Wahlkampf in NorwegenOslo zwischen Zurückhaltung und kruden Terror-Thesen
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 Großes Interesse an der Politik

Er erzählt von seiner Ehefrau, die muslimischen Glaubens ist, und von vielen Kandidaten seiner Partei, die ausländische Wurzeln haben. Scharf grenzt er seine Partei von anderen europäischen, rechtspopulistischen Parteien ab wie der französischen Front National oder der niederländischen Freiheitspartei : Die Fortschrittspartei sei nicht anti-islamisch oder fremdenfeindlich, sagt er. Viel mehr ähnele sie in ihrem leistungsorientierten und staatsskeptischen Grundverständnis den britischen Liberalen oder – er grinst – der deutschen FDP.

Doch Høglund schönt die Fakten. Zwar mögen Wilders und Le Pen tatsächlich noch radikaler auftreten. Dennoch aber werfen viele Beobachter der Fortschrittspartei vor, das politische Klima in Norwegen vergiftet und fremdenfeindliche Ressentiments geschürt zu haben.

Trotzdem ist auffällig, dass die Führungsriege seiner Partei seit den Attentaten um einen moderaten Ton bemüht ist. Teile des Wahlkampfprogramms wurden zurückgezogen, etwa die Abrechnung mit den regierenden Sozialdemokraten. Schon allein optisch schien diese, mit einer abgeknickten Rose illustriert, nach Utøya nicht mehr in die Zeit zu passen. Parteichefin Siv Jensen, die gern mit ihrer Nähe zur US-Tea-Party-Bewegung kokettiert, kündigte nach den Attentaten an, dass ihre Partei ihre Sprache überdenken und rhetorisch abrüsten müsse.

Konkret bedeutet das, dass die Fortschrittspartei künftig nicht mehr pauschal vorm "Islam", sondern vor dem "radikalen Islam" warne, erklärt Høglund. Probleme in der Einwanderungspolitik und anderswo sollen zwar weiterhin benannt werden, sagt Høglund. Aber das dürfe nicht mehr in einer "hasserfüllten Sprache" geschehen. Ob der Partei das im Wahlkampf hilft, ist fraglich. In den Umfragen befindet sie sich seit den Attentaten im freien Fall.

Viele Parteieintritte

Nur wenige Meter vom Parlament entfernt liegt das Hauptquartier der bürgerlichen Høyre-Partei. Ihr Generalsekretär Lars Arne Ryssdal hat hier den Wahlkampf konzipiert. Anders als die Strategen der Fortschrittspartei musste er nun nichts korrigieren oder retuschieren. Auch er kritisiert das Auftreten und die Äußerungen der Rechtspopulisten. Dennoch hält seine Partei an der Fortschrittspartei als bevorzugte Koalitionsoption fest. Man müsse die Populisten in die Pflicht nehmen, sagt Ryssdal.

Der konservative Generalsekretär hofft, dass sich die politische Kultur durch die Attentate dauerhaft positiv verändert. Obwohl der Ton sachlicher geworden sei, habe sich das Interesse an Politik nicht verringert. Im Gegenteil: In den vergangenen drei Wochen traten seiner Partei 1.000 neue Mitglieder bei. Auch die Jungsozialisten erleben derzeit einen Mitglieder-Boom. Und die Wahlbeteiligung wird Umfragen zufolge am Wahltag in knapp vier Wochen einmalig hoch ausfallen. Das Land ist geschockt und will vom politischen Streit nichts wissen. Politik machen will es dennoch.

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Leserkommentare
    • -myway-
    • 16. August 2011 16:53 Uhr

    Es ist ein gutes Zeichen, wenn die skandinavische Gesellschaft zurück zu ihren Wurzeln findet.

    Diese Wurzeln, die sich mit Offenheit, Toleranz, Bildung und Demokratie definieren lassen, haben die skandinavischen Länder stark gemacht.

    Wenn Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark sich darauf besinnen kann es nur gut für diese Länder und Europa sein.

    • TomFynn
    • 16. August 2011 16:55 Uhr

    Populisten muss man nicht in die Pflicht nehmen.

    Man muss ihre Rhetorik für das entblößen, was sie ist:
    Hohle Phrasen die an die niedersten Instinkte appellieren.

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    Sie haben vollkommen Recht:
    Man kann Vorurteilen und blanken Hass nicht mit mit Druck bekämpfen - Sondern mit Enttarnung und Bloßstellung der Parolenschwinger und Rassenpropagandisten.

    Insofern wäre es wünschenswert, wenn sich endlich alle demokratischen Kräfte in Deutschland und Europa entschieden gegen die Aufstachelung und "geistige Mobilmachung" aus der rechten Ecke entgegenstemmen würden.

    Es wird Zeit, Personen wie Geert Wilders und Parteien wie Dansk Folkeparti an den Pranger zu stellen und Sie als Totengräber der Demokratie und des friedlichen Miteinanders zu enttarnen.

    Die Rhetorik der Kosmopoliten und anderen Freunde der "offenen Gesellschaft" muß man nicht einmal entblößen. Zu offensichtlich handelt es sich um hohle, selbstgerechte Phrasen, die an die Instinkte moralisch überheblicher Besserwisser appellieren und mögliche Konsequenzen verschleiern.

  1. ist der erste politiker der neueren geschichte,der angesichts des unermässlichen leides seiner nation ,nicht zu mehr polizei und auch nicht zu mehr kontrollen aufgerufen hat...desweiteren auch nicht den willen zur poiltischen profilierung verspühren ließ....er stand nicht vor seinen landsleuten und bediente ängste hass wut und rache....
    im gegeteil.. er teilte ohmacht,ratlosigkeit und schmerz....
    er appelierte an seine landsleute sich auf das zu besinnen was ihre gesellschaft zu dem gemacht hat was sie heute ist und dazu gehört eben offenheit, auch wenn sie verletzbar macht.

    tja...ich würde ihn ja für den friedennobelpreiss nominieren...mir fehlt nur leider das nominierungsrecht ...

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    Das können Sie doch Herrn Stoltenberg nicht antun. Oder glauben Sie, er wollte mit Obama und Arafat in eine Reihe gestellt werden?

  2. Sie haben vollkommen Recht:
    Man kann Vorurteilen und blanken Hass nicht mit mit Druck bekämpfen - Sondern mit Enttarnung und Bloßstellung der Parolenschwinger und Rassenpropagandisten.

    Insofern wäre es wünschenswert, wenn sich endlich alle demokratischen Kräfte in Deutschland und Europa entschieden gegen die Aufstachelung und "geistige Mobilmachung" aus der rechten Ecke entgegenstemmen würden.

    Es wird Zeit, Personen wie Geert Wilders und Parteien wie Dansk Folkeparti an den Pranger zu stellen und Sie als Totengräber der Demokratie und des friedlichen Miteinanders zu enttarnen.

    Antwort auf "Nein, Herr Ryssdal."
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    • J.E.B.
    • 16. August 2011 17:43 Uhr

    ...Dansk Folkeparti an den Pranger zu stellen und Sie als Totengräber der Demokratie und des friedlichen Miteinanders zu enttarnen."

    Na dann auf und ran an die Millionen Wähler dieser Parteien.

    Sagen Sie denen, daß sie alle "Totengräber der Demokratie" sind.
    Sie werden sich über Ihre schulmeisterische Art freuen.

    • th
    • 16. August 2011 18:39 Uhr

    und den islamistischen Populisten "das Wasser abgraben"?

    War mal bloss so ne Frage ...

    "Sie haben vollkommen Recht:
    Man kann Vorurteilen und blanken Hass nicht mit mit Druck bekämpfen - Sondern mit Enttarnung und Bloßstellung der Parolenschwinger und Rassenpropagandisten."

    Die Art, wie hier die Linke Kapital aus dem Amoklauf von Norwegen schlagen will, ist widerwärtig.

    "Insofern wäre es wünschenswert, wenn sich endlich alle demokratischen Kräfte in Deutschland und Europa entschieden gegen die Aufstachelung und "geistige Mobilmachung" aus der rechten Ecke entgegenstemmen würden."

    Nicht Sie entscheiden, wer demokratisch ist und wer nicht. Auch der politisch von Ihnen "rechts" stehende Flügel ist demokratisch genauso legitimiert wie der, dem Sie anzugehören scheinen. Wer freilich so weit links steht wie Sie, braucht sich über die vielen Rechten nicht zu wundern.

    "Es wird Zeit, Personen wie Geert Wilders und Parteien wie Dansk Folkeparti an den Pranger zu stellen und Sie als Totengräber der Demokratie und des friedlichen Miteinanders zu enttarnen."

    Die infame, haßerfüllte Kampfrhetorik gegen alles, was sich nicht der Politischen Korrektheit unterwirft, erhält nach dem Amoklauf noch einmal eine Zuspitzung. Das wird das genaue Gegenteil des Gewollten bewirken.

  3. "Pflicht nimmt" indem man mit ihnen koaliert, haben wir ja in der Weimarer Republik bewundern dürfen.

    Populisten muss man gnadenlos bloßstellen, besonders dann, wenn sie gerade Kreide gefressen haben.

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    • arinari
    • 16. August 2011 18:10 Uhr

    Aber die gibt es scheinbar nicht.

  4. Das können Sie doch Herrn Stoltenberg nicht antun. Oder glauben Sie, er wollte mit Obama und Arafat in eine Reihe gestellt werden?

    Antwort auf "Jens Stoltenberg ...."
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    bezieht sich ja nicht nur auf erbrachte leistungen,sondern auch oder vielmehr auf hoffnungen...

    • J.E.B.
    • 16. August 2011 17:43 Uhr

    ...Dansk Folkeparti an den Pranger zu stellen und Sie als Totengräber der Demokratie und des friedlichen Miteinanders zu enttarnen."

    Na dann auf und ran an die Millionen Wähler dieser Parteien.

    Sagen Sie denen, daß sie alle "Totengräber der Demokratie" sind.
    Sie werden sich über Ihre schulmeisterische Art freuen.

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    Sorry, aber Qualität geht vor Quantität. Es wurden schon Diktaturen Anfangs von Millionen mitgetragen... Von daher hat das (vermeintliche) Wählerpotential keinerlei Aussagekraft über die Qualität eines Wahlprogrammes einer Partei.

    Die Nationalsozialisten, die Bolschewiki, die Maoisten, ja, deren Düsentrieb war ungebrochen, zum Leidwesen aller Errungenschaften der Menschheit. Die rechtspopulistischen Parteien, die wie in Holland den Juden koscheres Fleisch verbieten sind Nazis!

    ihre Mitglieder und Wählenden freuen - wie es schon alle Rechtsradikalinskis in der Vergangenheit vorgemacht haben. Auch Ihr benutzter Begriff "schulmeisterlich" soll verletzen. - Das sind doch alte Kamellen. Damit wollen sie regieren? -

    Mehr wie eine Million werden es kaum sein, das auf ganz Europa verteilt. Fakt ist das es sich um Verlierer einer "gesunden" Geselschaft handelt. Die mit einer billigen Negation stimmung gegen Muslime macht. Nach dem Motto: "Der Pöbel will auch mal wieder was sagen dürfen, was seiner Gesinnung Ausdruck verschafft"

  5. Sorry, aber Qualität geht vor Quantität. Es wurden schon Diktaturen Anfangs von Millionen mitgetragen... Von daher hat das (vermeintliche) Wählerpotential keinerlei Aussagekraft über die Qualität eines Wahlprogrammes einer Partei.

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    • J.E.B.
    • 16. August 2011 17:59 Uhr

    Es handelt sich nicht um Wähler p o t e n t i a l sondern um reale Wähler, die diese Parteien bereits in die Parlamente gewählt haben.

    Interessiert Sie denn gar nicht die Beweggründe der Wähler?
    Mich schon.

    Wenn sich heute eine Partei auftäte, die sich explizit für die Abschaffung der Alimentierung des christlichen Klerus in D aus Steuergeldern einsetzt, hätte eine solche Partei mit Sicherheit ebenfalls einen enormen Zulauf.

    Menschen wählen nach ihren persönlichen Interessen und wenn es Parteien verstehen, diese Menschen anzusprechen ist das völlig okay und eine Kritik oder Verteufelung dagegen undemokratisch!

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