Krawalle Großbritanniens Überwachungssystem ist gescheitert
Seit Jahren setzen London und andere britische Städte auf eine großflächige Kameraüberwachung. Die Krawalle zeigen, wie unzulänglich diese Technik ist.
© Oli Scarff/Getty Images

Londoner Polizisten vor Übertragungsschirmen des staatlichen Videoüberwachungssystems, im Zentralen Kommunikationsstab vor dem G20-Gipfel im März 2009
Tausende von Kameras stehen auf den Straßen von London und anderer britischer Städte. Sie alle sahen zu als in den vergangenen Tagen Jugendliche gegen die Polizei kämpften, Stadtviertel in Schutt und Asche legten und die Läden plünderten.
Seit fast zwei Dekaden setzt die britische Politik auf eine flächendeckende Videoüberwachung zur Verbrechensbekämpfung. Die Technik soll nicht nur terroristische Anschläge verhindern und Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele im kommenden Jahr sichern, sie ist dazu gedacht, ganz allgemein jede Art abweichenden, unsozialen Verhaltens aufzudecken. Videokameras als neue Form sozialer Kontrolle.
Nils Zurawski, Jahrgang 1968, lehrt Soziologie an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gewalt und Konfliktforschung sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.
Millionen Pfund hat Großbritannien in die Technik gesteckt. Und die Metropolitan Police von London ist stolz auf ihre Aufklärungsquoten – mehr als 1.000 Täter habe sie in diesem Jahr bereits identifiziert, verkündete sie im Mai. Nun, nach unzähligen Stunden gefilmter Krawalle, könnten es einige mehr werden. Momentan setzt die Polizei darauf, die Bilder der Kameras zu veröffentlichen und somit eine bewährte Methode bei der Verfolgung von mutmaßlichen Straftätern massenhaft auszudehnen. Zusätzlich setzt sie eine für die Olympischen Spiele 2012 entwickelte Gesichtserkennungssoftware ein. Das Testfeld hätte nicht besser sein können.
Es scheint also, als ob die flächendeckende Videoüberwachung ihren Zweck erfüllt hat. Dabei hat sie in Wahrheit kläglich versagt – auch nach den Maßstäben der Polizei. Denn weder konnten die Kameras auch nur einen der Aufstände verhindern, noch halfen sie der Polizei dabei, ihre Einsätze sinnvoll zu steuern.
Und auch eine umfassende Aufklärung dürfte schwierig werden: Die Fahndung wird zweifelsohne viele falsche Verdächtigungen hervorbringen, weil etliche der Bilder von schlechter Qualität sind, aus ungünstigen Winkeln aufgenommen wurden oder schlicht zu falschen Schlussfolgerungen führen werden, wie der britisch-kanadische Überwachungsforscher David Murakami Wood zu bedenken gibt. Obendrein sind bisherige Erfahrungen mit Gesichtserkennungsprogrammen nicht eben positiv ausgefallen.
Die Bürgerrechts-Organisation Big Brother Watch vermutet, dass allein zwischen 2007 und 2010 rund 300 Millionen britische Pfund für Kameras ausgegeben wurden. Davon hätte man, so die Rechnung, 4.500 Polizisten einstellen können – zweifellos eine bessere Maßnahme zur Vorbeugung als alle Videoüberwachungstechnik. Sicher, man darf Polizisten nicht mit Sozialarbeitern verwechseln, doch angesichts der Hilflosigkeit der britischen Polizei zu Beginn der Krawalle wäre mehr Personal eine gute Investition gewesen.
Das fordert auch die Polizei selbst, tatsächlich aber steht sie vor massiven Kürzungen. Gut möglich, dass die Regierung Cameron nun genau die umgekehrten Schlüsse zieht – und die vielen Kamerabilder von den Krawallmachern als Beleg für den Erfolg des Systems heranzieht.
Die britische Kameraüberwachung nach diesen Aufständen aber als Erfolg zu verkaufen, ist zynisch, wenn man bedenkt, welchen Schaden Menschen, Nachbarschaften und die lokale Wirtschaft genommen haben. Ihnen allen hat die Videoüberwachung nicht geholfen. Beim nächsten Mal wird das nicht anders sein.
Deshalb darf die Diskussion über die Krawalle nicht in einer Forderung nach mehr Technik enden. Die Überwachungsgesellschaft, wie sie in Großbritannien seit Jahren Realität ist, kann solche Aufstände nicht verhindern. Sie ist schlicht nicht in der Lage dazu. Warum, so fragt Big Brother Watch, wurde mit viel Geld die Privatsphäre der Bürger jahrelang verletzt oder riskiert, wenn es eine Sicherheit für sie dann doch nicht gibt? Die Frage ist berechtigt.
