Ein chinesischer Bauingenieur in Kigali in Ruanda © SIMON MAINA/AFP/Getty Images

Wir Deutschen verfolgen Chinas Engagement in Afrika mit Skepsis – warum? Chinas wachsende Bedeutung für den afrikanischen Kontinent erregt bei allen traditionellen Geberländern große Aufmerksamkeit. Fast überall in Europa und Nordamerika hat die öffentliche Diskussion einen abwertenden Unterton, in Deutschland jedoch ist die Medienberichterstattung besonders kritisch. Schlagzeilen wie "Waffen, Öl, dreckige Deals – wie China den Westen aus Afrika drängt" des Magazins Der Spiegel suggerieren dem Leser, dass sich Chinas Aktivitäten in Afrika einzig und allein negativ auswirken würden.

Wir sind anderer Meinung. Trotz aller Herausforderungen, denen sich Chinas Entwicklungszusammenarbeit in Afrika gegenübersieht, hat sie erstaunlich viel für die Entwicklung des Kontinents zu bieten. Die öffentliche Meinung gegenüber Chinas Entwicklungspolitik liegt dabei in dreifacher Hinsicht falsch: dem Umfang der Hilfeleistungen, der Rolle von Rohstoffen und dem Einfluss auf Regierungsführung und Menschenrechten.

Erstens ist die Dimension der finanziellen Zusammenarbeit Chinas viel geringer, als man uns glauben machen will. Die geschätzten 1,6 Milliarden US-Dollar staatlicher Entwicklungshilfe, die China 2009 in Afrika geleistet hat, bleiben weit hinter den Zuschüssen traditioneller Geber wie zum Beispiel Deutschlands zurück. Insgesamt erhielt Afrika 2009 fast 30 Milliarden Dollar öffentliche Entwicklungshilfe (Official Development Assistance – ODA) aus dem Westen.

Wesentlich mehr gibt China für Handelsförderung und andere staatliche Kredite aus, die Peking ebenfalls als Entwicklungszusammenarbeit im weiteren Sinne betrachtet. Westliche Regierungen gewährten nur 3,2 Milliarden Dollar Kredite dieser Art, die allgemein zu weniger günstigen Konditionen als öffentliche Entwicklungshilfe gegeben werden. Nach unseren Schätzungen auf Grundlage chinesischer Angaben hatte China in diesem Jahr dagegen mehr als sechs Milliarden zugesagt, unter anderem zur Finanzierung von Exporten im Wert von 50 Milliarden Dollar. Vor der Finanzkrise überwiesen westliche Privatbanken Milliardenbeträge nach Afrika – seit 2008 sind diese Quellen jedoch vollständig versiegt. Dass China den Zustrom von Geldern aufrechterhalten konnte, war für die afrikanische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Diese Zahlen können dennoch kaum als Beleg herhalten, dass China den Westen aus Afrika drängt. Im Gegenteil: Das Engagement der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sollte begrüßt werden, erst recht angesichts der im Westen herrschenden Finanznot.

Rohstoffhunger und Entwicklungspolitik

Zweitens heißt es, dass der angebliche Hunger Chinas nach Rohstoffen die Haupttriebfeder chinesischer Entwicklungspolitik in Afrika sei. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass Chinas Entwicklungshilfe relativ gleichmäßig über den Kontinent verteilt ist und entweder diplomatischen Zwecken dient oder im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gewährt wird. Tatsächlich ergänzt Chinas Engagement westliche Hilfe, denn Sektoren wie Infrastruktur und kleinbäuerliche Landwirtschaft werden von vielen traditionellen Gebern oft vernachlässigt.

Keine Frage: Der Zugang zu Ressourcen, oft als Gegenleistung für Infrastrukturprojekte, ist ein Kernelement des chinesischen – wie auch des westlichen – Engagements in Afrika. Allerdings nutzen die Rohstoff-Infrastrukturpakete, die wir gesehen haben, nur selten chinesische Entwicklungsgelder, sondern meist andere staatliche Mittel. Ob diese Tauschhandelsgeschäfte für die afrikanischen Länder von Nutzen sind, wird sich natürlich erst in Zukunft beurteilen lassen. Letztlich sind chinesische Unternehmen in einer ganzen Reihe anderer Sektoren aktiv, zum Beispiel im Bauwesen, im produzierenden Gewerbe und im Telekommunikationssektor.