Freitagsgebete forderten die Demonstranten in mehreren Städten des Landes den Rückzug aller verbliebenen Vertrauten des Staatschefs Ali Abdullah Salih. Der jemenitische Präsident hält sich nach einem Anschlag auf den Präsidentenpalast Anfang Juni zur medizinischen Behandlung in Saudi-Arabien auf. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich im Norden der Hauptstadt Sanaa bis zu 250.000 Menschen an einer Kundgebung.

"Wir wollen den Rückzug des verbleibenden Regimes und die Einsetzung eines Übergangsrats", forderte ein Sprecher der Oppositionsgruppe "Revolutionäre Jugend". Die Großkundgebung wurde von Soldaten des desertierten Generals Ali Mohsen al-Ahmar geschützt.

Im Süden von Sanaa versammelten sich dagegen Zehntausende Anhänger Salihs und sicherten ihm ihre Treue zu. Sie trugen Plakate des Staatschefs und bekannten sich zu dessen Vertrauten. Die Eliteeinheiten des jemenitischen Militärs werden weiterhin von Salihs Sohn Ahmed und weiteren Verwandten des Präsidenten befehligt.

Seit Ende Januar kommt es immer wieder zu Massenprotesten gegen das Regime Salihs, der seit 33 Jahren im Jemen an der Macht ist. Weitere Protestmärsche von Regierungsgegnern fanden in der nordjemenitischen Stadt Saada und in der Provinz Hadramut im Südosten des Landes statt.

Rund um die südliche Stadt Sindschibar blieb die Situation angespannt. Wenige Kilometer von der Stadt entfernt hätten sich Soldaten mit mutmaßlichen Kämpfern des Terrornetzwerks al-Qaida Schusswechsel geliefert, hieß es in Militärkreisen.

Sindschibar ist seit Ende Mai in der Hand mutmaßlicher al-Qaida-Kämpfer. Die Soldaten verteidigen nach Armeeangaben ein nahegelegenes Stadion gegen al-Qaida. Die Aufständischen schossen demnach auf Hubschrauber der Armee, die Verstärkung in die Region bringen sollten.