Nachdem die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft wurde, betont Präsident Barack Obama die Bedeutung des Schuldenabkommens. Es sei ein "wichtiger Schritt in die richtige Richtung" gewesen, teilte das Weiße Haus mit. Zugleich räumte Obama aber ein, der wochenlange politische Streit habe "zu lange gedauert und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet". Obama rief zu mehr Einigkeit in der Sparpolitik auf. Es war die erste Stellungnahme der Regierung, nachdem die Bonität herabgestuft wurde.

Erstmals in der Geschichte der USA hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's den Vereinigten Staaten die Bestnote "AAA" entzogen und die Bonität auf "AA+" abgestuft. Die Agentur begründete dies ausdrücklich mit dem jüngsten Schuldenabkommen. Erst nach wochenlanger Debatte hatten Demokraten und Republikaner sich auf einen Kompromiss in der Schuldenfrage geeinigt. Er sieht vor, dass das Schuldenlimit von derzeit 14,3 Billionen Dollar um insgesamt bis zu 2,4 Billionen Dollar erhöht wird. Dies soll mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar einhergehen.

Laut Standard & Poor's reichen die vereinbarten Einsparungen nicht aus, um den Finanzhaushalt zu konsolidieren. Zugleich kritisierte S&P, der langfristige Ausblick sei negativ. Sollten die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf "AA" herabstufen". Die beiden anderen großen US-Rating-Agenturen Moody's und Fitch halten indes an der Bestnote fest.

Eine hohe Einstufung der Zahlungsfähigkeit ist für Staaten bei der Aufnahme neuer Schulden wichtig. Je höher ihre Bonität eingeschätzt wird, desto geringere Zinsen müssen sie für die Ausgabe von Staatsanleihen an den Kapitalmärkten zahlen.

Unklar ist, wie die Finanzmärkte am Montag auf die Herabstufung durch Standard & Poor's reagieren. Der Schritt löste weltweit Sorge aus, da die ohnehin flaue US-Konjunktur weiter Schaden nehmen könnte. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch weitere Zinserhöhungen.

Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Tom Mayer, rechnet nach der Herabstufung der Bonitätsnote der USA mit weiteren Kurseinbrüchen an den Börsen. "Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte", sagte Mayer im Gespräch mit Bild am Sonntag. Er rechne aber nicht mit einem weltweiten Börsencrash, sagte Mayer.

Ungewöhnlich scharfe Kritik kam aus China. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb: "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen." Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht zu verlangen, "dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen".

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch vier führende Industrienationen mit der Bestnote der Agentur: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada.