Der inhaftierte ägyptische Blogger Maikel Nabil Sanad hat am Dienstag in einem Kairoer Gefängnis einen Hungerstreik begonnen . Der 26-Jährige war im April von einem Militärtribunal zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in seinem Internetblog das Militär für wahllose Verhaftungen und Folter von Demonstranten nach dem Sturz Mubaraks kritisiert hatte. Seine Verurteilung ist ein schwerwiegender Angriff auf die Meinungsfreiheit in Ägypten und konterkariert die Ankündigungen des herrschenden Militärrats, das Land in die Demokratie zu führen.

Obwohl Maikel Nabil offiziell keine Journalisten empfangen darf, war es dem ZEITmagazin gelungen , ihn im Gefängnis zu interviewen. "Ich bereue nichts", hatte der in Ägypten bekannte Blogger und Kriegsdienstverweigerer beim Besuch im Juli noch gesagt. Er wirkte zuversichtlich, dass er das Gefängnis bald verlassen könne, gegen das überaus harte Urteil hatte er Ende Juni Berufung eingelegt, bislang ohne Ergebnis. Jetzt wächst offenbar seine Verzweiflung.

Nabil ist bei Weitem nicht der Einzige, der das Militär kritisiert. Aber er ist der einzige Blogger, der dafür inhaftiert bleibt. Gegen andere wie etwa die Aktivistin Asmaa Mahfouz, die Mitte August wegen des Aufrufs zur Gewalt gegen das Militär festgenommen worden war, wurden alle Vorwürfe fallen gelassen. Um gegen seine fortgesetzte, unrechtmäßige Verhaftung zu protestieren, hat Nabil sich entschieden, einen Hungerstreik zu beginnen – seine letzte Waffe.

Den Hungerstreik hatte er seinem Bruder und einer Freundin bei deren letzten Besuch am 16. August angekündigt, sie informierten die ZEIT davon. Familie und Freunde machen sich große Sorgen um Nabils Gesundheit, er ist herzkrank und muss Medikamente einnehmen. Nabil will den Hungerstreik erst dann abbrechen, wenn das Militär seiner Freilassung zustimmt.

Seit Dienstagmorgen verweigert er Essen, in einem nächsten Schritt will er auch das Trinken verweigern und letztlich auch seine Medikamente. "Wir haben versucht, ihn von dem Hungerstreik abzubringen. Aber am Ende ist es seine Entscheidung", sagt seine beste Freundin Sahar El-Essawy, "jetzt können wir nichts tun als zu hoffen, dass alles gut ausgeht."

Maikel Nabil sei maßlos enttäuscht, dass die Militärrichter auf seine vor zwei Monaten eingelegte Berufung bislang überhaupt nicht eingegangen sind, sagt El-Essawy.