Die Studenten in Chile protestieren seit mehreren Monaten für eine gerechtere Bildungspolitik. Nun hat die Regierung von Präsident Sebastian Piñera ihnen ein Gesprächsangebot gemacht. "Der Wille zum Dialog ist da, sagt mir nur wann und wo", teilte Regierungssprecher Andrés Chadwick mit. Gleichzeitig legte die Regierung eine Reihe von Reformprojekten im Parlament vor.

Am Dienstag hatten erneut rund 150.000 Studenten, Schüler und Lehrer in Santiago de Chile an einer Demonstration für ein gebührenfreies Bildungssystem teilgenommen. Auch in anderen Städten im Land gab es Demonstrationen, unter anderem in Concepción und Valparaíso. Die Kundgebungen verliefen allgemein friedlich. Dennoch gab es zahlreiche Verhaftungen: 396 Teilnehmer wurden festgenommen, 188 von ihnen in der Hauptstadt.

Vergangene Woche waren bei einer nicht erlaubten Demonstration fast 900 Studenten und auch minderjährige Schüler festgenommen worden. Der Konflikt um eine Reform des Bildungs- und Erziehungssystems hat dem Ansehen der Regierung Piñeras stark geschadet. Letzten Umfragen zufolge wird sie nur noch von 25 Prozent der Bürger unterstützt. Der Mitte-Links-Opposition geht es mit rund 20 Prozent Unterstützung jedoch auch nicht besser.

In Chile sind alle Universitäten und ein Großteil der Schulen gebührenpflichtig. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung können sich ein Universitätsstudium nicht leisten. Laut der Unesco zählt Chile zu den Ländern, in denen die sozioökonomische Trennung an den Bildungseinrichtungen am weitesten fortgeschritten ist.