Importstreit Kosovo-Serben setzen Grenzübergang in Brand
Dutzende Maskierte haben den Grenzposten Jarinje angegriffen, auch KFor-Truppen wurden beschossen. Die Schutztruppe hat wieder die Kontrolle, doch die Lage bleibt heikel.
© Stringer/Reuters

Ein kosovarischer Polizist schaut auf den brennenden Grenzposten Jarinje.
Angehörige der serbischen Minderheit haben im Norden Kosovos den umkämpften Grenzübergang Jarinje zur Nachbarrepublik Serbien in Brand gesteckt. Der staatliche serbische Fernsehsender RTS zeigte Bilder, auf denen etwa 50 maskierte Angreifer Molotowcocktails warfen und den Grenzposten zerstörten. Ein Zeuge sagte, etwa 25 Zollbeamte und Polizisten hätten Zuflucht auf der serbischen Seite der Grenze gesucht. Darunter seien auch Vertreter der europäischen Polizeimission Eulex gewesen.
Auch ein Posten der internationalen Schutztruppe KFor, der sich neben dem Grenzposten befindet, wurde angegriffen. Die KFor bestätigte, auf ihre Soldaten sei geschossen worden, Verletzte gab es einem Eulex-Sprecher zufolge nicht. Die Truppe verlegte starke Einheiten in die Nähe des Grenzübergangs, um eine Ausweitung der Gewalt zu verhindern. Die Lage sei unter Kontrolle, sagte der Oberbefehlshaber der KFor, der deutsche General Erhard Bühler. US-Einheiten schützten den Bereich um den abgebrannten Grenzübergang, deutsche Verbände seien in den übrigen Teilen Nordkosovos stationiert worden.
Hintergrund der seit Tagen andauernden Auseinandersetzung ist, dass Serbien die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz Kosovo nicht anerkennt und deswegen den Import von Waren aus dem Land verweigert. Die Kosovo-Regierung hatte daraufhin vor wenigen Tagen ihrerseits ein Importverbot für serbische Waren verhängt.
Die nördliche Provinz Kosovos wird allerdings überwiegend von einer serbischen Minderheit bewohnt, die sich weigerte, dieses Importverbot durchzusetzen. Daraufhin ließ die Kosovo-Regierung in Prishtinë die beiden Grenzübergänge Brnjak und Jarinje im Norden des Landes von kosovarischen Sonderpolizisten besetzen. Die Übergänge waren bis dahin von der Eulex kontrolliert worden. Zudem waren dort kosovarische Polizisten serbischer Abstammung stationiert, die aber außerhalb des Einflussbereichs der Regierung in Prishtinë agierten.
Als Antwort auf die Übernahme der Grenzübergänge durch kosovarische Sonderpolizisten blockierten Angehörige der serbischen Minderheit zwei Transitstraßen, sodass der Verkehr von und nach Serbien unterbrochen wurde.
Tadić ruft zum Gewaltverzicht auf
Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci beschuldigte die serbische Regierung, hinter den gewaltsamen Ausschreitungen am Grenzübergang Jarinje zu stehen. "Die Gewalttaten sind bestellt, geplant und geleitet von den höchsten Ebenen der serbischen Regierung", sagte Thaci. Es werde "keine Kompromisse geben".
Der serbische Staatspräsident Boris Tadić hingegen appellierte an seine Landsleute im Kosovo, ihre Angriffe einzustellen. Die Gewalt schade den Interessen Serbiens. Serbien hofft, bis zum Jahresende den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu erhalten. Voraussetzung ist ein entspanntes Verhältnis zur früheren serbischen Provinz Kosovo, die sich vor drei Jahren für unabhängig erklärt hatte.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton rief Politiker in Belgrad und Pristinë zu einer raschen Lösung des Konflikts auf. "Gewalt wird niemals toleriert und einseitige Aktionen sind nicht der richtige Weg", sagte Ashton und sprach von "inakzeptablen" Entwicklungen.
Der UN-Sicherheitsrat wird sich auf Antrag Serbiens mit der Lage im Kosovo beschäftigen. Die serbische Regierung will erreichen, dass die ihrer Ansicht nach gewaltsame Übernahme der beiden Grenzübergänge durch die Kosovo-Regierung verurteilt wird.
- Datum 28.07.2011 - 08:28 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
- Kommentare 63
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Sie sind sich schon darüber im Klaren, dass Sie mit dem ausgewähltem Bild gegen Gesetze verstossen haben, oder?
...das Kleingedruckte auf dem blauen Schild nicht gelesen.
Vielen Dank für Ihren fürsorglichen Hinweis. Soweit Sie sich auf das Schild "Fotografieren verboten" beziehen, müssen wir jedoch anmerken, dass sich das Verbot auf das Fotografieren im Bereich hinter dem Schild bezieht.
i.A. der Bildredaktion
Norbert Bayer
...das Kleingedruckte auf dem blauen Schild nicht gelesen.
Vielen Dank für Ihren fürsorglichen Hinweis. Soweit Sie sich auf das Schild "Fotografieren verboten" beziehen, müssen wir jedoch anmerken, dass sich das Verbot auf das Fotografieren im Bereich hinter dem Schild bezieht.
i.A. der Bildredaktion
Norbert Bayer
ein eigenständiger Staat ist - Vorher sollte die EU auch nicht über eine Aufnahme Serbiens in die Gemeinschaft nachdenken. Es reicht eben nicht wenn man ein par Kriegsverbrecher nach Den Haag schickt. Da muß sich in den Köpfen noch einiges ändern.
Nationalisten auf beiden Seiten werden den Konflikt für ihre eigenen Interessen weiter schüren. Daran wird auch die Schutztruppe nichts ändern. Es braucht mehrere Generationen um überhaupt an ein friedliches Zusammenleben zu denken.
Wir reden über zwei Gruppen von Nationalisten, nicht vom Serbischen- oder dem Albanisch Stämmigen Volk im Kosovo.
Genau wie in Bosnien werden die Konflikte von Gruppen krimineller Nationalisten geschürt. Diese Konflikte zu lösen, da braucht es Generationen und eine lange Unterstützung, nicht "Einmischung" durch die Europäischen Nachbarn.
Wir reden über zwei Gruppen von Nationalisten, nicht vom Serbischen- oder dem Albanisch Stämmigen Volk im Kosovo.
Genau wie in Bosnien werden die Konflikte von Gruppen krimineller Nationalisten geschürt. Diese Konflikte zu lösen, da braucht es Generationen und eine lange Unterstützung, nicht "Einmischung" durch die Europäischen Nachbarn.
muss sofort in die Transferunion aufgenommen werden, dann gibt es auch keine Grenazstationen die überfallen werden können!
Ironie Ende - aber das zeigt mir deutlich was dabei herauskommt wenn , wie von Brüssel angestrebt, alle Menschen innerhalb Europas gleichgeschaltet werden sollen! Lasst uns Europaeren unsere Nationale Identitaet, unsere Selbstbestimmung, unser eigenes Geld!
Aber genau diese "nationale Identität", von der Sie schreiben, ist doch die tiefere Ursache und nicht die Lösung solcher Konflikte.
Es gibt nun mal eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, die keine klare oder keine ihrer Staatsbürgerschaft entsprechende nationale Identität haben. Und dann gibt es noch ganze Staaten, die gar keiner Nationalität zuzuordnen sind, z.B. Belgien.
Der Versuch, Jugoslawien nach nationalen Identitäten aufzuteilen, musste scheitern. Wenn man das tatsächlich anstrebte, müsste akzeptiert werden, dass wie in der Republika Srpska in Bosnien Fakten durch ethnische Säuberungen geschaffen werden - andernfalls lässt sich in einem Staat wie Bosnien selbst mit Schlangenlinien (siehe die Grenze zwischen den Entitäten) keine "saubere" Grenzziehung erreichen. Macht das im Europa des 21. Jahrhunderts in einer sowieso immer stärker vernetzten und globalisierten Welt tatsächlich noch Sinn?
Aber genau diese "nationale Identität", von der Sie schreiben, ist doch die tiefere Ursache und nicht die Lösung solcher Konflikte.
Es gibt nun mal eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, die keine klare oder keine ihrer Staatsbürgerschaft entsprechende nationale Identität haben. Und dann gibt es noch ganze Staaten, die gar keiner Nationalität zuzuordnen sind, z.B. Belgien.
Der Versuch, Jugoslawien nach nationalen Identitäten aufzuteilen, musste scheitern. Wenn man das tatsächlich anstrebte, müsste akzeptiert werden, dass wie in der Republika Srpska in Bosnien Fakten durch ethnische Säuberungen geschaffen werden - andernfalls lässt sich in einem Staat wie Bosnien selbst mit Schlangenlinien (siehe die Grenze zwischen den Entitäten) keine "saubere" Grenzziehung erreichen. Macht das im Europa des 21. Jahrhunderts in einer sowieso immer stärker vernetzten und globalisierten Welt tatsächlich noch Sinn?
"Der UN-Sicherheitsrat wird sich auf Antrag Serbiens mit der Lage im Kosovo beschäftigen. Die serbische Regierung will erreichen, dass die gewaltsame Übernahme der beiden Grenzübergänge durch die Kosovo-Regierung verurteilt wird." Der letzte Satz kann unterschiedlich dahingehend verstanden werden, wer der Akteur der gewaltsamen Handlungen ist. Das finde ich sehr unglücklich hinsichtlich der ohnehin komlexen Konflikte und der bestehenden Kritik an der Berichterstattung zu den Kriegen in den 90ern. Ist der Einsatz kosovarischer Sonderpolizisten als gewaltsame Besetzung, ausgeführt von der kosovarischen Regierung, bezeichnet worden? Oder soll die kosovarische Regierung die gewaltsame Übernahme von Seiten der Angehörigen der serbischen Minderheit verurteilen? Ziemlicher Unterschied.
Zudem legt die Wortwahl nahe, dass Serbe zu sein und Kosovar zu sein sich gegenseitig ausschließen. Ist das so oder entspricht das der Logik, die der Krieg geschaffen hat? Zudem ist es unglücklich, "abgefallen" als Beschreibung zu wählen. Es war erstens kein passiver Prozess und zweitens hat "Abfallen" den pejorativen Beigeschmack der Illoyalität. Das mögen manche so sehen, doch wenn es ein Bericht sein soll, ist das zu wertend.
Die Schreibweise des Artikels ist selbst konfliktträchtig. Ich erwarte etwas anderes von einem Artikel über den Kosovo in der Zeit.
ist vollkommen berechtigt. Aber solche Berichte sind definitiv nichts neues. Deshalb überrascht Ihre Erwartung, als stünde dahinter eine konkrete Erfahrung mit etwas besserem.
Sie verlangen saubere Recherche und Präsentation der Nachrichten im Kontext, auch gegenseitigem. Das setzt aber eine journallistische Arbeit voraus, die es zumindest bei außenpolitischen Themen - mit Verlaub - so schon lange nicht gegeben hat. Zumal die Frage erlaubt sei, ob es so etwas hins. Balkan je (sic!) gegeben hat?
Meine Antwort: nein, weder in der ZEIT, noch der SZ, und schon gar nicht bei jenem selbsternannten "Deutschlands Aufklärungsmedium Nr.1" aus Hamburg, von der FAZ ganz zu schweigen.
Um es konkreter zu machen:
Belgrad hat neulich die Durchreise für Kosovo-Bürger mit kosovarischen Pässen erlaubt, was einzig und alleine den Kosovaren (egal welcher Nationalität) zugute kommt. Es war ein Zeichen Guten Willens. Kurz davor wurde auch der letzte aus Den Haag Gesuchte ausgeliefert. Damit wurde der Annäherungsprozess an die EU einen guten Schritt voran gebracht. Dass Pristina ausgerechnet jetzt entgegen allen Abkommen (sic!) Truppen an die nördliche Grenze schickt (verwaltet durch KFOR/EU) war für die hiesige Presse an und für sich kein Thema; wer den Berichten zufolge dort provozieren tut, wird auch hier klar. also nichts neues, und schon gar nicht dem Geschehen Gerechtes. Wenn nun ein paar Vermummte (!) da was abfackeln, dann ist erreicht worden, was erreicht werden sollte.
Danke für die Hinweise. Ich denke nun ist klarer, was wir meinen: "Die serbische Regierung will erreichen, dass die ihrer Ansicht nach gewaltsame Übernahme der beiden Grenzübergänge durch die Kosovo-Regierung verurteilt wird." Ihre Kritik am vermeintlich wertenden Begriff "abfallen" teile ich nicht. Ich habe ihn trotzdem ersetzt, denn ich finde das Wort schlicht hässlich und unnötig.
Grüße, Markus Horeld
Serbe und gleichzeitig Kosovare schließen sich definitiv aus.Das können Sie sogar jeden Serben fragen.Als Kosovaren wurden in Jugoslawien nur die Albaner aus dem Kosovo bezeichnet.Das hat sich bis heute auch nicht geändert.
