Geopolitik : Das große Machtspiel auf dem Pazifik

China und Indien rüsten ihre Flotten auf, der Westen zieht nach. Das atlantische Zeitalter endet, neue Allianzen entstehen.

Am vergangenen Mittwoch war es soweit. China ging einen weiteren Schritt in Richtung Supermacht: Im Hafen von Dalian ließ die Marine den ersten Flugzeugträger zu Wasser. Shi Lang heißt er, benannt nach einem Admiral der Ming-Dynastie (1368-1644). Nur wenige Staaten auf der Welt haben solche Träger, sie stehen für militärische Macht, sind aber kompliziert zu bauen und zu bedienen. Flugzeugträger waren lange Zeit eine unangefochtene Domäne der amerikanischen Streitkräfte.

Die Shi Lang zeugt vom Aufstieg Chinas , und sie ist ein Symbol für die wachsende Bedeutung der Kriegsmarinen im 21. Jahrhundert: Rohstoffe am Meeresboden, neue Seewege in der Arktis, Bedrohung von wichtigen Handelsrouten durch Piraten und Terroristen – diese Themen bestimmen derzeit die Geopolitik. Die wichtigsten Schiffbaunationen sind längst asiatische. Zu Südkorea und Japan ist China gestoßen. In diesen drei Ländern werden die meisten neuen zivilen Schiffe vom Stapel gelassen. Auch in der Sicherheitspolitik setzen die Länder Asiens auf die Seefahrt. Laut Defence News sollen in den kommenden zehn Jahren allein in Asien und Australien rund 840 Kriegsschiffe beschafft werden – deutsche Werften mischen in dem Geschäft mit. Besonders rasant verläuft diese Entwicklung in Indien und China. Es war kein Zufall, dass die Marineversion des Euro-Fighters auf einer Flugmesse in Indien vorgestellt wurde, denn in Europa hat der Hersteller EADS nicht viele Kunden dafür. In den meisten Nato-Staaten belasten Haushaltskrisen die Budgets, die Verteidigungsetats sinken. Daher werben europäische Politiker in Indien massiv für den Euro-Fighter.

China und Pakistan

Irritiert von einem Geschäft mit dem Euro-Fighter wäre die Regierung in Peking. Dort fürchtet man, Indien könnte China über die Andamanen-Inselkette den Zugang zum Indischen Ozean abschneiden. Schon allein deshalb kooperiert China seit den 1980er-Jahren intensiv mit Indiens Nachbarn und Erzfeind Pakistan. Man hilft Islamabad beim Bau von Raketen, verschenkt 50 chinesische JF-17-Kampfflugzeuge; für seine Kriegsmarine will Pakistan chinesische U-Boote und Fregatten ordern, gemeinsam wollen beide Staaten Fregatten bauen.

Noch wesentlich bedeutender ist, dass China im Indischen Ozean mit Hafenbauprojekten in die maritime Machtsphäre Indiens eindringt. Neben Bangladesch (Chittagong), Sri Lanka (Hambantota) und Birma (Sittwe) beunruhigt der Tiefseehafen von Gwadar im pakistanischen Belutschistan die Strategen Indiens. Kürzlich enthüllte der pakistanische Außenminister Ahmed Mukhtar, seine Regierung habe Peking gebeten, im Handelshafen Gwadar einen Marinestützpunkt zu bauen. China braucht Gwadar, so der indische Analyst Brahma Chellaney , "um im großen Machtspiel auf den Weltmeeren seine größte Schwäche auszugleichen – das Fehlen eines maritimen Ankers im indischen Ozean, wo das Land eine wichtige militärische Stellung anstrebt."

Indien und Vietnam

Was Pakistan für China im Westen darstellt, wird Vietnam für Indien im Osten, an den pazifischen Küsten Ostasiens. Hier versucht die chinesische Regierung, ihre machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen auch mit massiven militärischen Drohgebärden durchzusetzen. Auf der chinesischen Insel Hainan vor der Küste Vietnams wurde zudem eine große Marinebasis aufgebaut. So fällt es Indien nicht schwer, mit Chinas südlichem Nachbarn enge Beziehungen zu knüpfen, nicht nur maritime.

