Die italienische Regierung verzichtet in ihrem milliardenschweren Sparpaket auf eine Sondersteuer für Reiche. Das kündigten Regierungschef Silvio Berlusconi und Umberto Bossi, Reformminister und Chef der Koalitionspartei Lega Nord, an.

Diese Abgabe solle durch andere Maßnahmen ersetzt werden. Steuervergünstigungen für Unternehmen sollen abgeschafft und Steuerhinterziehung schärfer geahndet werden. Auch bei den Rentnern könnte stattdessen gespart werden, Berlusconi sagte außerdem, dass die Anzahl der italienischen Parlamentarier halbiert werden solle.

Neben den Besserverdienenden soll auch der öffentlichen Verwaltung mehr Geld bleiben: Berlusconi und Bossi einigten sich darauf, in den Verwaltungen auf lokaler Ebene weniger Gelder einsparen zu wollen. Insgesamt solle die lokale Ebene um zwei Milliarden Euro weniger belastet werden als vorgesehen.

Während der Verhandlungen zwischen Berlusconi und Bossi hatten in Mailand Hunderte Bürgermeister aus großen und kleinen Städten gegen das beschlossene Sparpaket demonstriert. Die geplanten Kürzungen "gefährden die grundlegendsten Dienste für die Bevölkerung", sagte ein Bürgermeister aus einem kleinen Ort in den Dolomiten. Ein anderer Bürgermeister aus dem Nordwesten des Landes bezeichnete das Sparpaket als "unverantwortlich". Er werde gezwungen sein, in seiner Stadt die Steuern oder etwa die Gebühren für Kindergärten zu erhöhen, sagte er.

Italiens Regierung hatte am 12. August angesichts der Schuldenkrise und der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten Einsparungen in Höhe von 45 Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren beschlossen. Berlusconi hatte unter anderem eine Reichen-Steuer angekündigt. Es hätte sich um eine Sonderabgabe für Jahreseinkommen von mehr als 90.000 Euro in Höhe von fünf und für solche von mehr als 150.000 Euro von zehn Prozent gehandelt. Das Sparpaket soll bis Mitte Oktober vom Parlament verabschiedet werden.