Im besten Fall können die Kamerabilder aus London, Manchester, Birmingham und anderen Städten nun dabei helfen, zu verstehen, was passiert ist: Möglicherweise nützen sie bei der Analyse, wie solche Krawalle entstehen, und wie man dagegen vorbeugt.
Die Unruhen in Großbritannien wären ein Anlass, um über die vielen Probleme der britischen Gesellschaft nachzudenken. Bürger und Politiker müssten sich fragen, was falsch läuft in ihrem Land, und welche Möglichkeiten der Vorbeugung und Sicherheit es jenseits des massiven Technikeinsatzes gibt. Leider aber muss man annehmen, dass die Politik auch dieses Mal wieder die falschen Schlüsse ziehen wird.
- Datum 13.08.2011 - 16:19 Uhr
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Kameras verhindern keine Straftaten und helfen nicht den Opfern von Gewaltverbrechen. Sozialarbeiter und Stadteilpolizisten schon.
Ich fühle mich durch eine Kamera in der Ubahn nicht sicherer, durch einen Polizisten schon.
Ach, die Kameras waren für Kriminelle gedacht?
Und ich war der Meinung, sie seien aleine zur Einschüchterung der Bevölkerung angeschafft worden.
Wie man sich täuschen kann......
Bei der Überführung einzelner Täter, wie auch als Beweismittelführung vor Gericht ist die Videoüberwachung nicht zu verachten. Hier muß Klartext geredet werden, ganz unideologisch.
Bei öffentlichen Verkehrsmitteln, oder sicherheitsrelevanten Objekten (Bahnhöfen, Regierungsgebäuden etc.) ein gutes Mittel.
Völlig zu Recht wird die Geisterfahrt in einen Überwachungsstaat bemängelt, welche eine flächendeckende Überwachung wie in London darstellt, hier kann getrost von einem Pilotprojekt gesprochen werden. Wie eine der ältesten Demokratien Europas sich hier nicht wehrfähig zeigt, spricht Bände ob dem Zustand der Demokratien selbst.
Ein sehr wichtiger Punkt ist der Stellenabbau bei der Polizei. Europaweit ist dieser zu betrachten und dies in Zeiten schwindenden Wohlstandes. Hier agieren Politiker und der planende Beamtenstab grob fahrlässig. Ist eine Demokratie noch intakt, werden die Verantwortlichen bei zu erwartenden Folgen zu Verantwortung gezogen. Vom Regierungschef bis hin zum Polizeipräsident.
England eine der ältesten Demokratien Europas? Wohl kaum. Selbst "unser" Kaiserreich war mit seinen Institutionen und Wahlen demokratischer, als es England noch nach dem Zweiten Weltkrieg war.
England eine der ältesten Demokratien Europas? Wohl kaum. Selbst "unser" Kaiserreich war mit seinen Institutionen und Wahlen demokratischer, als es England noch nach dem Zweiten Weltkrieg war.
Die These dieses Artikels ist falsch. Natürlich kann eine Videoüberwachung nicht alle Straftaten vorab verhindern. Aber sie kann sehr wohl bei der nachfolgenden Aufklärung helfen. Selbst wenn die Londoner Polizei nach den kriminellen Krawallen viele unscharfe oder ungünstig gefilmte Gesichter zur Verfügung haben sollte - ein paar deutlich erkennbare waren und sind schon dabei, wie wir aus den Berichten wissen. Schon das lohnt den Aufwand. Und schließlich gibt es noch den Abschreckungseffekt durch die riesigen Videoleinwände, auf denen die britische Polizei derzeit an öffentlichen Plätzen gefilmte randalierende Personen zeigt. In Deutschland übrigens scheint u. a. der Datenschutz eine effektive Videoüberwachung zu behindern - so mussten die Kameras auf der Reeperbahn in Hamburg u. a. auch deshalb abgebaut werden, weil der Datenschutz bestimmte Bereiche zu filmen verboten hatte. Alles in allem meine ich, dass eine Videoüberwachung gerade bei Massenereignissen durchaus bessere Fahndungserfolge erzielen kann, als jede mühsame kriminalistische Kleinkleinarbeit von gestern mit Zeugenbefragungen, Spurenpuder und DNA-Proben.
»Natürlich kann eine Videoüberwachung nicht alle Straftaten vorab verhindern.«
Sie kann sie auch nicht mildern oder schnell verhindern.
»Aber sie kann sehr wohl bei der nachfolgenden Aufklärung helfen.«
Sie meinen durch falsche Anschuldigungen und Denunziation.
