Elend, Gewalt, Korruption, wirtschaftliche Rückständigkeit, schlechte Regierungsführung: Nicht erst die aktuelle Hungersnot in Ostafrika prägt unser Bild von Afrika. Doch dies ist ein verzerrter Eindruck unseres Nachbarkontinents, denn es sieht so aus, als wenn eine wachsende Zahl Staaten die Teufelskreisläufe ihrer Armut überwinden kann. In den letzten Jahren hat eine Gruppe von gut fünfzehn Ländern Subsahara-Afrikas bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Eine kürzlich erschienene McKinsey-Studie spricht gar von den African Lions on the Move.

Länder wie Botswana, Äthiopien, Mali, Mauritius, Mosambik, Ruanda, Tansania, Uganda, Sierra Leone und Cap Verde konnten in der vergangenen Dekade das Bruttosozialprodukt pro Kopf um jährlich etwa vier Prozent steigern. Auch in Togo, Benin, Ghana und Burkina Faso konnte die Armut signifikant reduziert werden. Diese Länder sind während der Weltwirtschaftskrise der vergangenen drei Jahre erstaunlich robust gewachsen.

Was ist geschehen? Zunächst ist die Zahl der Demokratien in Subsahara-Afrika seit 1989 von drei auf 23 gestiegen. Zugleich hat die Zahl der Konflikte abgenommen. Sukzessive verbessert sich in den afrikanischen Wachstumsländern die Regierungsführung. Auch die Wirtschaftspolitiken haben sich im Verlauf der vergangenen Jahre stabilisiert. Die Inflation ist flächendeckend gesunken, öffentliche Haushalte wurden saniert, Handelsbilanzdefizite abgebaut. Zwischen 2000 und 2010 konnten alle afrikanischen Staaten, mit Ausnahme Simbabwes, ihren Human Development Index steigern – wenn auch von sehr niedrigem Niveau ausgehend.

In diesem Prozess sind auch neue Akteure entstanden: moderne Politiker, die nicht mehr durch die Logik des Kalten Krieges geprägt sind; aufmerksamere Zivilgesellschaften, die auch von den neuen Kommunikationstechnologien profitieren können, wie sich gerade in Nordafrika zeigt; dynamische Unternehmen, die Entwicklungsmöglichkeiten in der Weltwirtschaft nutzen.

Dynamik, Ressourcen, Exporte

Die Dynamik in der Gruppe der wachsenden afrikanischen Ökonomien hat jedoch auch mit Veränderungen in der Weltwirtschaft zu tun. Das Wachstum in Asien verstärkt die Nachfrage nach Rohstoffen, Energie sowie Land für die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft. In diesem Kontext hat das ressourcenreiche Afrika an Bedeutung gewonnen.

Die afrikanischen Exporte nach China explodieren, chinesische Direktinvestitionen in Afrika steigen stark an. Die sich abzeichnenden Ressourcenengpässe in einer wachsenden Weltwirtschaft sowie das steigende Interesse der Schwellenländer an Afrika haben den Kontinent auch für Europa wieder interessant gemacht.

Ist das Wachstum der afrikanischen Wachstumsstaaten nachhaltig? Einige der skizzierten Basistrends stimmen optimistisch. Es bestehen also Chancen, dass eine ganze Ländergruppe nachhaltige Wege aus der Armut findet. Hiervon könnte ein wichtiger Impuls für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung in Afrika insgesamt ausgehen.