Syrien Assads Regime will den Glaubenskrieg
Syriens Führung versucht, die religiösen Gruppen gegeneinander aufzuhetzen, schreibt Muhammed, einer der Aktivisten in Aleppo. Er will mehr Druck aus dem Ausland.
Vor dem Beginn des arabischen Frühlings gab es im syrischen Volk immer zwei Ansichten zum Assad-Regime: Die einen sagten, es liebe seine Menschen und versuche ihnen Freiheit und Würde zu ermöglichen. Die anderen meinten: Das syrische Regime sei zwar schlecht – aber immer noch besser als die restlichen Herrschaften in der arabischen Welt.
Er nennt sich selbst Muhammad, ist 20 Jahre alt und Maschinenbaustudent. Er lebt mit zwei Brüdern und drei Schwestern in Aleppo bei seinen Eltern. In seiner Heimatstadt beteiligt er sich an den friedlichen Proteste gegen das Assad-Regime. Sein Telefon wird überwacht, genauso wie seine Internetkommunikation. Die Organisation Telecomix stellt ihm daher Werkzeuge zur sicheren Kommunikation zur Verfügung, so dass seine Texte, Bilder und Videos ohne große Gefahr für ihn Syrien verlassen können. Telecomix unterstützt demokratische Revolutionen wie in Tunesien oder Ägypten.
Gegenteilige Ansichten hörte man selten auf den Straßen. Einige wenige kritisierten immerhin die Rolle der verbündeten Türken und Iraner, die Syrien als Hinterhof ihrer eigenen Interessen missbrauchen würden.
Heute gibt es zumindest in den protestierenden Städten kaum noch Unterstützer des Regimes. In meiner Heimatstadt Aleppo ist zwar immer noch ein gutes Drittel der Bevölkerung nicht explizit gegen das Regime. Doch muss auch hier genauer hingesehen werden, denn deren Ansichten sprechen nicht unbedingt für Staatschef Baschar al-Assad: Die meisten von ihnen wollen einfach Ruhe und kein weiteres Blut auf Syriens Straßen sehen; ein kleiner Teil interessiert sich überhaupt nicht für Syrien und will, dass die Demonstrationen schnellstmöglich beendet werden. Einige wenige vermuten hinter den Demonstrationen Agenten Israels. Insgesamt geht auch in Aleppo der Rückhalt des Regimes kontinuierlich zurück.
Politik war tabu
Zu Beginn der von Dara ausgehenden Aufstände war das noch ganz anders. Über Politik zu sprechen, war nach wie vor ein Tabu, die Zahl der Unterstützer Assads sehr hoch. Doch auf einmal drangen in Aleppo junge wütende Menschen in die Amneh-Moschee ein und begannen dort zu demonstrieren. Sie waren noch komplett unorganisiert, die Sicherheitskräfte nahmen viele von ihnen fest. Dann begannen Bewohner aus dem Stadtviertel Sayf ad-Dawlah, diese Demonstrationen richtig zu organisieren. Fortan trafen in der Moschee nur noch Assads Söldner, die Shabiha-Miliz und die Rebellen aufeinander, Unbeteiligte waren keine dort, auch ich ging mehrere Male hin. Das Regime tötete einige der Protestierenden, was den öffentlichen Ärger stärker ansteigen ließ. Dann ließen sie die Moschee einfach schließen, die Begründung: Wartungsarbeiten.
Unsere nun folgenden Straßenproteste dauerten immer nur ein paar Minuten und wurden ausschließlich per mündlicher Weitergabe organisiert. Die meisten von uns Aufständischen sind gebildete Menschen, die an der Universität von Aleppo studieren. Das Problem an den Protesten war, dass uns die Bewohner Aleppos mit Angst begegneten. Diese Angst mussten wir aus ihren Herzen holen. Doch die Akzeptanz unserer Aktionen in der Bevölkerung blieb schwach. Wir wussten, dass dieser Typ Demonstration nicht mal einer Fliege, geschweige denn einem Regime gefährlich werden könnte.
