Tausende von Kameras stehen auf den Straßen von London und anderer britischer Städte. Sie alle sahen zu als in den vergangenen Tagen Jugendliche gegen die Polizei kämpften, Stadtviertel in Schutt und Asche legten und die Läden plünderten.

Seit fast zwei Dekaden setzt die britische Politik auf eine flächendeckende Videoüberwachung zur Verbrechensbekämpfung. Die Technik soll nicht nur terroristische Anschläge verhindern und Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele im kommenden Jahr sichern, sie ist dazu gedacht, ganz allgemein jede Art abweichenden, unsozialen Verhaltens aufzudecken. Videokameras als neue Form sozialer Kontrolle.

Millionen Pfund hat Großbritannien in die Technik gesteckt. Und die Metropolitan Police von London ist stolz auf ihre Aufklärungsquoten – mehr als 1.000 Täter habe sie in diesem Jahr bereits identifiziert, verkündete sie im Mai. Nun, nach unzähligen Stunden gefilmter Krawalle, könnten es einige mehr werden. Momentan setzt die Polizei darauf, die Bilder der Kameras zu veröffentlichen und somit eine bewährte Methode bei der Verfolgung von mutmaßlichen Straftätern massenhaft auszudehnen. Zusätzlich setzt sie eine für die Olympischen Spiele 2012 entwickelte Gesichtserkennungssoftware ein. Das Testfeld hätte nicht besser sein können.

Es scheint also, als ob die flächendeckende Videoüberwachung ihren Zweck erfüllt hat. Dabei hat sie in Wahrheit kläglich versagt – auch nach den Maßstäben der Polizei. Denn weder konnten die Kameras auch nur einen der Aufstände verhindern, noch halfen sie der Polizei dabei, ihre Einsätze sinnvoll zu steuern.

Und auch eine umfassende Aufklärung dürfte schwierig werden: Die Fahndung wird zweifelsohne viele falsche Verdächtigungen hervorbringen, weil etliche der Bilder von schlechter Qualität sind, aus ungünstigen Winkeln aufgenommen wurden oder schlicht zu falschen Schlussfolgerungen führen werden, wie der britisch-kanadische Überwachungsforscher David Murakami Wood zu bedenken gibt. Obendrein sind bisherige Erfahrungen mit Gesichtserkennungsprogrammen nicht eben positiv ausgefallen.

Die Bürgerrechts-Organisation Big Brother Watch vermutet, dass allein zwischen 2007 und 2010 rund 300 Millionen britische Pfund für Kameras ausgegeben wurden. Davon hätte man, so die Rechnung, 4.500 Polizisten einstellen können – zweifellos eine bessere Maßnahme zur Vorbeugung als alle Videoüberwachungstechnik. Sicher, man darf Polizisten nicht mit Sozialarbeitern verwechseln, doch angesichts der Hilflosigkeit der britischen Polizei zu Beginn der Krawalle wäre mehr Personal eine gute Investition gewesen.