»Selbst wenn die Londoner Polizei nach den kriminellen Krawallen viele unscharfe oder ungünstig gefilmte Gesichter zur Verfügung haben sollte - ein paar deutlich erkennbare waren und sind schon dabei,...»
Verhältnismäßigkeit der Mittel sagt Ihnen aber etwas?
»Und schließlich gibt es noch den Abschreckungseffekt durch die riesigen Videoleinwände, auf denen die britische Polizei derzeit an öffentlichen Plätzen gefilmte randalierende Personen zeigt.«
Die Abschreckung hat aber doch nicht funktioniert. Übrigends, Ihre angebrachte überflüssige kriminalistische Kleinkleinarbeit von gestern muss trotzdem durchgeführt werden. Eine Verurteilung nur wg. eines Fotos alleine reicht auch in GB noch nicht aus.
Bei der Aussage,
"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten."
sind Sie wohl einer der Ersten, der laut "Ganz genau!" schreit.
"In Deutschland übrigens scheint u. a. der Datenschutz eine effektive Videoüberwachung zu behindern"
Das ist auch gut so.
Dieser Artikel ist nicht objektiv recherchiert, sondern soll generell - auch hier im Lande - Meinung gegen mehr Ueberwachung und Kontrolle machen.
Generell handelt es sich um ein sensibles Thema, das sehr ausbalanziert betrachtet werden sollte. Keine Ueberwachung und Kontrolle, wo verzichtbar. Aber dort, wo der Nutzen ueberwiegt, sehr wohl.
Waere der Verfasser nicht mit einem Schwarz/Weiss Denken an das Thema herangegangen, waere der Artikel differenzierter ausgefallen.
Schon alleine die Vorteile des Videoeinsatzes bei Grossveranstaltungen, beispielsweise bei Fussballspielen, entkraeften den Artikel.
Auch das Rechenbeispiel Polizisten/Kameras hinkt.
Oder waren die Kosten einer Ausbildung zum Polizisten eingerechnet? Und die erwachsenden Rentenansprueche?
Und 4500 Polizisten minus Urlaub/Ausfallzeiten/etc. macht bei 8-Stunden Schicht ca. 1200 mehr auf der Strasse.Auch die Dimension ist interessant:
Vorausgesetzt, dass GB eine aehnliche Polizeidichte wie D hat, duerfte es in GB etwa 200.000 Polizeikraefte geben. was haette wohl eine Erhoehung um 2,25% gebracht.
Dieser Artikel laesst Fragen offen.
»Natürlich kann eine Videoüberwachung nicht alle Straftaten vorab verhindern.«
Sie kann sie auch nicht mildern oder schnell verhindern.
»Aber sie kann sehr wohl bei der nachfolgenden Aufklärung helfen.«
Sie meinen durch falsche Anschuldigungen und Denunziation.
»Selbst wenn die Londoner Polizei nach den kriminellen Krawallen viele unscharfe oder ungünstig gefilmte Gesichter zur Verfügung haben sollte - ein paar deutlich erkennbare waren und sind schon dabei,...»
Verhältnismäßigkeit der Mittel sagt Ihnen aber etwas?
»Und schließlich gibt es noch den Abschreckungseffekt durch die riesigen Videoleinwände, auf denen die britische Polizei derzeit an öffentlichen Plätzen gefilmte randalierende Personen zeigt.«
Die Abschreckung hat aber doch nicht funktioniert. Übrigends, Ihre angebrachte überflüssige kriminalistische Kleinkleinarbeit von gestern muss trotzdem durchgeführt werden. Eine Verurteilung nur wg. eines Fotos alleine reicht auch in GB noch nicht aus.
Bei der Aussage,
"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten."
sind Sie wohl einer der Ersten, der laut "Ganz genau!" schreit.
"In Deutschland übrigens scheint u. a. der Datenschutz eine effektive Videoüberwachung zu behindern"
Das ist auch gut so.
Dieser Artikel ist nicht objektiv recherchiert, sondern soll generell - auch hier im Lande - Meinung gegen mehr Ueberwachung und Kontrolle machen.
Generell handelt es sich um ein sensibles Thema, das sehr ausbalanziert betrachtet werden sollte. Keine Ueberwachung und Kontrolle, wo verzichtbar. Aber dort, wo der Nutzen ueberwiegt, sehr wohl.
Waere der Verfasser nicht mit einem Schwarz/Weiss Denken an das Thema herangegangen, waere der Artikel differenzierter ausgefallen.
Schon alleine die Vorteile des Videoeinsatzes bei Grossveranstaltungen, beispielsweise bei Fussballspielen, entkraeften den Artikel.
Auch das Rechenbeispiel Polizisten/Kameras hinkt.
Oder waren die Kosten einer Ausbildung zum Polizisten eingerechnet? Und die erwachsenden Rentenansprueche?
Und 4500 Polizisten minus Urlaub/Ausfallzeiten/etc. macht bei 8-Stunden Schicht ca. 1200 mehr auf der Strasse.Auch die Dimension ist interessant:
Vorausgesetzt, dass GB eine aehnliche Polizeidichte wie D hat, duerfte es in GB etwa 200.000 Polizeikraefte geben. was haette wohl eine Erhoehung um 2,25% gebracht.
Dieser Artikel laesst Fragen offen.
Wiso das ist ok und wenn ein Polizeibeamter noch gleich mit anwesend ist auch.
Aber Überwachung findet doch ganz anders statt.
Die frage muss lauten wozu und warum von jeden einzelenen Akten und Profile angelegt werden ?
Man kann sehr gut mit Menschen spielen,fertig machen und kalt stellen gerade bei denen die in einer sehr hohen Existenznot sich befinden, wenn man dessen Profil erarbeitet hat.
Was glaubt ihr von welcher Segmentschicht die meisten Profile angelegt sind ?
Beweise sind schnell zu belegen,oder andersherum gefragt,wer keine möglichkeit hat sich mit dem Rechtsweg zu verteidigen.
Na glaubt ihr immer noch wir leben in einer freihtlichen Demokratie?
Ach ja da fällt mir ja noch was ein,ein Grundsatz die Menschenwürde ist unantastbar,frage ich mich nur für wem die eigentlich gilt?
Och - endlich die Einsicht?
Dass Kameras nichts nützen ist allgemeine bekannt - das dürfte eigentlich jeder wissen der denken kann.
Eine Kamera bringt nur etwas wenn jemand an einem Bildschirm sitzt und entsprechend die Aufnahmen überwacht - aber mehr als vielleicht 4 Bildschirme kann ein Mensch schwer betrachten.
Bei tausenden Kameras in einer Stadt kann man diese kaum überwachen - wie denn auch? Man kann höchstens nachträglich ein Video heraussuchen auf dem eventuell etwas zu sehen ist...
Sofern ich mich auch nicht irre ist die Kriminalitätsrate durch Kameras auch nicht gesunken. kurzzeitig gibt es vielleicht weniger Einbrüche - bis die Diebe wissen wo sie auf den Boden schauen müssen um nicht erkenntlich aufgezeichnet zu werden.
Ich würde sogar sagen der Zweck der Kameras ist ein anderer - die Vorbereitung für die Zukunft. Computer werden in der Überwachung immer besser - aber noch klappt es nicht. Ist die Software einmal da (und vermutlich immer noch nicht mit einer hohen Trefferrate) steht die Überwachungsinfrastruktur schon und der Umstieg geht leise vonstatten - ohne Mediengetöse.
Endlich krigt man duch die Kameras die Täter vor das Gericht und kann sie verurteilen, leider wenn sie klug waren nur wegen der Beschädigung der Kamera oder wegen des Zerstörens der Kamera. Was wohl viele Gemacht haben werden befor sie die Straftaten begangen haben.
Ansonsten laden nun Kameras zu einer heiteren Hezenjagt auf jeden ein der so ähnlich ausieht wie jemand der aus den Filmen gezeigt wird. Dann darf man endlich Mentschen verfolgen und zur Politzei schlifen und muss später nur sagen " Der sah aber so ähnlich aus , er hätte es ja sein können. "
Herrlich, und schon das Wort Hexenjagt lehr uns ja das es dabei immer streng logisch und mit rechststatlichen Mitteln zugegangen und und zu keine Problemen für die Verdächtigten geführt hat, wie z.B.: Vorverurteilung oder Einschränkung der Rechte.
-------SATIRE-------
P.s:
Kameras haben nicht versagt man muss die bilder nur live ins internett stellen und bei den Kravallen dann unten Werbung einspielen um die Staatskassen wieder aufzufüllen .
-------SATIRE-------
und strafe ist sowieso nicht die lösung.
ich meine einen kausalen zusammenhang zwischen den ereignissen und dem entfesselsten kapitalismus, dessen standartenträger england zweifelsfrei ist, auszumachen.
hier sehen wir einzig und allein ein reflex einer bevölkerungsschicht, welche in dem geselschaftsmodel des liberalen marktes und dessen distributionspraxis eben diejenigen sind, welche an den rand bzw darüber hinaus gedrückt werden.
die vorgänge in england sollte allen staaten, welche unter dem druck des "marktes" handeln und soldidarität und soziale gerechtigkeit über bord werfen, eine warnung sein.
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