Die Organisatoren bereiteten dann Demonstrationen nahe des Saadallah-al-Jabri-Platzes vor. Für einen kurzen Augenblick standen sich die Sicherheitskräfte und Protestierende ganz ruhig gegenüber, als plötzlich einige Jugendliche zu schreien begannen. Andere stimmten ein, bis mehr als 2.000 Menschen die gleichen Parolen riefen. Doch genau genommen können auch solche Proteste kein Regime stürzen, das ist die Realität.
Deshalb suchen wir weitere Menschen, die uns unterstützen. Assad muss niedergezwungen werden, nach wie vor. Er wird nicht vor noch mehr Blutvergießen zurückschrecken. Wir hoffen auf Überlaufende aus dem Militär, glauben tue ich daran aber nicht. Wir wissen: Gehen die Demonstrationen in Damaskus und Aleppo so weiter wie bisher, wird das Feuer der Revolution bald erloschen sein. Das Regime wird es unterdrücken.
- Datum 29.08.2011 - 18:45 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 50
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bislang hat alles was Assad und seine Schergen erreichen wolltte nicht geklappt, das blutige Niederschlagen der Proteste hat die Wut nochmehr geschürt, selbst vorher das Regime unterstützende Syrer wenden sich jetzt vermehrt von ihm ab. Ausser Wirtschaftssanktionen wird es aber nicht zu einem Militäreinsatz kommen, es sei den die Türkei werden hier tätig. Es mehren sich die Hinweise dass sich nach Monaten des unbewaffneten Widerstandes jetzt die Demonstranten bewaffnen und zurückschlagen wollen. Aber auch hier sei gesagt, dass die Gewaltanwendung dann natürlich der simplen Propaganda des Regimes nützen wird. Ein internationaler Druck auf die Golfstaatenregime würde die syrische Wirtschaft enorm belasten, bis dato konnte man über Orte wie Dubai noch fast jede Sanktion gegen Syrien umgehen.
"Wir als Opposition müssen den Menschen klar machen, was ihre Ziele sind."
Worauf bezieht sich das 'ihre'?
Auf die Menschen oder auf die Opposition?
Meint der Autor, dass die Opposition ihre Ziele den Menschen erklären müsse, dann sollte der zweite Halbsatz besser lauten: was unsere (der Opposition) Ziele sind.
Die andere Verständnismöglichkeit, dass die Opposition den Menschen klar machen müsse, was ihre (dieser Menschen) Ziele sind, ist fatal, ist Diktatur.
Genau das versucht nämlich Assad auch. Er macht den Menschen mit Waffengewalt klar, was ihre Ziele zu sein haben.
... derzeit gegenüber der Weltöffentlichkeit zu tricksen, zu täuschen und zu desinformieren versucht, lässt sich sehr gut anhand dieses kürzlich bei der russischen Nachrichtenagentur RIA-NOVOSTI erschienenen "Interviews" mit Al-Assads hohem Regimefunktionär Yasser Huria studieren:
http://de.rian.ru/politic...
Man findet in den (in sich äußerst widersprüchlichen) Behauptungen von Yasser Huria das ganze Komplettpaket an einschlägigen Verschwörungstheorien, Lügen, Geschichtsklitterungen, Ressentiments, Verherrlichungen und propagandistischen Standartfloskeln, wie sie ja auch hier im Leserforum von manchen Diktaturanhängern immer wieder gern kritiklos übernommen und gepostet werden.
Wer sich selbst dermaßen hermetisch gegen jedes freie, rationale und humane Denken und gegen die Realität abgekapselt, der ist mit verbalen Appellen längst nicht mehr in seinem ideologisch-dogmatisch abgeschlossenen gedanklichen Paralleluniversum erreichbar.
