Italiens Finanzminister Giulio Tremonti hat in Luxemburg mit Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker über die zunehmenden Probleme Italiens an den Finanzmärkten beraten. "Wir hatten eine lange Diskussion, bei der es um alle Probleme in der Eurozone ging", sagte Juncker nach dem knapp zwei Stunden dauernden Gespräch. "Und wir werden unsere Überlegungen gemeinsam fortsetzen." Tremonti sagte lediglich: "Wir hatten eine lange und fruchtbare Diskussion." Weitere Erklärungen gab es nicht.

Italien und Spanien haben zunehmend Probleme, neue Schulden aufzunehmen. Immer mehr Anleger verkaufen Staatsanleihen der beiden Länder, was die Zinsen auf Rekordhöhen treibt. Für zehnjährige italienische Papiere gab es in der Spitze 6,27 Prozent Zinsen. Auch bei spanischen Staatsanleihen machte der Zinsanstieg erst bei 6,49 Prozent Halt.

Jeder habe nun die Marke von sieben Prozent im Blick, sagte Michael Leister, Rentenanalyst von der WestLB: "Jeglicher Bruch der Marke von 6,5 Prozent wird wie ein Katalysator für noch höhere Renditen wirken." In den südlichen Euro-Ländern bestehe die Gefahr einer Kreditklemme, weil die Banken sich schlechter an den Märkten finanzieren könnten, warnte die Investmentbank Morgan Stanley. Es gilt als sicher, dass eine Zahlungsfähigkeit Italiens für die EU angesichts der enormen Staatsverschuldung des Landes nicht zu kompensieren wäre.

Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn sprach mit Tremonti. Dabei bemühte sich die EU-Kommission um Beruhigung: Um Rettungspakete für Italien sei es bei den Gesprächen nicht gegangen. Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, der Anstieg der Zinsen für italienische und spanische Anleihen sei angesichts der wirtschaftlichen Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt. Der Zinsanstieg signalisiere, dass die Anleger an der Kapazität der Euro-Zone zweifelten, die Schuldenkrise zu bewältigen.

Finnlands Regierungschef Jyrki Katainen bezeichnete den Anstieg der Zinsen als beängstigend. "Ganz Europa ist in einer gefährlichen Lage", sagte Katainen im finnischen Radio. Die Bundesregierung gab sich hingegen gelassen. Die Finanzierungsprobleme einiger Euro-Länder sind offenbar im Kabinett nicht zur Sprache gekommen. "Das hat während der Sitzung keine Rolle gespielt", sagte FDP-Chef Philip Rösler, der als Vizekanzler in Vertretung von Kanzlerin Angela Merkel erstmals die Ministerrunde leitete.

Berlusconi spricht vor dem Parlament – nach Börsenschluss

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will sich am späten Nachmittag vor dem Parlament zur wirtschaftlichen Situation seines Landes äußern – vorsichtshalber aber erst nach Schließung der europäischen Börsen. Berlusconi nimmt auf Druck der Opposition Stellung zu den hohen Schulden und der schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung. Obwohl die Regierung im Juli ein Sparpaket von 48 Milliarden Euro verabschiedet hatte, gab es bislang keine Beruhigung an den Finanzmärkten.

In seiner Ansprache könnte Berlusconi Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte und zur Ankurbelung der italienischen Wirtschaft verkünden. Experten äußerten sich allerdings skeptisch, ob er ein konkretes Paket vorstellen wird.