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Kommentare

77 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Südostasien, das künftige Pulverfass dieser Welt

Südostasien avanciert in den kommenden Jahren zu dem größten Pulverfass dieser Welt.

Da sind wir auf unserem alten, geostrategisch immer bedeutungsloser werdenden, durch einen Haufen kleiner, aber sehr traditionsverhafteter Nationalstaaten "zersplitterten" Kontinent glücklicherweise weitgehend außen vor. Und das sollten wir tunlichst auch bleiben!

Mit schrumpfender Bevölkerung und gebührendem Abstand zu den neuen weltpolitischen Brennpunkten wird es sich hier, sozusagen in der "Schweiz der künftigen Welt", relativ gut leben lassen.

Unsinn

Natürlich darf Deutschland Flugzeugträger, Atom-U-Boote etc. bauen. Lediglich um eigene Atomsprengköpfe herzustellen und um die deutschen Streitkräfte auf über 370.000 Mann zu erhöhen, müssten wir einige Verträge kündigen (Atomwaffensperrvertrag, 2+4 Verträge, vielleicht einige Abrüstungsverträge zwischen Nato und Russland) - ansonsten gibt es keinerlei Einschränkungen. Immer wieder schockeriernd wie einige deutsche Zeitgenossen offenbar glauben, das eigene Land wäre immer noch ein teilsouveräner Staat und diese glücklicherweise irrtümliche Annahme auch noch scheinbar ohne Protest akzepzieren...

Wäre Deutschland ein normales Land, hätte es 1-2 mittelgroße Flugzeugträger und mindestens zwei Atom-U-Boote. Von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit betrachtet, wäre dies für die de facto Wirtschaftsgroßmacht Deutschland leicht zu schultern (und proportional gesehen immer noch sehr viel weniger als die Aufwendungen der US-Amerikaner).

Brutal kalkulierend wäre übrigens ein großer Krieg im Pazifik im europäischen Interesse. Genauso wie sich Europa in zwei Weltkriegen selbst enthauptete und Platz für neue Mächte machte, können diese ihre neue Stellung durch Zerstörung größten Ausmaßes auch wieder verlieren. Asiaten und Amerikaner sollten im 21. Jahrhundert besser darauf achten, stets ruhige Nerven zu bewahren...

Wenigstens für Großbritannien

sollte sich Ihre Frage in den letzten Tagen beantwortet haben.
Für Frankreich sieht es bei einer Jugendarbeitslosigkeit von
25% nicht besser aus. http://www.inforadio.de/p...

Und für politische Verwicklungen brauchen wir Deutschen keine Marine, da langen leider das Außenministerium und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter ihren derweiligen Ministern völlig aus.

MfG
biggerB

Atom-U-Boote als Statussymbol?

Was sollte die deutsche Marine denn damit, zwei Jahre am Stück in der Ostsee tauchen? Somalische Piraten bedrohen? Technisch haben wir doch schon längst wesentlich elegantere Lösungen entwickelt, lange zu tauchen (ist übrigens ein Exportschlager). Soweit ich das verfolge gibt es ja schon rechtliche Verwicklungen, wenn deutsche Soldaten Geiseln aus den Händen von Piraten befreien wollen. Was sollten wir mit Flugzeugträgern? Was wollen wir da für Flugzeuge draufstellen, es hat ja schon Jahrzehnte gedauert, die nicht-trägertaugliche Version vom Eurofighter bedingt einsatzbereit zu kriegen.
Die deutsche Marine ist schon völlig ausreichend ausgerüstet für das bisschen Wasser, das zu unserem Territorium gehört. Was Auslandseinsätze angeht... da liegen die Probleme wohl weniger auf technischer als auf politischer Seite. Wobei ich allerdings betonen möchte, dass "weniger auf technischer Seite" natürlich nicht "überhaupt nicht auf technischer Seite" heißt...

Zwergnationale Provinzialität ablegen

Atom-U-Boote dienen natürlich der Machtprojektion nach außen und eher weniger dem Küstenschutz. Globale Einsatzfähigkeit, eine nur vom Proviant abhängige Einsatzzeit, hohe Geschwindigkeit und massig schwerste Bewaffnung gegen See- und Landziele stehen im Vordergrund. Deutsche Atom-U-Boote könnten rund um die Uhr überall auf der Welt unterwegs sein - außerhalb der 12-Meilen-Zone sind die Meere frei zugänglich.

Warum sollten Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Brasilien, Indien, Russland, ja selbst Thailand Flugzeugträger brauchen, Deutschland jedoch nicht? Das sind alles kleinere Volkswirtschaften als wir. Haben die genannten europäischen Staaten grundlegend andere Interessen als Deutschland? Für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, die für ihren Wohlstand auf offene Seewege zur Rohstoffversorgung und zum Export angewiesen ist, ist ein derartiger Verzicht überholter Provinzialismus. Für deutsche Flugzeugträger müsste entweder der Eurofighter umgerüstet oder ein neues Modell entwickelt oder ein passendes eingekauft werden (z. B. Lockheed Martin F-35 Lightning II).

Deutschland muss sich überlegen, ob es weiterhin ein komplexbeladenes Land bleiben möchte, das weit unter seinen Möglichkeiten agiert oder nach 66 Jahren nicht doch langsam wieder ein normales Land sein will, das sein demographisches und wirtschaftlich-industrielles Machtpotential voll ausschöpft.

Gefährlich für die anderen, nicht für die Europäer...

Natürlich wurden die Kolonien in den 2. Weltkrieg hineingezogen, doch mir ging es darum, dass nur der Krieg der beiden Habenichtse Deutschland und Japan gegen die etablierten Imperien, das Britische Weltreich und andere europäische Kolonialmächte derart schwächte, dass eine eigenstaatliche Souveränität der Länder dieses Teils der Welt und deren späterer Aufstieg erst möglich wurde.

Europa sehe ich zukünftig nicht im Geringsten in der beschrieben Art gefährdet. Vielmehr dürfte Europa im 21. Jahrhundert sehr reich, militärisch unangreifbar, aber unfähig zur Machtprojektion nach außen sein.

Aha, da bauen die Chinesen einen alten sowjetischen...

Flugzeugträger um und da entsteht gleich eine neue "Bedrohung". Nunja das ist die Strategie der USA, seit 1945, gegen den Kommunismus zu ziehen. Dabei hilft ein einacher Blick auf die Daten der Weltbank um ein wenig Realität einfordern zu können:

Militräausgaben China 2 % des BIP / BIP China 4,99 Billionen US-Dollar

Militärausgaben USA 4,7 % des BIP / BIP USA 14,12 Billionen US-Dollar

Aussage wie

Einen alten Flugzeugträger zeugen von mangelnder Sachkenntnis. Zwanzig Jahre sind für ein großes Kriegsschiff überhaupt kein Alter, insbesondere wenn die Ausrüstung überholt oder neu beschafft wird, wie es die Chinesen bei der ex-"Warjag" gemacht haben.

Zum Beispiel ist der amerikanische Träger "Enterprise" seit 50 Jahren im Einsatz und wird es auch noch einige Jahre bleiben. Zwar ist das chinesische Schiff sicher nicht in der selben Klasse einzuordnen wie die atomgetriebenen Träger der USA, dennoch werden die militärischen Optionen Chinas damit radikal erweitert.

Chinesische Militärbudget

Woher haben Sie ihre Zahlen über das chinesische Militärbudget?
Bekanntlich ist die wahre Summe der chinesischen Militärausgaben weitaus höher als die offiziell angegebene, weil zum Beispiel die Ausgaben für die 1,5 Millionen Soldaten der Wujing, für die Waffeneinkäufe aus dem Ausland, für die Waffenforschung gar nicht in dem offiziellen Militärbudget enthalten sind.