Im Fall von real über die totale Allmacht in ihrem Herrschaftsbereich verfügenden Despoten (wie Al-Assad) und deren Günstlingsklüngel, verheißt so etwas leider absolut nichts Gutes, insbesondere nicht für die betroffene Bevölkerung, die unter der wahnhaften Gewaltherrschaft und brutalen Willkür solch machtsüchtiger Fanatiker ganz konkret zu leiden hat.
Nur deutlich mehr äußerer Druck auf das Assad-Regime kann den davon betroffenen Menschen in Syrien jetzt noch effektiv helfen, in ihrem legitimen Widerstand!
Der Autor hat Recht, wenn er angibt , dass Syrien als Hinterhof von der Türkei bzw.von Iran betrachtet wird.
Diese Staaten handeln jedoch nicht. Warum auch ?
Moralische Unterstützung , gewiss, die haben die Syrer , auch Kontensperrungen sind kein Problem.
Solange jedoch kein offener Bürgerkrieg ausbricht, mit Anfangserfolgen oder Hoffnung auf Erfolg, solange wird keine fremde Macht die Syrer militärisch unterstützen in ihrem Bemühen , ihren Diktator loszuwerden.
Vergessen wir bitte nicht, dass die USA immer die Bösen sind und wenn sie sich in innere Konflikte einmischen dann von der versammelten ( linken und /oder diktatorfreundlichen )Presse als Feinde identifiziert werden. Warum sollen wir uns also in die inneren Konflikte einmischen ? Um wie im Falle Iraks gescholten zu werden ?
Was machen wir in Afghanistan ?
Nur der Erfolg rechtfertigt eine Revolution und deren Unterstützung. In Libyen hat es funktioniert weil es eine auch bewaffnete Revolution war. Hatte Herr Westerwelle leider nicht geschnallt.
Hat die Revolution in Syrien Erfolg, ohne Waffen ? Ich bezweifle dies.
Na ,da kann die NATO ja schon mal Nachschub für Bomben ordern und die "Hilfe" aus der Luft vorbereiten.
Wie in Libyen werden sich auch hier die Kinder sehr über das allabendliche Feuerwerk freuen.
Schlimm waren Bombardements nur zum Ende des II.Weltkrieges für Deutsche.
In Afrika ist alles anders.
Lustig.
Wie Silvester.
Mhm, kann die ZEIT-Redaktion garantieren, dass dieser Muhammad nicht vielleicht ein Nachbar und Kollege der berühmten syrischen Bloggerin Amina ist?
http://www.spiegel.de/net...
Ansonsten warte ich noch immer auf eine Darstellung der Konflikte in Syrien, die auch die Sichtweise der Regierung und der sie tragenden Bevölkerungsmehrheit berücksichtigt.
Sie wissen schon, die Sache mit dem Journalismus, der Recherche und so...
Ob das ginge?
@colca
Vielleicht nicht eine direkte Antwort auf Ihre Frage aber für Sie speziell glaube ich besonders interessant.
Ungeachtet der Weltpresse besuchte der Emir von Katar vor 4 Tagen den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahamdinejad in Tehran.
Sheikh Hamad wurde begleitet von einer hochrangigen Delegation und offiziell war der Anlass ein " Arbeitsiftar ".
Wenn Sie arabisch verstehen , dann können Sie vielleicht bei Al Dayar News Lebanon etwas näheres erfahren.
Ein Freund schickte mir folgende Zusammenfassung aus der ' Gerüchteküche ':
"Latest runmor out of Al Dayar news paper (Lebanon), after last Thursday trip of Emir of Qatar to Iran:
1: The Anti-Syrian position of NATO states is irreversible.
2: That he (Emir of Qatar) can still prevent a NATO assault on Syria if certain things occur.
3: US has requesed him to convey to the Iranian Government the need to stablize Afgahnistan.
