Der Südsudan hat offiziell seine Unabhängigkeit erklärt. Parlamentspräsident James Wani Igga verlas bei einem Festakt in der Hauptstadt Juba die Unabhängigkeitserklärung: "Wir, die demokratisch gewählten Vertreter des Volkes erklären den Südsudan auf der Grundlage des Willens der Bevölkerung und des Ausgangs des Referendums zur Unabhängigkeit hiermit zu einer unabhängigen und souveränen Nation."

Unter dem Jubel Tausender Menschen wurde danach die sudanesische Fahne eingeholt und die Flagge des Südsudans gehisst. Anschließend unterzeichnete der neue Präsident Salva Kiir die Übergangsverfassung.

An der Unabhängigkeitsfeier nahm – neben Staatsoberhäuptern und Würdenträgern aus aller Welt – auch der sudanesische Präsident Omar al-Baschir teil, der wegen Kriegsverbrechen in Darfur mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Der Nordsudan hatte die Unabhängigkeit des Südens am Freitag offiziell erst im letzten Moment anerkannt. Auch Deutschland hat sofort diplomatische Beziehungen zum Südsudan aufgenommen.

Im ganzen Südsudan herrschte Feierstimmung. Seit den frühen Morgenstunden zogen Tausende Menschen trommelnd und singend durch die Straßen Jubas und schwenkten ihre vielfarbige Flagge. Überall wurden christliche und muslimische Gebete gesprochen und Lieder angestimmt.

Merkel fordert Unterstützung aller Staaten für die neue Republik

Nach der Unabhängigkeitserklärung haben zahlreiche Staaten die neue Republik Südsudan bereits offiziell anerkannt, darunter Deutschland, Frankreich und die USA. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Land ihre Unterstützung zu. Im Weltsicherheitsrat werde das Thema Sudan ganz oben auf der Tagesordnung stehen. "Wir wollen, dass mit dem Nord- und mit dem Südsudan zwei stabile Staaten entstehen. Und der Südsudan braucht insbesondere unsere und die Unterstützung der gesamten Staatengemeinschaft." 

Außenminister Guido Westerwelle rief die neue Regierung in Juba auf, so schnell wie möglich ein stabiles und funktionstüchtiges Staatswesen aufzubauen. "Mit der Geburt ihres neuen Staates verbinden die Menschen in Südsudan hohe Erwartungen. Sie wünschen sich Freiheit, Frieden und Entwicklung. Diese Erwartungen dürfen nicht enttäuscht werden", sagte Westerwelle. "Wir werden die Republik Südsudan dabei nach Kräften unterstützen." Westerwelle leitet am kommenden Mittwoch die Sitzung des Weltsicherheitsrates in New York, in der über die Aufnahme des Südsudan als Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen beraten wird.

US-Präsident Barack Obama begrüßte die "Geburt einer neuen Nation". Die Unabhängigkeit zeige erneut, dass ein neuer Anfang nach Kriegen möglich sei. Anders als von der Regierung in Karthum erhofft, kündigte Obama aber kein unmittelbares Ende der US-Sanktionen gegen den Sudan an. In den USA gilt seit 1997 ein Handelsembargo gegen das Land, da die Regierung in Washington vermutet, dass es Terroristen unterstützt.

Die Welthungerhilfe warnte indes vor der Gefahr eines Bürgerkriegs im Südsudan. "Anzunehmen, dass die Trennung des Sudans ohne Konflikte abläuft, wäre höchst leichtfertig", sagte Präsidentin Bärbel Dieckmann. Die Lage im Südsudan sei sehr angespannt. "Unsere Mitarbeiter berichten von abgemagerten Menschen, die zum Teil schon Saatgut essen." Das werde zu Ausfällen bei der nächsten Ernte führen. Schätzungsweise 40 Prozent der Kinder im Südsudan seien unterernährt.

Der christlich geprägte Südsudan wurde mit seiner Loslösung vom vorwiegend muslimischen Norden zum 54. Staat Afrikas. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg hatten sich im Januar fast 99 Prozent der Südsudanesen für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Unter dem 2005 beendeten Bürgerkrieg hatte vor allem der Süden schwer gelitten. Rund zwei Millionen Menschen kamen ums Leben, etwa vier Millionen mussten fliehen. Ungeklärt und umstritten zwischen Nord und Süd sind weiterhin der genaue Grenzverlauf und die Verteilung der Öleinkünfte.