Genauso verhält es sich mit den Bosniaken.Es gibt Serben aus Bosnien,aber diese werden nie als Bosniaken (Bosanac/Bosnjak) bezeichnet.
Die Serben haben ja nicht umsonst Ihre eigene "Republika Srpska" ausgerufen.
ist vollkommen berechtigt. Aber solche Berichte sind definitiv nichts neues. Deshalb überrascht Ihre Erwartung, als stünde dahinter eine konkrete Erfahrung mit etwas besserem.
Sie verlangen saubere Recherche und Präsentation der Nachrichten im Kontext, auch gegenseitigem. Das setzt aber eine journallistische Arbeit voraus, die es zumindest bei außenpolitischen Themen - mit Verlaub - so schon lange nicht gegeben hat. Zumal die Frage erlaubt sei, ob es so etwas hins. Balkan je (sic!) gegeben hat?
Meine Antwort: nein, weder in der ZEIT, noch der SZ, und schon gar nicht bei jenem selbsternannten "Deutschlands Aufklärungsmedium Nr.1" aus Hamburg, von der FAZ ganz zu schweigen.
Um es konkreter zu machen:
Belgrad hat neulich die Durchreise für Kosovo-Bürger mit kosovarischen Pässen erlaubt, was einzig und alleine den Kosovaren (egal welcher Nationalität) zugute kommt. Es war ein Zeichen Guten Willens. Kurz davor wurde auch der letzte aus Den Haag Gesuchte ausgeliefert. Damit wurde der Annäherungsprozess an die EU einen guten Schritt voran gebracht. Dass Pristina ausgerechnet jetzt entgegen allen Abkommen (sic!) Truppen an die nördliche Grenze schickt (verwaltet durch KFOR/EU) war für die hiesige Presse an und für sich kein Thema; wer den Berichten zufolge dort provozieren tut, wird auch hier klar. also nichts neues, und schon gar nicht dem Geschehen Gerechtes. Wenn nun ein paar Vermummte (!) da was abfackeln, dann ist erreicht worden, was erreicht werden sollte.
Danke für die Hinweise. Ich denke nun ist klarer, was wir meinen: "Die serbische Regierung will erreichen, dass die ihrer Ansicht nach gewaltsame Übernahme der beiden Grenzübergänge durch die Kosovo-Regierung verurteilt wird." Ihre Kritik am vermeintlich wertenden Begriff "abfallen" teile ich nicht. Ich habe ihn trotzdem ersetzt, denn ich finde das Wort schlicht hässlich und unnötig.
Grüße, Markus Horeld
Serbe und gleichzeitig Kosovare schließen sich definitiv aus.Das können Sie sogar jeden Serben fragen.Als Kosovaren wurden in Jugoslawien nur die Albaner aus dem Kosovo bezeichnet.Das hat sich bis heute auch nicht geändert.
Genauso verhält es sich mit den Bosniaken.Es gibt Serben aus Bosnien,aber diese werden nie als Bosniaken (Bosanac/Bosnjak) bezeichnet.
Die Serben haben ja nicht umsonst Ihre eigene "Republika Srpska" ausgerufen.
Es ist schon klar was man normalerweise tut, wenn die Rebellen rebellieren und die Zivilisten von Sicherheitskräften bedroht werden.
Wir reden über zwei Gruppen von Nationalisten, nicht vom Serbischen- oder dem Albanisch Stämmigen Volk im Kosovo.
Genau wie in Bosnien werden die Konflikte von Gruppen krimineller Nationalisten geschürt. Diese Konflikte zu lösen, da braucht es Generationen und eine lange Unterstützung, nicht "Einmischung" durch die Europäischen Nachbarn.
Bitte diskutieren Sie das Artikelthema und verzichten Sie auf haltlose Spekulationen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/fk.
Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.
Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.
das war vielleicht der Traum von Tito. Die Realität sieht jedoch anders aus! Man kann ein Land nicht zusammenwürfeln (lassen), schon gar nicht von Siegermächten. Das funktioniert, wie man schon oftmals gesehen hat, nicht sehr lange und vor alledem nicht gut. Man kann Völker nicht zwingen sich zusammenzuschliessen - und wenn man das dann auch noch mit einer zentralistischen Regierung umzusetzen versucht ist der Zusammenbruch schon vorprogrammiert.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren