Unabhängigkeit Südsudan nicht allein lassen!

Samstag wird der Südsudan unabhängig. Die internationale Gemeinschaft darf deswegen nicht ihre Hilfen einschränken – im Gegenteil. Ein Gastbeitrag

Die Entstehung eines neuen Staates sollte Anlass zur Freude sein. Am 9. Juli wird der Südsudan seine Unabhängigkeit erlangen. Doch für den Großteil der südsudanesischen Bevölkerung wird das Leben nach diesem Ereignis so schwierig bleiben wie davor. Gleichzeitig geben die gewaltsamen Auseinandersetzungen an der neuen Grenze zwischen Süd und Nord, genauso wie die anhaltende schlechte Lage in anderen Teilen des Sudans, Grund zu großer Besorgnis.

John Holmes

war von 2007 bis 2010 Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für Humanitäre Angelegenheiten.

Während meiner Jahre als Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten habe ich den Sudan oft besucht. Damals und heute war und ist Darfur der Landstrich in der Welt mit der größten humanitären Katastrophe. Der tödliche Konflikt geht seit Jahren mit unverminderter Härte weiter. Im Süden Sudans konnte 2005 ein Friedensabkommen offiziell den langen und blutigen Bürgerkrieg beenden, doch auch heute sind hier noch Zehntausende von Zivilisten von immer wieder aufflammenden, gewalttätigen Auseinandersetzungen betroffen. Dazu kommen Naturkatastrophen wie Dürre und Überschwemmungen, deren Auswirkungen das Land an den Rand einer Katastrophe bringen.

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Obwohl die Südsudanesen weiterhin auf die positiven Effekte der Unabhängigkeit hoffen, stimmen andere Ereignisse leider bedenklich. Die Eroberung der umstrittenen Grenzregion Abiyei durch die nordsudanesische Armee im Mai diesen Jahres und die schweren Gefechte in Südkordofan zwischen der Armee und lokalen Milizen, die eine Zukunft für sich im neuen Nordsudan ablehnen, haben laut UN gut 186.000 Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht. Berichte aus Südkordofan erinnern nur zu gut an frühere Gräueltaten: Zivilisten wurden durch Bombardierungen aus der Luft getötet oder nach ethnischen Gesichtspunkten ausgewählt, aus ihren Häusern geschleift und hingerichtet.

Strittige Fragen, wie etwa die nach der Grenzziehung oder der Aufteilung der Gewinne aus der Ölförderung, wurden bis heute nicht beantwortet. Das Wenige an Vertrauen, was in den Friedensjahren zwischen den Bürgerkriegsparteien Nord und Süd entstanden war, hat sich schnell verflüchtigt.

Inzwischen konnten Waffenstillstände ausgehandelt werden und der UN-Sicherheitsrat hat eine eigene Friedenstruppe für die Region Abiyei genehmigt. Der humanitäre Zugang zu dem Gebiet ist aber den Helfern noch immer fast vollständig verwehrt. Tausende Männer, Frauen und Kinder, die um ihr Leben geflohen sind, stehen jetzt vor der Wahl, in ein noch nicht befriedetes Kriegsgebiet zurückzukehren oder die Regenzeit in behelfsmäßigen Auffanglagern auszuharren. Hier wie dort drohen ihnen Seuchen sowie Wasser- und Lebensmittelknappheit.

Die Auseinandersetzungen entlang der Nord-Süd-Grenze hat die beiden Teile des Sudans näher an einen Krieg herangeführt als jemals zuvor während meiner Amtszeit 2007 bis 2010. Die Auswirkungen eines Krieges aber wären unvorstellbar. Der zwanzigjährige Bürgerkrieg im Sudan zwischen Nord und Süd hat bereits mehr als zwei Millionen Menschenleben gekostet. Die Afrikanische Union, die Vereinten Nationen und die Garantiemächte des sudanesischen Friedensabkommens (darunter auch die EU) haben alle zu viel investiert, um jetzt einem Rückfall in die Gewalt tatenlos zuzusehen.

Leser-Kommentare
  1. Schade, dass der Autor nicht darauf eingeht, warum er die Trennung von Süd- und Restsudan und damit von verschiedenen Bevölkerungsgruppen für richtig hält. Die Meinung könnte einen Kontrapunkt setzen zu der fortwährenden Vereinigungs- und Integrationspredikt hier in Europa.
    Das nicht alles zusammen unter einen Hut passt und es besser sein kann, getrennte Wege zu gehen, wäre für Europa inzwischen ein fortschrittlicher Gedanke. Solche Ansätze sollten nicht mit einem Denkverbot belegt werden.

  2. Da der Südsudan schlecht entwickelt und arm ist, wird es mit der Unterstützung durch Europa nicht weit her sein.

    Es gilt immer mehr der Grundsatz
    "we are only in it for the money!"

    Das Massaker in Dafour durch den Nord-Sudan wurde auch nicht wirklich verurteilt oder sanktioniert. Und der mit Haftbefehl gesuchte PM der Nordsudan kann gemütlich in der Welt herum fliegen und wird mit politischen Ehren wie letztlich in China empfangen! Wo bleibt da die Globalisierung der Gerechtigkeit?

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  3. Lasse ich die letzten Meldungen zum Sudan vor meinem geistigen Auge Revue passieren, so handelten die wesentlich von bitterster Armut, Hungersnöten, Flüchtlingsdramen, Teilung des Landes, Bürgerkrieg, ...
    Und da stehen sie nun (Foto)Soldatinnen in schmucken Uniformen. Hunger, Elend, Dürre - aber Paradeuniformen. Irre, oder?

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  4. Die Entstehung eines neuen Staates sollte Anlass zur Freude sein.
    Warum sollte das so sein? Weiul dokumentiert wird, dass es nicht gelungen ist verschiedene Gruppen / Stämme / Ethnien friedlich zusammenleben zu lassen?
    Weil jetzt ein Staat entstanden ist, der auf Sicht nicht wirtschaftlich lebensfähig ist?
    Weil in einem neuen Staat, neue Eliten neu geschaffene Pfründe (sicher: nur fett im Vergleich mit dem sonstigen Einkommen im Lande) erhalten?
    Noch nicht einmal das Ende des Konflickts Nord vs. Süd ist sicher. Künftig gibt es dann eben Krieg statt Bürgerkrieg, oder gar beides.
    Warum also Freude?

  5. ... geht, wie den zwischen dem arabisch-muslimisch geprägten Nordsudan und dem schwarzafrikanisch-christlich-animistisch geprägten Südsudan, mit seinen Jahrzehnten der kriegerischen Gewalt und seinen Millionen von Opfern.

    Leider berichten die Medien hierzulande nur selten bis gar nicht über diesen gewaltigen und auch für uns in seinen Auswirkungen bedrohlichen Konflikt, während ein vergleichsweise kleiner Konflikt von niederer Intensität im Nahen Osten seit Jahrzehnten weit über 60 Prozent der hiesigen Auslandsberichterstattung einnimmt.

    Die mit Abstand opferreichsten und in ihren überregionalen Auswirkungen gefährlichsten und sich bereits über Jahrzehnte hinziehenden bewaffneten Konflikte finden auf dem afrikanischen Kontinent statt, wo Demokratie und menschenwürdige Existenz für die große Mehrzahl der dort lebenden Menschen leider noch immer Fremdwörter sind.

    Wenn wir Deutschen/Europäer nicht in angemessener Weise unseren Beitrag zur Befriedung und Entwicklung in Afrika leisten, dann werden die Konflikte sich dort ausweiten, und statt dringend benötigter Rohstoffe werden dann große Flüchtlingsströme an unseren Außengrenzen auflaufen.

    Falls es hier kaum Empathie für die Menschen Afrikas gibt, sollte doch wenigstens unser Verstand registrieren, dass ein stabileres u. demokratischeres Afrika auch und gerade für uns Europäer von größter Bedeutung ist.

    Ich würde mir sehr wünschen, hier deutlich mehr Artikel zu afrikanischen Themen zu lesen.

    Denn es sind auch unsere Themen.

  6. wenn im eigenen Haus kaum etwas in Ordnung ist !

  7. Und auf welchen Annahmen resultiert diese Prognose?

    Antwort auf

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