In der umkämpften libyschen Hauptstadt Tripolis haben die Rebellen weitere Erfolge gegen das Gadhafi-Regime erzielt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist der Hauptsitz des Senders unter Kontrolle der Rebellen. Das libysche Staatsfernsehen ging demnach von Sendung, es ist nur noch ein schwarzes Bild zu sehen. Der staatliche Sender Al-Urubah sendet mittlerweile jedoch wieder über einen syrischen Kanal.

Die Aufständischen haben bereits weite Teile der Hauptstadt Tripolis erobert, allerdings bleibt die Lage unübersichtlich. Rund um die Residenz Gadhafis im Stadtteil Bab al-Asisija gibt es schwere Gefechte zwischen Rebellenkämpfern und Regierungstruppen. "Hier wird überall geschossen", sagte ein Rebellen-Offizier. Panzer Gadhafi-treuer Truppen seien vor dem Komplex aufgefahren.

Die Aufständischen erwarten einen Luftangriff der Nato auf die Truppenteile Gadhafis, die sich in seiner Residenz verschanzt haben. Nach Sonnenuntergang würden Kampfjets die Mauern der Anlage bombardieren. In der Residenz halten nach Angaben der Rebellen mehrere hundert afrikanische Söldner die Stellung.

Auch im Bereich des Hafens sollen Panzer in Stellung gebracht worden sein. Eine große Gefahr gehe zudem von Scharfschützen auf hohen Gebäuden aus. Eine starke Präsenz von regimetreuen Truppen gibt es auch um das Hotel Rixos, wo sich die aus Tripolis berichtenden internationalen Journalisten befinden.

Nach Angaben der CNN-Reporterin Sara Sidner haben sich Rebellenverbände außerhalb der Hauptstadt gruppiert. Auch Pick-up-Trucks mit Gewehren stünden bereit. Bis Dienstag wollen die Aufständischen die Hauptstadt ganz unter ihre Kontrolle bringen. Auch nahe der tunesischen Grenze greifen sich Rebellen und Pro-Gadhafi-Truppen an. In der libyschen Botschaft in Algerien haben Gadhafi-Gegner unterdessen bereits die Flagge der Rebellen gehisst. 

Die Suche nach Gadhafi läuft

Wo sich Gadhafi selbst aufhält, ist weiter offen. Der Revolutionsführer scheint den rechtzeitigen Absprung ins Ausland jedoch verpasst zu haben. Am Sonntag hieß es noch, Gadhafi sei in den Süden Libyens geflüchtet und verhandele mit der algerischen Regierung. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht. Möglicherweise hat sich Gadhafi auch in seiner Residenz verschanzt.

"Wir hoffen, Gadhafi lebend gefangen zu nehmen", sagte der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil. Die Welt solle Zeuge eines Prozesses gegen den Diktator werden.

Zwei Söhne Gadhafis, Saif al-Islam und Mohammed al-Gadhafi, wurden bereits von Aufständischen festgenommen. Mohammed gelang es jedoch kurz darauf, zu fliehen. Er sei seinen Bewachern entkommen, sagte ein ranghoher Vertreter der Aufständischen in Bengasi. Nach Angaben des Nachrichtensenders Al Jazeera wurde ein weiterer Sohn des Machthabers, Al-Saadi Gadhafi, gefangen genommen. Al-Urubah dementiert dies.