Gewalt in Syrien : Trittin fordert Importverbot für syrisches Öl

Der Fraktionschef der Grünen hat die zurückhaltenden Sanktionen gegen das syrische Regime kritisiert. Er verlangt von der EU, die Ölimporte aus dem Land zu stoppen.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Europäische Union aufgefordert, künftig kein Öl mehr aus Syrien zu importieren. Damit soll der Druck auf das Regime von Präsident Baschar al-Assad erhöht werden, das seit Monaten mit großer Brutalität gegen die Opposition im Land vorgeht.

"Ein vollkommener Stopp der Ölimporte aus Syrien würde das Regime in Damaskus viel wirksamer treffen als ein paar Reiseverbote für seine Funktionäre", sagte Trittin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Syrien beziehe fast ein Viertel seiner Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas. Die Bundesregierung müsse sich für dieses Embargo in der EU stark machen, verlangte der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion. Die EU hat bereits mehrere Sanktionsrunden gegen Syrien verhängt, ein Öl-Embargo zählt bislang aber nicht dazu.

USA rufen Bürger zur Ausreise auf

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat das US-Außenministerium alle US-Bürger zur sofortigen Ausreise aufgefordert. Sie sollten das Land "sofort" verlassen, solange es noch kommerzielle Flüge gebe, hieß es in einer Reisewarnung. Es könne im ganzen Land jederzeit und ohne Vorwarnung zu Demonstrationen kommen.

Syrische Sicherheitskräfte gehen seit Monaten gewaltsam gegen die Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad vor. Die USA hatten Assad am Freitag für den Tod von mehr als 2.000 Menschen verantwortlich gemacht. Allein bei dem sechstägigen Angriff syrischer Panzer auf die Stadt Hama sind zuletzt mindestens 300 Zivilisten getötet worden. Die örtlichen Koordinations-Komitees beriefen sich dabei auf Angaben von Flüchtlingen. Unter den Toten seien viele Menschen, die zunächst nur verletzt worden aber wegen fehlender medizinischer Hilfe inzwischen verstorben seien.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Das ist ein Hammer !

Da bin ich absolut verwundert. Da schießt, ermordert, terorrisiert ein Staat seine eigene Bevölkerung und der Westen kauft noch Öl bei denen!
Das ist ja Abartig bis zum Geht nicht mehr.
Ach ja, die Sorgen der Reichen Elite die sich verzockt haben, sind ja immer noch wichtiger, die brauchen ja wieder neue Rettungspakete um sich wieder an Steuergelder noch mehr zu bereichern.Da interessieren die ein paar Millionen Hungernden auch nicht.
In was für einer bekloppten Welt leben wir.Die Welt braucht ehrliche und Würdevolle Politiker und keine Marionettenpuppen!!!!

Ich meine mal gelesen zu haben, dass

Deutschland der größte Importeur syrischen Öls ist/war (leider kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wo ich das gelesen habe).

Wenn er also unbedingt unmittelbare Sanktionen fordert, dann reicht es evtl. Angela anzurufen. Nur bei den Öl-Importboykotts ist das idR so eine Sache. Schneidet man sich eher ins eigene Fleisch und willige Abnehmer gibt es für den Exporteur so oder so. Die Chinesen nehmen das syrische Öl sicherlich gerne.

Gute links.

Wusste ich doch, dass da irgendwas mit Deutschland und syrischem Öl war.
Wobei ich den dramatischen Anstieg syrischen Öls an den Irak binnen weniger Jahre bemerkenswert finde.
Bleiben egtl. nur 2 Theorien:
1) Die Amerikaner sind egtl. Abnehmer des Öls und nutzen die irakische Regierung/den Irak nur als Zwischenhändler.
2) der Teil des Öls, was die westlichen Multis im Irak fördern ist tatsächlich so hoch, dass der Irak für den Eigenbedarf impotieren muss.

Oder übersehe ich da was?

Ihre Fragen

sind vermutlich ähnlich schwer zu beantworten, wie die Frage nach den tatsächlichen saudischen Reserven. Was in Irak geschieht, vor allem im Norden, um Kirkuk herum, ist bereits Anlass für ein paar interessante Dokumentarfilme gewesen; darin sah man US-Einheiten, denen Iraker ganze Lastzüge an Rohöl vor der Nase weg schleppten. auf der anderen Seite gibt es da langjährige Konzessionen für Westfirmen, ein Eldorado für jene, denen aus den Augen stets nur $-Zahlen hervor stechen. Vornehm nennt sich das dann "Weltordnung".

Naja, zum Thema

allgemeine Vorgänge infolge der Okkupation des Iraks bzgl. der Öl-Industrie, find ich folgenden Abschnitt bei Wikipedia ganz interessant.

http://en.wikipedia.org/w...

Das Gleiche wird zB Libyen ebenfalls drohen.

Syrien ist IMO eher von geostrategischem Interesse, insbesondere ggü. Russland. Da sind die paar Ölfelder sowie die Naturgasvorkommen als Grund des Interessesvermutlich eher sekundär.

Naja, bzgl. der Stützräder

bin ich selber skeptisch, aber ist halt die Frage, inwiefern man wikileaks da trauen kann. Scheinen sich ja alle auf die gleiche Quelle zu berufen.

http://www.washingtonpost...

http://globalresearch.ca/...

Wobei man schon ganz klar sagen muss, eine bessere moralische Rechtfertigung als den Schutz von Menschenleben und Menschenrechten, gibt es nicht.
Insofern würde allein das klassische "Wer profitiert davon?"-Argument darauf hindeuten, dass an den fraglichen Dokumenten wohl etwas dran ist.