Al Dayar also state that Iran has stated:
1: A NATO attack on Syria will mean direct involvement of Iran in that War.
2: Iran will designate the struggle to defend Syria as a Pan Islamic one – every Muslim is obligated to help Syria.
3: Iran will attack the NATO bases in Turkey if they are used for attacking Syria.
4: That NATO attack on Syria will ignite a regional war.
I note here that Iran has a formal alliance treaty with Syria – and not with Turkey.
On the other hand, Mr. Gul has hardened his stance towars Syria.
I will tell you all that Iranians will carry out their promises to defend Syria from external threats."
@colca
Vielleicht nicht eine direkte Antwort auf Ihre Frage aber für Sie speziell glaube ich besonders interessant.
Ungeachtet der Weltpresse besuchte der Emir von Katar vor 4 Tagen den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahamdinejad in Tehran.
Sheikh Hamad wurde begleitet von einer hochrangigen Delegation und offiziell war der Anlass ein " Arbeitsiftar ".
Wenn Sie arabisch verstehen , dann können Sie vielleicht bei Al Dayar News Lebanon etwas näheres erfahren.
Ein Freund schickte mir folgende Zusammenfassung aus der ' Gerüchteküche ':
"Latest runmor out of Al Dayar news paper (Lebanon), after last Thursday trip of Emir of Qatar to Iran:
1: The Anti-Syrian position of NATO states is irreversible.
2: That he (Emir of Qatar) can still prevent a NATO assault on Syria if certain things occur.
3: US has requesed him to convey to the Iranian Government the need to stablize Afgahnistan.
Al Dayar also state that Iran has stated:
1: A NATO attack on Syria will mean direct involvement of Iran in that War.
2: Iran will designate the struggle to defend Syria as a Pan Islamic one – every Muslim is obligated to help Syria.
3: Iran will attack the NATO bases in Turkey if they are used for attacking Syria.
4: That NATO attack on Syria will ignite a regional war.
I note here that Iran has a formal alliance treaty with Syria – and not with Turkey.
On the other hand, Mr. Gul has hardened his stance towars Syria.
I will tell you all that Iranians will carry out their promises to defend Syria from external threats."
und Yussuf wird jenes wollen.
Ibrahim das und Hussein was anderes.
Wessen Wunsch sollen / dürfen / wollen/ können / müssen wir erfüllen?
@colca
Vielleicht nicht eine direkte Antwort auf Ihre Frage aber für Sie speziell glaube ich besonders interessant.
Ungeachtet der Weltpresse besuchte der Emir von Katar vor 4 Tagen den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahamdinejad in Tehran.
Sheikh Hamad wurde begleitet von einer hochrangigen Delegation und offiziell war der Anlass ein " Arbeitsiftar ".
Wenn Sie arabisch verstehen , dann können Sie vielleicht bei Al Dayar News Lebanon etwas näheres erfahren.
Ein Freund schickte mir folgende Zusammenfassung aus der ' Gerüchteküche ':
"Latest runmor out of Al Dayar news paper (Lebanon), after last Thursday trip of Emir of Qatar to Iran:
1: The Anti-Syrian position of NATO states is irreversible.
2: That he (Emir of Qatar) can still prevent a NATO assault on Syria if certain things occur.
3: US has requesed him to convey to the Iranian Government the need to stablize Afgahnistan.
Al Dayar also state that Iran has stated:
1: A NATO attack on Syria will mean direct involvement of Iran in that War.
2: Iran will designate the struggle to defend Syria as a Pan Islamic one – every Muslim is obligated to help Syria.
3: Iran will attack the NATO bases in Turkey if they are used for attacking Syria.
4: That NATO attack on Syria will ignite a regional war.
I note here that Iran has a formal alliance treaty with Syria – and not with Turkey.
On the other hand, Mr. Gul has hardened his stance towars Syria.
I will tell you all that Iranians will carry out their promises to defend Syria from external threats."
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren